Zehntausende fordern Recht auf Leben ohne Digitalzwang
P r e s s e m i t t e i l u n g
Bielefeld, 17.03.2026
Zehntausende fordern Recht auf Leben ohne Digitalzwang
Mehr als 55.000 Menschen unterstützen bereits die Digitalzwang-Petition von Digitalcourage. Zum 23. Mai, dem Tag des Grundgesetzes, überreicht Digitalcourage die Petition in Berlin an Digitalpolitikerinnen und Digitalpolitiker der demokratischen Fraktionen im Deutschen Bundestag. Bis dahin will die Organisation mindestens 75.000 Unterschriften erreichen.
Fahrkarten per App, Behördentermine nur online: Immer mehr Alltagsangebote funktionieren ausschließlich digital. Auch die Bundesregierung setzt im Koalitionsvertrag auf „Digital Only“ bei Verwaltungsleistungen. Wer kein Smartphone nutzt oder keine Apps installieren will, stößt schnell auf Hürden. Dies schränkt immer mehr Menschen ein. Das zeigt auch der Digitalzwang-Melder von Digitalcourage. Mit ihm haben Bürgerinnen und Bürger bereits viele Tausend Beispiele eingereicht. Täglich kommen neue hinzu.
„Digitalisierung kann vieles erleichtern, aber sie darf nicht zur Voraussetzung für Teilhabe werden“, sagt Rena Tangens, Mitgründerin von Digitalcourage. „Wenn Angebote der Grundversorgung nur noch digital erreichbar sind, werden Menschen ausgeschlossen. Analoge Alternativen sichern Teilhabe.“
Dass das Problem viele Menschen betrifft, zeigen aktuelle Zahlen des Statistisches Bundesamt (Destatis, Mikrozensus 2025): Allein unter den 16- bis 74-Jährigen haben rund 2,1 Millionen Menschen in Deutschland das Internet noch nie genutzt. Besonders die Altergruppe der 65- bis 74-Jährigen sticht heraus: Etwa 10 % sind offline. Wenn Fahrkarten, Terminvergaben oder andere Angebote ausschließlich digital organisiert sind, wird für diese Menschen der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen schwierig.
Doch Digitalzwang betrifft nicht nur ältere Menschen. Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle. „Digitalzwang trifft auch Menschen mit wenig Geld“, sagt Max Hampel, Campaigner bei Digitalcourage. „Viele Apps laufen nur auf neueren Smartphones. Wer sich kein aktuelles Gerät leisten kann oder kein dauerhaftes Datenvolumen hat, bleibt außen vor. Auch Menschen, die weder Google noch Apple ihre Daten geben möchten, werden ausgeschlossen.“
Die Petition von Digitalcourage fordert eine Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes: Niemand darf benachteiligt werden, weil er oder sie Online-Zugänge nicht nutzt. Menschen müssen Fahrkarten kaufen, Behördentermine vereinbaren oder Verträge abschließen können – auch ohne Smartphone oder App.
Digitalcourage betont zugleich: Die Initiative richtet sich nicht gegen Digitalisierung. Auch die öffentliche Verwaltung muss digitaler werden. Entscheidend ist jedoch, dass dabei niemand ausgeschlossen wird. Digitale Angebote sollen verbessern und ergänzen – nicht ersetzen. Analoge Zugänge müssen erhalten bleiben.
Die Petition kann online auf der Website von Digitalcourage unterzeichnet werden. Alternativ können auch Petitionsblöcke bei Digitalcourage bestellt werden, um die Kampagne analog zu unterstützen. Jede weitere Unterschrift erhöht den Druck auf die Politik, Digitalisierung so zu gestalten, dass niemand ausgeschlossen wird.
Für Interviews, Hintergrundgespräche oder andere Formate steht Digitalcourage gern zur Verfügung.
Link zur Petition:
https://digitalcourage.de/petition-dz
Alle Infos zu Digitalzwang:
https://digitalcourage.de/digitalzwang
Zahlen des Statistisches Bundesamt:
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_09_p002.html
Digitalcourage
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