Rabatte im Supermarkt

Gute Preise brauchen keine App

Seit Jahrzehnten kritisieren wir App-Rabatte und Bonusprogramme. Nun verzichtet erstmals ein großer Lebensmittelhändler darauf und zeigt, dass gute Preise auch ohne Digitalzwang möglich sind.

Wer eine Supermarkt-App installiert und das eigene Einkaufsverhalten erfassen lässt, bekommt oft besondere Rabatte. Wer kein Smartphone besitzt, keine App bedienen kann oder seine Daten nicht herausgeben möchte, zahlt dagegen mehr für dasselbe Produkt.

Dass es auch anders geht, zeigt Aldi. Nach eigener Aussage verzichtet das Unternehmen bewusst auf App-exklusive Rabatte. Preisvorteile sollen allen Kund.innen offenstehen – ohne Registrierung, Bonuskonto und Smartphone.

Eine von Aldi beauftragte PR-Agentur hat uns auf diese öffentliche Positionierung hingewiesen. Natürlich ist sie auch Werbung für das Unternehmen. Trotzdem ist die Entscheidung richtig. Sie zeigt, dass App-exklusive Preise keine technische oder wirtschaftliche Notwendigkeit sind.

Der Rabatt wird mit Daten bezahlt

App-Rabatte werden häufig als zusätzlicher Service dargestellt. Tatsächlich machen sie den günstigen Preis davon abhängig, ob Kund.innen ein Smartphone besitzen, eine App installieren und die Bedingungen eines Bonusprogramms akzeptieren.

Wer die technischen Voraussetzungen nicht erfüllt, Apps nicht bedienen kann oder die eigenen Einkaufsdaten nicht preisgeben möchte, zahlt mehr für dasselbe Produkt. Der reguläre Preis wird damit zum Aufpreis für Datenschutz und digitale Selbstbestimmung.

Bonusprogramme wie App-Rabatte sollen Menschen nicht nur einen Preisnachlass gewähren. Sie sollen sie an ein Unternehmen binden, ihre Einkäufe analysierbar machen und ihre Kaufentscheidungen beeinflussen.

Aus den gesammelten Daten lässt sich ablesen, wann und wo jemand einkauft, welche Produkte gemeinsam im Warenkorb landen, auf welche Rabatte die Person reagiert und wie sich ihr Einkaufsverhalten mit der Zeit verändert. Aus einzelnen Einkäufen entstehen detaillierte Profile. Unternehmen können ihre Angebote damit immer gezielter auf einzelne Personen oder Personengruppen zuschneiden.

Der Rabatt ist deshalb kein Geschenk. Kund.innen bezahlen dafür mit Daten über ihr Verhalten und ermöglichen den Unternehmen, ihre Kaufentscheidungen gezielt zu beeinflussen.

Höhere Preise ohne App sind Digitalzwang

App-exklusive Rabatte sind nicht nur eine Datenschutzfrage. Sie betreffen auch die gesellschaftliche Teilhabe. Nicht alle Menschen besitzen ein aktuelles Smartphone. Manche Geräte werden von neuen App-Versionen nicht mehr unterstützt. Nicht alle Menschen können Apps problemlos bedienen. Andere möchten ihr Telefon nicht ständig bei sich tragen oder lehnen die digitale Erfassung ihres Alltags bewusst ab.

All diese Menschen müssen bei immer mehr Unternehmen für dieselben Lebensmittel mehr bezahlen. Besonders diskriminierend ist es aber für diejenigen, die ohnehin genau auf Preise achten müssen. Viele Apps setzen ein vergleichsweise aktuelles Smartphone voraus und das kostet Geld. Günstig einkaufen zu können, darf aus Sicht von Digitalcourage niemals davon abhängen, ob sich jemand ein solches Gerät leisten kann.

Für uns sind exklusive App-Rabatte deshalb ein klarer Fall von Digitalzwang. Analoge oder datenschutzfreundliche Alternativen haben jahrzehntelang funktioniert. Nun drängen Unternehmen ihre Kund.innen in Apps, weil sich dort zusätzliche Daten über ihr Einkaufsverhalten erfassen und auswerten lassen.

70.111 Menschen wehren sich

Digitalcourage kritisiert dieses Prinzip seit Jahrzehnten. Beim ersten deutschen BigBrotherAward im Jahr 2000 zeichneten wir das Unternehmen Loyalty Partner für die Payback-Karte aus. Schon damals galt: Wer regelmäßig persönliche Einkaufsdaten liefert, bekommt einen Rabatt. Wer das nicht möchte, zahlt mehr.

Aus der Kundenkarte von damals ist inzwischen ein ganzes Ökosystem aus Apps, Konten, Coupons und Verhaltensanalysen geworden. Das Grundprinzip ist aber gleich geblieben.

Wie viele Menschen solche Entwicklungen beunruhigen, hat unsere Petition für ein „Recht auf Leben ohne Digitalzwang“ gezeigt. Im Mai 2026 haben wir 70.111 Unterschriften gegen Digitalzwang an Abgeordnete des Deutschen Bundestags übergeben. Die zentrale Forderung lautet:

„Niemand darf wegen der Nichtnutzung digialer Zugangswege benachteiligt werden.“

Das gilt nicht nur für staatliche Dienstleistungen und öffentliche Infrastruktur. Auch Unternehmen tragen Verantwortung dafür, dass Menschen ohne Smartphone und Apps am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Aldi zeigt nun, dass Preisvorteile ohne digitale Zugangshürden auch heute noch möglich sind.

Die Aldi-App bleibt dennoch kritikwürdig

Der Verzicht auf App-Rabatte macht die Aldi-App allerdings nicht automatisch datenschutzfreundlich. Laut den Datenschutzhinweisen kommen weiterhin Analyse- und Drittanbieterdienste zum Einsatz. Eine App für Prospekte, Einkaufslisten und Filialsuche sollte aus unserer Sicht grundsätzlich ohne Verhaltensanalyse auskommen. Der nächste gute Schritt wäre deshalb eine trackerfreie App.

Andere Handelsunternehmen müssen nachziehen

Aldi zeigt, dass ein großes Handelsunternehmen nicht darauf angewiesen ist, seine Kund.innen durch unterschiedliche Preise in ein datengetriebenes Bonussystem zu drängen.

Andere Unternehmen sollten diesem Beispiel folgen. Rabatte und Aktionspreise müssen allen Kund.innen auch ohne Smartphone und ohne Erfassung ihres Einkaufsverhaltens offenstehen.

Gute Preise brauchen keine App. Sie gehören gut sichtbar ans Regal und müssen an der Kasse für alle gelten.

Anmerkungen und weiterführende Links

bigbrotherawards.de – „Payback“-Laudatio
digitalcourage.de – Übersichtsseite „Digitalzwang“
digitalcourage.de – „70.111 Unterschriften gegen Digitalzwang überreicht“
aldi-nord.de – „Datenschutzhinweis ALDI Nord App“

Transparenzhinweis: Eine von Aldi beauftragte PR-Agentur hat uns auf die öffentliche Positionierung des Unternehmens hingewiesen und damit den Anstoß für diesen Artikel gegeben. Für diesen Artikel wurde Digitalcourage weder beauftragt noch bezahlt.