Das dreiundzwanzigste Adventstürchen

Weihnachtsgeschenke-Stress: „Oh nein, ich habe die Schwiegermutter vergessen!“ – Schnell einen Gutschein ausgedruckt und  gerade so noch einmal das Fettnäpfchen umschifft. Aber denken Sie nicht, dass Sie sich rausreden können, wenn der Gutschein nicht gefällt! Zumindest nicht, wenn Sie einen Canon-Farb-Drucker haben. Canon ermöglicht es, das individuelle Gerät zu identifizieren, das für einen Druck verwendet wurde. Bereits 2004 wiesen wir auf dieses Datenleck hin – leider blieb Canon uneinsichtig. 2017 wurde die Whistleblowerin Reality Winner aus den USA durch die Geräte-Kennung zurückverfolgt, identifiziert und verurteilt.

Wie sich Canon einen BigBrotherAward verdiente:

Der BigBrotherAward in der Kategorie Technik ging 2014 an Canon, vertreten durch die Canon Deutschland GmbH. Durch das Einbetten einer unsichtbaren, weltweit einmaligen Geräte-Kennung in sämtlichen Farbkopierern ermöglicht die Firma die Rückverfolgung eines jeden mit Canon-Kopierern erzeugten Produktes. Auf jeder Farbkopie erzeugen sie einen für das bloße Auge unsichtbaren Code, der die Geräte-ID und teilweise auch das Datum des Drucks angibt. All das, ohne dass Nutzende oder zumindest der Käufer.innen informiert werden! Canon ist mittlerweile nicht der einzige Hersteller von Druckern, die einen sogenannten „Machine Identification Code“ erzeugen. Die US-Regierung hat Druckerhersteller sogar dazu verpflichtet! (Mehr Informationen in der Laudatio)

Die angeführte Begründung ist die Strafverfolgung, etwa bei Fälschungen von Ausweisen oder Geldscheinen. Das mag noch eine plausible Rechtfertigung sein, aber der geheime Code bringt große Gefahren für die Informationsfreiheit mit sich – beispielsweise für den Journalismus und Whistleblowing.

Erfolg?

Die US-Amerikanische Organisation EFF konnte 2005 den von uns entdeckten versteckten Code entschlüsseln. Mehr zu den Dots lässt sich in der Wikipedia nachlesen.

Bereits 2004 thematisierten wir in unserer Laudatio explizit die Gefahr, dass Whistleblower.innen erkannt oder eingeschüchtert werden könnten. 2017 ist genau dies leider eingetreten. Durch den geheimen Code auf den geleakten Dokumenten des „Intercept“ wurde die Whistleblowerin Reality Winner in den USA identifiziert und anschließend verurteilt.

Dieser Fall war vermeidbar! Reality Winner ging unnötigerweise ins Gefängnis. Und wir wissen nicht, wie viele andere potentielle, für das öffentliche Interesse wichtige Whistlerblower.innen abgeschreckt wurden.

Bis heute spornt uns dieser Fall weiter an, die BigBortherAwards zu vergeben, unsere Reichweite zu nutzen und weiter zu vergrößern. Hier sind wir auf die Unterstützung durch Spenden angewiesen.

BigBrotherAwards Nominierungen 2021

Ihre Nominierungen für die BigBrotherAwards 2021 nehmen wir gerne entgegen. Nennen Sie uns Organisationen, Institutionen, Verbände oder Personen, die Ihres Erachtens für die Verleihung eines BigBrotherAwards in Frage kommen.

Grid imageMatthias Hornung

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Über uns

Digitalcourage e.V. engagiert sich seit 1987 für Grundrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter. Wir sind technikaffin, doch wir wehren uns dagegen, dass unsere Demokratie „verdatet und verkauft“ wird. Seit 2000 verleihen wir die BigBrotherAwards. Digitalcourage ist gemeinnützig, finanziert sich durch Spenden und lebt von viel freiwilliger Arbeit. Mehr zu unserer Arbeit.

Veröffentlicht am 01.12.2020

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