Rettet F-Droid

Googles Angriff auf die App-Freiheit

Google macht Android dicht und nennt den verbleibenden Hindernisparcours dann Freiheit. Wie frech kann Verhinderungs-Design sein?

In letzter Zeit beobachten wir zunehmend ein Phänomen, das wir hier Verhinderungs-Design nennen wollen. Tech-Konzerne wie z.B. Google versperren ihre Produkte und schaffen als Feigenblatt eine theoretische Ausweichmöglichkeit. Diese Ausweichmöglichkeit gestalten sie dann aber so kompliziert, abschreckend und unpraktikabel, dass sie realistisch niemand nutzen wird. Aber wir wollen ja bei aller Kritik präzise bleiben und verlieren uns dann schnell in technischen Details. Genau darauf zielt Googles aktuellste Masche: Die bloße Existenz einer Scheinoption soll verhindern, dass klar benannt wird, was praktisch geschieht – Googles Angriff auf die App-Freiheit. Wenn Google die Installation von Apps außerhalb des eigenen Vertriebswegs faktisch verhindert, lassen wir deshalb im Folgenden die theoretische Schein-Option unter den Tisch fallen und sagen, was ist: Google verbietet Drittanbieter-Apps.

Googles Plan

Die AG Digitale Selbstverteidigung hilft seit 13 Jahren Menschen dabei, sich und ihre Geräte unabhängig von Tech-Giganten zu machen und vor Überwachung zu schützen. Das Problem dabei ist leider: Je wirksamer eine Maßnahme ist, desto schwieriger ist es, sie umzusetzen. Deshalb sind besonders die Optionen für uns wertvoll, mit denen man mit relativ wenig Aufwand sehr viel Freiheit gewinnt, und die man sofort einführen kann, ohne den vertrauten Hafen dafür verlassen zu müssen. Solch eine Option ist der F-Droid-App-Store. Den können Sie mit wenig Aufwand auf einem Android-Gerät installieren und dann das Gerät in Ihrem Tempo auf bessere Apps umstellen. Und er ermöglicht Ihnen, ein Google-Android ohne Google-Account zu nutzen (den man ja für den Google Play Store braucht). Noch. Denn genau das möchte Google nun unterbinden.

Im August 2025 hat Google angekündigt, dass man ab September 2026 nur noch Apps über den Google Play Store installieren kann. Die Option, eine sogenannte Drittanbieter-App (wie den F-Droid oder alle darin angebotenen Apps) zu installieren, soll dann nur noch über ein Verhinderungs-Design eingeräumt werden. Eine einfache und niederschwellige Anleitung oder einen Workshop, bei dem man das gemeinsam macht, kann es nach dieser Änderung nicht mehr geben.

Dabei bleibt vieles an Googles Plänen selbst den Expert.innen, die sich viel damit beschäftigen, unklar. Das liegt auch daran, dass Google hier sehr bewusst vage und unklar bleibt. Werden dann auch bereits installierte Apps blockiert oder kann man sie nur nicht mehr updaten? Keine klare Antwort. Selbst über das Datum und die betroffenen Regionen herrscht Unklarheit. Es ist ungemein schwierig, das gut zu erklären, weil wir selbst so vieles nicht wissen.

Klar ist: Wenn Google diesen Plan wirklich umsetzt, ist das ein enormer Schlag gegen unsere Bemühungen, unsere Geräte zu befreien. Denn alternative Android-Systeme (sogenannte Custom ROMs) sind von der Änderung zwar unbetroffen, aber auch sie werden früher oder später das Problem zu spüren bekommen. Wenn es sich z.B. gar nicht mehr lohnt, Apps für F-Droid anzubieten. Und viele Menschen schrecken davor zurück, auf ein Custom ROM umzusteigen, weil das einfach eine viel größere Hürde ist.

Digitalcourage wirkt. Wirken Sie mit!

Ihr Handy wird demnächst Google gehören

Sie haben Ihr Geld in ein Android-Gerät gesteckt, möglicherweise in dem Glauben, dass es sich immer um eine offene Plattform handeln wird, damit sie selbst darüber entscheiden können, welche Apps aus welchem App Store auf Ihrem Gerät laufen werden. Vielleicht haben Sie sich nur deshalb für Android entschieden, weil man dort (anders als bei Apple) auch über andere Quellen Apps beziehen kann. Zumindest wurde Ihnen das beim Kauf versprochen.
Dieses Versprechen wird ohne Ihre Zustimmung gebrochen – durch ein stilles Betriebssystem-Update, dem Sie sich nicht entziehen können.

Der Autor Cory Doctorow vergleicht diese Art des Eingriffs in Ihr Eigentum mit einem Marken-Turnschuh, sagen wir von Nike. Sobald Sie diesen Turnschuh gekauft haben, gehört er Ihnen und Sie dürfen damit machen, was Sie wollen. Was würden Sie sagen, wenn Nike Ihnen nun vorschreiben wollte, dass Sie in diesem Turnschuh ausschließlich Schnürsenkel verwenden dürfen, die Nike Ihnen verkauft hat? „Nicht cool!“ hoffentlich. Denn schließlich sind es Ihre Schuhe und Sie dürfen bestimmen, was damit geschieht und welche Schnürsenkel Sie nutzen.

Google spricht Ihnen also das Recht ab, über Ihr eigenes Hab und Gut zu entscheiden.

Keine freien Apps für niemand.

Wenn Google keine Drittanbieter-Apps mehr zulässt und sich das auch nicht mit einem Aufwand von unter 10 Minuten ändern lässt, wird Android endgültig zum unfreien Betriebssystem. Dann kann man es nicht mehr ohne Google-Konto nutzen und muss die trackerverseuchten Apps aus dem Play Store installieren. Gerade Menschen, die sich nicht so gut auskennen, werden damit komplett eingesperrt.

Alternative Quellen für Apps verlieren auf einen Schlag einen Großteil ihrer Zielgruppe und damit ihren Sinn. Die wenigen, die mit alternativen Systemen weiterhin F-Droid nutzen, sind so unerheblich, dass viele Entwickler.innen sich zweimal überlegen werden, ob sie diesen freien App-Store überhaupt noch beliefern. Das bedeutet: Die Wahlfreiheit für alle geht verloren.

Nicht nur die Nutzenden leiden unter diesem Schritt. Auch alle, die für Android programmieren wollen, sind gekniffen. Die vorausgesetzte Registrierung bei Google beinhaltet: Abgabe einer Kopie des Personalausweises, Zustimmung zu Googles Nutzungsbedingungen, Zahlung einer Gebühr, Nachweis eines privaten Signaturschlüssels und die Auflistung aller aktuellen und zukünftigen App-Bezeichner.
Das sind die Forderungen und Regeln, die Google jetzt für diejenigen aufstellen will, die eine selbstentwickelte App auf einem Android-Gerät installieren möchten. Und das bei Google, einer bekannten Datenkrake, über die gut dokumentiert ist, dass sie Forderungen autoritärer Regime nach App-Löschungen bereitwillig nachkommt.

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Außerdem würden zusätzliche finanzielle und technische Hürden Menschen und Organisationen in Ländern mit geringeren Ressourcen besonders stark treffen. Sie könnten dadurch vom Zugang zu freier Software und von der Mitwirkung an ihrer Entwicklung ausgeschlossen werden und zugleich noch stärker in die Abhängigkeit großer Tech-Konzerne geraten.

Daraus entsteht eine vollständige Abhängigkeit von US-Tech-Giganten, da es keine Alternative zu Android in Europa gibt. Die EU hat zwar gerade Apple dazu verdonnert, einen alternativen App-Store zuzulassen. Aber dies wurde natürlich in „Verhinderungs-Design“ umgesetzt. Nach dem Motto „ein Schritt vor, drei Schritte zurück“ sieht die Politik jetzt tatenlos zu, wie Google quasi gleichzieht. Kartellrechtlich sollte so etwas eigentlich gar nicht zulässig sein.

Wenn wenige große Konzerne Kontrolle über zentrale digitale Infrastrukturen ausüben, entsteht ein „Tech‑Feudalismus“, den wir als Europäer.innen ablehnen sollten. Monokulturen waren noch nie eine gute Idee. Davon wird alles für alle schlechter. Außer für die Aktionäre. Die streichen die Kohle ein, die man noch viel besser aus uns herausquetschen kann, wenn wir auf ihren Plattformen eingesperrt sind.

Jetzt handeln

Es ist gar nicht so einfach, gegen Googles Pläne vorzugehen. Aber hey! Wozu haben wir Volksvertreter? Die EU prüft bereits und wir sollten ihr deutlich machen, dass wir da sehr genau hinsehen.

Eine Liste aller EU-Abgeordneten für Deutschland kann dabei helfen, aber wir haben da mal was vorbereitet:
Wir haben die E-Mail-Adressen aller deutschen Abgeordneten (ohne AfD und BSW) in einer Datei zum Download zusammengestellt. Einfach in das Adressbuch vom Mailprogramm, z.B. Thunderbird, importieren, als lokale Mailingliste anlegen und per BCC Ihren Wunschtext an die Mitglieder des Europäischen Parlaments schicken.

Sinnvoll wäre auch, sich an die Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission zu wenden, die eine Kontaktseite für Anliegen über Anti-Trust, Kartelle und allgemeine Fragen anbietet. Es existiert auch eine Kontaktseite für EU-Bürger.innen für Anliegen zum Digital Markets Act (DMA).

Außerdem sollten jetzt noch so viele Menschen wie möglich F-Droid installieren.

Und wir müssen darüber sprechen. Verlinken und posten Sie https://keepandroidopen.org/ so oft es geht, verbreiten Sie diesen Artikel oder den offenen Brief von Keep Android Open und sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Und denken Sie immer daran: Es muss nicht perfekt sein. Es ist Teil der Strategie, das so undurchsichtig zu gestalten, dass wir es nicht gut erklären können. Erlauben Sie sich das Gegengift und vereinfachen Sie, auch wenn dann die theoretisch gegebene Option im Verhinderungs-Design unerwähnt bleibt. Diese Ungenauigkeit können Sie gerne in Kauf nehmen.

Weitere Infos und Vorschläge gibt es unter: keepandroidopen.org/de