„Stasi Barbie“ – Der Spion in der Spielzeugkiste

P r e s s e m i t t e i l u n g
Berlin, Bielefeld, 26. Januar 2016

„Stasi Barbie“ – Der Spion in der Spielzeugkiste

Da Kinder Menschen sind, gilt für diese, wie für alle anderen, der erste Absatz unseres Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Doch auf der diesjährigen Spielwarenmesse, die am Mittwoch in Nürnberg startet, gibt es einige Anbieter, die es damit nicht so genau nehmen. Mattel vertreibt seine "Stasi Barbie" bisher nicht in Deutschland, doch profitiert andernorts davon, Kinder der Übergriffigkeit ihrer Eltern auszusetzen.

Digitalcourage machte am Dienstag, 26. Januar 2016 mit einer szenischen Inszenierung auf die entwürdigende Wirkung der „Hello Barbie“ aufmerksam:

Mit unterschiedlichsten Begründungen nehmen mehr und mehr Eltern in Kauf, die Würde ihres Kindes zu verletzen. Immer häufiger hilft das Spielzeug dabei, die eigenen Kinder auszuspionieren. Ein argloses Kinderspiel, in dem beispielsweise ein junges Mädchen mit Barbie und Ken Doktorspielchen übt, wird zur Demütigung, wenn die Aufzeichungen des Spiels den Eltern vorgeführt wird.

Dadurch wird schon frühzeitig vermittelt: „Du gehörst nicht Dir selbst, wir sehen Dich immer; auch, wenn Du Dich unbeobachtet glaubst.“ So werden Kinder zu Untertanen statt zu mündigen Menschen erzogen. In der Zeit, in der Kinder Vertrauen lernen sollten, wird ihnen ein Spion in die Spielzeugkiste gelegt und ihre tiefsten Geheimnisse nicht nur den Eltern, sondern auch den Betreiberfirmen frei zugänglich gemacht. Leena Simon von Digitalcourage:

„Eltern müssen begreifen, dass es nicht witzig oder charmant ist, in die vertraulichen Äußerungen ihrer Kinder hinein zu hören, sondern entwürdigend und übergriffig.“

Auch andere Firmen stellen auf der Nürnberger Spielwarenmesse Spielzeuge mit Überwachungsfunktionen vor. Speziell „Smartwatches für Kinder“ mit GPS-Überwachung finden große Aufmerksamkeit.

Digitalcourage will mit dieser Aufführung verdeutlichen, wie groß der Schaden ist, den Eltern anrichten, wenn sie ihren Kindern Überwachungsspielzeug schenken. Zumal es sich bei der „Hello Barbie“ nicht um ein pädagogisch sinnvolles Spielzeug handelt, das Phantasie und Erfindergeist anregt. Im Gegenteil. Denn in diesem Spiel bestimmt die sprechende Puppe, wo es lang geht, nicht das Kind.

Weitere Infos:

„Ja, wenn die Puppe gar nichts gesagt hätte, dann hätte Momo an ihrer Stelle antworten können und es hätte sich die schönste Unterhaltung ergeben. Aber so verhinderte Bibigirl gerade dadurch, dass sie redete, jedes Gespräch. Nach einer Weile überkam Momo ein Gefühl, das sie noch nie zuvor empfunden hatte. Und weil es ihr ganz neu war, dauerte es eine Weile, bis sie begriff, dass es die Langeweile war.“ Michael Ende, Momo

Mitmachende:

Barbie: Josephine Witt
Ken: Florian Hein
Kind: Clara Isemann
Moderation: padeluun
Technikerin: Leena Simon
Ton: Flupsi
Buch: Leena Simon, Josephine Witt, padeluun
Dramaturgische Beratung: Barbara Weigel
Regie: Leena Simon
u. a.

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