In wenigen Monaten beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Ob sich Jogi Löw jetzt schon Gedanken macht, wer alles im neuen Nationaltrikot von Adidas auflaufen wird, wissen wir nicht. Aber wenn Sie selbst ein neues Trikot haben, sollten Sie mal nach einem Schnüffelchip darin suchen.

Vor einigen Wochen erreichten uns E-Mails besorgter Menschen, die im neuen Trikot der Deutschen Herren-Nationalmannschaft von Adidas, die im Handel zum Kauf angeboten werden, einen RFID-Chip entdeckt haben. Warum wir RFID-Chips in Kleidung grundsätzlich ablehnen und fordern, diese beim Kauf zu entfernen, haben wir schon in verschiedenen Statements und Vorträgen deutlich gemacht: Es ergeben sich sehr genaue Trackingmöglichkeiten, sowohl im Geschäft, in dem man die Kleidung gekauft hat, als auch in anderen Geschäften. Zwar beteuern die Firmen, dass dies gar nicht geplant sei, aber überprüfen kann man das nicht.

Schon seit zwei Jahren setzt Adidas laut diesem Bericht in seinen sogenannten NEO-Stores auf RFID. Dort sollen mit den RFID-Chips frühzeitig „Trends“ erkannt werden. Wie das geht? Mit den RFID-Chips kann man sehen, welche Teile in der Umkleidekabine kombiniert werden. Von da ist es nur noch ein kleiner Sprung zur interaktiven Werbetafel in der Umkleide, die empfiehlt: „Zu dem schwarzen Top kauften andere Kundinnen auch diese Jeans.“ Und wenn dann irgendwann doch die Kundendaten – darunter die Einkaufsgeschichte samt Ausgaben – mit den RFID-Daten verknüpft werden sollten, nachdem man sich dran gewöhnt hat und weil es ja so praktisch sein könnte, wird man dazu auch noch persönlich begrüßt.

Aber die Möglichkeiten gehen noch weiter: Sind die RFID-Chips erst einmal eingenäht in die Kleidung – wie eben in den Nationalmannschaftstrikots – und werden nicht mehr entfernt, kann der Ladenbetreiber immer wissen, was man gerade trägt. Oder die Informationen speichern und so auch wissen, was man beim letzten Besuch getragen hat – auch nach Jahren noch. Und ebenso jeder andere Laden, der die entsprechende Technik verwendet. Wenn die RFID-Lesegeräte sich weiter ausbreiten, sind auch Bewegungsprofile im Laden, in Fußgängerzonen und Einkaufszentren möglich. Immerhin lassen sich die diese RFID-Chips standardmäßig auf gut acht Metern Entfernung auslesen.

Aufklärung bei Adidas? Fehlanzeige!

Wir wollten deshalb von Adidas wissen, wozu sie RFID einsetzen und ob sie ihre Kunden aufklären. Oder ob sie ein so genanntes Privacy Impact Assessment durchgeführt haben, das die EU empfiehlt, und die Ergebnisse dazu veröffentlichen würden. In diesem Verfahren werden die möglichen Risiken beim Einsatz von RFID für die Privatsphäre untersucht. Die Antwort der Adidas Presseabteilung auf diese Fragen per E-Mail:

DFB Jerseys: Im Rahmen eines Logistikprojekts haben wir testweise erstmals ein RFID-Etikett mit virtueller Nummer eingesetzt. Dieses ist schreibgeschützt und enthält ansonsten keine weiteren Daten. Mit dem Etikett wird weder ein Bezug zur Artikelnummer, Größe oder Farbe des Artikels hergestellt, noch ist uns eine Verknüpfung mit Endverbraucherdaten möglich. Dem Käufer des Produktes steht es natürlich frei, das RFID-Etikett an der gestrichelten Linie abzuschneiden und im Restmüll zu entsorgen.
NEO: Die RFID-Technologie wurde als Pilotprojekt in vereinzelten NEO Concept Stores eingesetzt. Der Chip speichert Produktinformationen zur Optimierung unserer Logistikprozesse. Es sind keine Verknüpfungen mit Endverbraucherdaten möglich. Der Chip verbirgt sich im Preisschild des Produktes, das der Kunde wiederum durch einfaches Abtrennen ohne großen Aufwand entfernen kann. Nach dem Kauf wird die Chip ID in unserem System gelöscht.

Zu den wichtigen Fragen, nämlich wie die Kundinnen und Kunden aufgeklärt werden und ob es ein Privacy Impact Assessment gab, schweigt Adidas. Auch auf Nachfrage:

… möchte ich nochmals auf die Statements hinweisen, die ich Ihnen bereits zugesandt habe. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns darüber hinaus nicht äußern werden.

Nun, Kundenaufklärung sieht anders aus. Adidas versichert, dass die RFID-Etiketten in den Nationaltrikots keine weiteren Daten als die eindeutige Nummer enthalten. Aber genau diese eine Nummer reicht aus, um einen Menschen zu tracken, weil sie eben ständig per Funk unbemerkbar ausgelesen werden kann. Aber, so Adidas weiter: „Dem Käufer des Produktes steht es natürlich frei, das RFID-Etikett an der gestrichelten Linie abzuschneiden und im Restmüll zu entsorgen.“ Was hier den – meist uninformierten – Kundinnen und Kunden aufgehalst wird, muss aber direkt beim Verkauf oder vor dem Versand geschehen und zwar ungefragt.

Veröffentlicht am 03.03.2014

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