Der Wolf in der Schafsherde

Siebzehntes Adventstürchen

Dieses Jahr verkündete Google: Ab 2022 wird der Chrome-Browser Cookies von Drittanbietern blockieren. In der Theorie heißt das, dass keine persönlichen Daten mehr an externe Werbeunternehmen abfließen. Gibt uns das unsere Privatsphäre im Netz zurück? Sagen wir es alle gemeinsam: Nein!

Das neue Tracking-System von Google heißt FLoC (Federated Learning of Cohorts) und funktioniert so: Anhand unserer Online-Aktivitäten der letzten sieben Tage werden wir einer Gruppe von Nutzer.innen mit ähnlichem Verhalten zugeordnet. Diese Gruppenzuordnung wird im Browser gespeichert. Wenn wir eine Webseite mit Werbung aufrufen, bekommen wir Werbung angezeigt, die an unsere FLoC-Gruppe angepasst ist. Aber: Sobald wir uns auf einer Website einloggen, können unsere im Konto hinterlegten persönlichen Daten mit unserer FLoC-Gruppe verbunden werden. Und das war's dann wieder mit der Anonymität. Das Gleiche passiert, wenn man dauerhaft in seinem Google- oder Facebook-Konto angemeldet bleibt. Letztendlich kann man die Umstellung zu FLoC also nicht als Schritt in Richtung weniger Tracking werten. Vielmehr handelt es sich um eine Strategie von Google, sein Monopol auf dem Werbemarkt weiter auszubauen, denn durch FLoC werden andere Werbeplattformen, die FLoC nicht nutzen (können), aus dem System gedrängt.

FLoC Schritt für Schritt erklärt:
1. Wenn Sie Chrome nutzen, werden alle Webseiten gespeichert, die Sie besuchen.
2. Javascript-Code in Ihrem Chrome-Browser analysiert die Besuche und generiert daraus eine lange Symbolsequenz ("SimHash")
3. Einmal in der Woche kontaktiert die FLoC-Software im Browser einen Google-Server, und sendet ihm den SimHash. Der Google-Server vergleicht diesen SimHash mit den SimHashes Millionen anderer Nutzer.innen.
4. Nutzer.innen, die ähnliche SimHashes haben, also ein ähnliches Online-Verhalten, werden in sogenannten Kohorten zusammengefasst und erhalten eine Identifikationsnummer für diese Kohorte.
5. Ihre aktuelle Kohorten-ID wird im Browser gespeichert und beim Aufrufen einer Webseite abgefragt. Abhängig von der zugeordneten Kohorte fügen Werbenetzwerke dann passende Werbung zur Webseite hinzu.

 

Adaptiert von: McCann, Stronge, Jones: „The Future of Online Advertising“

Grid imageKathrin Elmenhorst für Digitalcourage

Hier gibt's mehr zum Thema

Die Studie „The Future of Online Advertising“ thematisiert FLoC auf den Seiten 46-47.