Das dreizehnte Adventstürchen

Ilona Koglin, CC-BY 4.0

Sagt Ihnen die „Metro AG“ etwas? Bestimmt klingeln die (Weihnachts-)Glöckchen eher bei Namen wie Media Markt, Saturn, Real oder Kaufhof – bis 2020 alles Mitglieder der Metro-Group. Digitalcourage und die Metro AG haben eine lange gemeinsame Geschichte, die mit RFID-Chips begann und mit Gesichtserkennungssoftware fortgesetzt wurde.

Wie sich die Metro AG einen BigBrotherAward verdiente:

Im Jahr 2003 verliehen wir der Metro AG einen BigBrotherAward in der Kategorie Verbraucherschutz. Den verdienten sie sich durch das Projekt „Future Store“, der die RFID-Technik in Deutschland salonfähig machen sollte. Der berührungslos auszulesende Chip – bis zu acht Meter können Lesegeräte entfernt sein! – sollte zu der Zeit den Barcode auf Waren ersetzen. RFID ist die Abkürzung für den sperrigen Begriff „Radio Frequency Identification“ und bezeichnet winzige Chips mit Antenne, die eine weltweit eindeutige Seriennummer enthalten und per Funk ausgelesen werden können. (Mehr informationen über RFID-Schnüffelchips gibt es auf unserer Website)

Erfolge:

Unser BigBrotherAward für die Metro AG und von ihnen propagierte RFID-Chips sorgte für einen der ersten großen Erfolge von Digitalcourage, damals noch FoeBuD genannt. Der Spiegel beschrieb unsere Aktion mit den Worten: „Es ist ein ungleicher Kampf – eine Handvoll ehrenamtlich arbeitender Enthusiasten des FoeBuD gegen milliardenschwere Konzerne – doch er zeigt Wirkung.“

Problematisch war unter anderem, dass Metro ohne Aufklärung der Kunden RFID-Chips in Kundenkarten verbaute. Somit waren Kund.innen jederzeit identifizierbar. Noch nicht einmal die „Deaktivatoren“, die Metro anbot, um die RFID-Chips zu deaktivieren, funktionierten richtig. Das Ergebnis war: Metro zog die Kundenkarten mit RFID-Chips dank unserer Proteste zurück und trug sowohl einen Image- als auch einen Geldschaden davon. 2007 schrieben wir ein ausführliches Update über den ganzen Prozess und die dreisten Lügen und Täuschungsversuche der Metro AG, das immer noch sehr lesenswert ist.

Gesichtserkennungssoftware in Real-Märkten:

2017 legten wir uns ein weiteres Mal mit der Metro AG an, dieses Mal konkret mit Real. Diese nutzten Gesichtserkennungssoftware, um Kundinnen und Kunden eine auf Personengruppen zugeschnittene Werbung zu zeigen. Wir klärten die Bevölkerung darüber auf und stellten eine Strafanzeige. Bereits eine Woche später beendete Real das Projekt. Wieder einmal zeigte sich, dass auch wenige Leute viel bewirken können. Daraufhin haben wir die Strafanzeige nicht weiter verfolgt.

Auch wenn sie inzwischen alltäglicher geworden sind: Nach wie vor erzeugen RFID-Chips Gefahren für die Privatsphäre. Maßnahmen zu Ihrem Schutz und für den richtigen Umgang mit den Chips finden Sie auf unserer Website.

Grid imageMatthias Hornung

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Veröffentlicht am 01.12.2020

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