Leitfaden für eine gendergerechte Sprache

Digitalcourage ist schon seit der Gründung als FoeBuD in den 1980er Jahren feministisch ausgerichtet. Speziell im Bezug auf die Sprache haben Rena und padeluun ständig Einfluss genommen und z.B. das Buch „Deutsch als Männersprache“ vielfach verschenkt.

Prototypen im Denken

Es ist wissenschaftlich belegt, dass beim generischen Maskulinum im Gehirn auch ein männlicher Prototyp entsteht. (So etwas gibt es auch in anderen Zusammenhängen. So ist z.B. in unserer Gegend der Prototyp für das Wort „Baum“ meist ein Laubbaum, während er auf Hawaii eher eine Palme ist.) Zum Beispiel ändern sich Antworten auf die Frage, wer sich als Bundeskanzler.in eignen würde, wesentlich, wenn die weibliche Form in der Frage mit verwendet wird. Wenn man immer nur von Männern spricht, dann denkt man sie auch – und somit kommen z.B. weniger Frauen auf ein Podium, wenn man in der Vorbereitung fragt „Welchen Redner wollen wir denn?“. Daher ist es wichtig, dem Gehirn einen kleinen Stolperstein zu legen, so dass klar wird: Hier sind nicht nur Männer gemeint.

Stolpern, aber nicht stürzen

Wir sind der Ansicht, dass dieser Stolperstein das Gehirn nur aufwecken, es aber nicht durcheinanderbringen soll. Daher ist für uns die beste Art von gendergerechter Sprache eine, die beide Geschlechter gleichermaßen nennt, aber möglichst wenig im Lesefluss stört. Daher haben wir uns für das kleinste Satzzeichen entschieden: den Punkt. Wenn eine Beidnennung störend ist und sich eine geschlechtsmarkierte Form nicht vermeiden lässt, schreiben wir also z.B. „Redner.in“. Der Punkt ist quasi die verkleinerte Form des „Gender-Gap“ (z.B. „Redner_in“) und beinhaltet auch das Wissen, dass es Menschen gibt, die sich weder männlich noch weiblich zuordnen wollen/können.

Wer den Punkt häufiger nutzt, bemerkt noch einen entscheidenden Vorteil: Als häufigstes Satzzeichen liegt der Punkt so gut erreichbar, wie kaum ein anderes Satz- oder Sonderzeichen. Die Finger kennen den Weg deutlich besser, als zum Stern oder Unterstrich und werden daher weniger im Schreibfluss gestört.

Unsere Strategie

  1. Kann eine geschlechtsmarkierte Form vermieden werden? (z.B. „Grundrechte“ statt „Bürgerrechte“, „Studierende“ statt „Studenten“ oder „alle“ statt „jeder“)
  2. Falls nein, ist Beidnennung elegant möglich?
  3. Falls nein, lässt sich ggf. abwechseln? („Ärztinnen und Patienten“)
  4. Falls nein, Beidnennung durch den Punkt („Redner.in“).

Ausnahmen befrieden

Zitate lassen (im Normalfall) wir so, wie sie sind,1 und wir versuchen, damit nicht allzu dogmatisch aufzutreten (etwa bei „der Anbieter“ oder „der Gesetzgeber“). An anderen Stellen experimentieren wir gerne auch etwas. Z.B. sprechen wir lieber vom Kanzlerinnenamt, da wir finden, dass Kritik am „Kanzleramt“ Angela Merkel zu sehr aus der Verantwortung entlässt. Und wenn gerade die Fußballfrauen einen WM-Titel holen, erlauben wir uns, selbstbewusst davon als „Fußball“ zu sprechen und das andere zur Abgrenzung „Männerfußball“ zu nennen. Wir bemühen uns um Konsistenz, aber da wir hier eben selbst noch experimentieren, bitte nicht wundern, wenn diese Strategie nicht überall zu 100% eingehalten wurde.

Ein Beispiel

Anhand dieses Textes kann man sich gut ansehen, wie das in der Praxis aussieht.

Update: 02.05.2016 – Absatz zu günstiger Lage des Punktes hinzugefügt.

Text: Leena Simon cc by sa 4.0
Bild: moggs oceanlane CC - BY 2.0


  1. Wenn wir ein Zitat häufiger verwenden, nehmen wir uns hin und wieder die Freiheit, es abzuwandeln. (Z.B. „Wenn Sie für einen Dienst nicht bezahlen, kann es gut sein, dass Sie nicht die Kundin sind, sondern das Produkt, das verkauft wird“ – dieses Zitat von Eli Pariser ist ohnehin eine Übersetzung aus dem Englischen.) Es gibt aber auch Zitate, die wir durchaus abwandeln. Zum Beispiel das Zitat von Wolf Schneider ändern wir zu „Jede und jeder hat einen Einfluß größer als null.“ 

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