Funkchips

Ein RFID-Chip (oder Tag) besteht aus einem kleinen Chip mit Drähten, die eine Antenne bilden (das Röntgen-Bild unten zeigt den RFID-Chip in der Metro-Payback-Kundenkarte). Die Chips sind in Gegenstände, Etiketten oder Verpackungen eingebaut und brauchen keine eigene Batterie. Sie funktionieren per Funk (Induktion, also genau wie sich die elektrische Zahnbürste auflädt). Ein Lesegerät, häufig auch „Antenne“ genannt, sendet einen Funk-Impuls und der Schnüffelchip sendet eine auf ihm gespeicherte weltweit einmalige Nummer zurück. Immer wieder wird abgewiegelt: „Meine Güte, über den Strichcode haben sich vor 20 Jahren auch alle aufgeregt und vorm ›gläsernen Kunden‹ gewarnt. Was soll denn an RFID nun so anders sein?“

Was ist neu an RFID-Chips?

  • Jeder Gegenstand bekommt eine weltweit eindeutige Seriennummer und ist damit eindeutig identifizierbar. Bislang hat jeder Joghurtbecher einer bestimmten Sorte im Regal den gleichen Strichcode aufgedruckt. Mit RFID wird jeder Becher einzeln identifiziert. Erst der nachgeschalteten Datenbank ist zu entnehmen, zu welcher Sorte gerade dieser Becher gehört. Sie als Käufer/in werden dadurch ebenfalls eindeutig identifizierbar, wenn Sie den Becher z.B. mit Bank- oder Kundenkarte bezahlt haben.
  • Die Schnüffel-Chips arbeiten per Funk und damit berührungslos. Sie können gelesen werden, ohne dass Sie es merken können. Während Sie z.B. den Strichcode Ihrer Kundenkarte ausdrücklich vor ein Lesegerät halten müssen, wissen Sie bei RFID-Technik nicht, wer zu welchem Zeitpunkt etwas über Sie weiß.
  • Die Chips sind so klein und billig, dass sie bald in jeden Jackenkragen, jede Schuhsohle eingebaut werden können. Dort lassen sie sich nicht mehr entfernen, ohne das Produkt (z.B. den Schuh) zu zerstören. Das bedeutet: Jede Lese-Antenne, an der Sie vorbei kommen, erfasst Ihren Chip aufs Neue. Etwa im Bus, an der Tankstelle, im nächsten Supermarkt... Die uns bisher bekannten „Deaktivatoren“ haben das nicht verhindert. Häufig wird auch gesagt, die Chips gingen doch ganz einfach in der Mikrowelle kaputt. Wir haben es ausprobiert: Der Chip geht dort in Flammen auf und brennt ein Loch in den Joghurtbecher. Eine ganz schöne Sauerei!

Das kann böse Folgen haben

  • Unser Einkaufsverhalten wird ausspioniert, ohne dass wir es merken. Wer steht wie lange vor welchem Regal? Welche Werbung kann man diesem Kunden gezielt zuschicken?
  • Antennen zum Auslesen können auch in Türschwellen, Tanksäulen oder Ampeln eingebaut werden. Dann wissen bald viele – möglicherweise auch Geheimdienste oder Verbrecher – welches Kaugummi wir kauen und welche Kreditkarten wir bei uns tragen.
  • Produkte ohne RFID wird es irgendwann nicht mehr geben.
  • Je mehr Funk benutzt wird, desto höher der Elektrosmog.
  • Womit es ja aber nicht aufhört, was mögliche Umweltschäden durch die flächendeckende Verbreitung der Chips angeht. Sobald sie ausgedient haben, sind sie nämlich Sondermüll aus Silizium-Substrat, Kupfer, Blei, Kunststoff und manchmal Glas, auf dessen Entsorgung die Müllbeseitigungsbetriebe nicht eingestellt sind. Möglicherweise sind sie das ja bald, doch das löst nicht die weiteren möglichen Umweltbelastungen durch Abfall, der auf Deponien usw. landet und dann Luft und Gewässer belastet. Darüber macht sich inzwischen sogar die oberste US-amerikanische Umweltbehörde, das Office of the Environmental Executive (OFEE)Gedanken, wie ZDNET 12/2005 berichtet.
  • Vom Regen in die Traufe: RFID löst keine Probleme, sondern schafft neue. So soll Ladendiebstahl angeblich mit RFID nicht mehr möglich sein, weil ja jeder, der mit einem RFID-verwanzten Gegenstand die Kasse passiert, registriert wird. Wenn Sie gerade an der Reihe sind und sich jemand mit einem geklauten Gegenstand in der Jacke an Ihnen vorbeischiebt, wird dieser Gegenstand zwar registriert – aber auf Ihrem Kassenbon. Der Laden hat dann kein Problem mit Ladendiebstahl mehr, der Gegenstand wird ja bezahlt – von Ihnen.

Wohin das führen kann:

Auch wenn es unglaublich klingt: Die Szenarien aus unserem Artikel "RFID – Szenen des Alltags" sind entweder bereits Realität oder eng an die Marketing-Strategie-Papiere und Patentanmeldungen der RFID-Lobbyisten angelehnt. Eine beeindruckende Sammlung dieser Original-Unterlagen finden Sie im Buch Spychips oder in unserem für die BigBrotherAwards 2003 entworfenem Szenario. Ebenfalls lesenswert ist zudem unser Postionspapier über den Gebrauch von RFID auf und in Gebrauchsgütern.


Bild: ike krzeszak auf flickr (CC BY 2.0)


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Veröffentlicht am 17.04.2013

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