Das fünfte Adventstürchen

Ilona Koglin, CC-BY 4.0

Welche Mitarbeiterinnen sind brav und welche müssen noch ein bisschen mehr kontrolliert werden? Die Supermarktkette Lidl wollte über seine Angestellten Informationen haben, bei denen der Nikolaus vor Scham erröten würde. 2004 erhielt Lidl einen BigBrotherAward in der Kategorie Arbeitswelt – der Konzern drohte gerichtliche Schritte dagegen an. Seitdem folgten Skandale und Greenwashing-Versuche.

Wie sich Lidl einen BigBrotherAward verdiente

Der BigBrotherAward 2004 in der Kategorie „Arbeitswelt“ ging an die Lidl Stiftung GmbH & Co, vertreten durch ihren Gründer Dieter Schwarz, für den nahezu sklavenhalterischen Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Lidl bewies, dass gar nicht immer neueste Technik gebraucht wird, um Menschen unter Kontrolle zu halten und sie als Leibeigene ohne Rechte und ohne Privatsphäre zu behandeln. Das klingt wie aus einer anderen Zeit? Das fanden wir auch – mittelalterlich, zumindest vorindustriell, und unzivilisiert wirken die Praktiken, für die Lidl den Preis bekam.

Lidl verbot seinen Angestellten beispielsweise während der Arbeitszeit auf Toiletten zu gehen – mit einer Ausnahme. Da Lidl nicht allzu unmenschlich sein wollte, durften Mitarbeiterinnen in einer Filiale aus Tschechien, die ihre Tage hatten, sich auch zwischendurch auf Toilette begeben – wenn sie für alle weit sichtbar ein Stirnband trugen. Eine Preisgabe persönlicher Daten ganz ohne Computer und Digitalisierung.

Der „Fall Lidl“ zeigte sehr deutlich: „Datenschutz“ bedeutet nicht, „Daten“ um ihrer selbst willen zu schützen, sondern dass es um den Schutz von Menschen und ihren Persönlichkeitsrechten geht.

Reaktionen von Lidl

Üblicherweise kontaktieren wir die verehrten Preisträger.innen wenige Tage vor den BigBrotherAwards, um sie über die Preisvergabe zu informieren. Wir wollen jedem und jeder Einzelnen die Möglichkeit geben, den Preis persönlich entgegen zu nehmen und dazu Stellung zu beziehen. Seltsamerweise ist die persönliche Annahme die Ausnahme.

Lidl reagierte zumindest auf unsere Anfrage - mit einem Einschreiben, um uns von der Verlesung der Laudatio abzuhalten. Selbstverständlich ließen wir uns, genau wie bei anderen Preisträger.innen, die das Gleiche versuchten, nicht abschrecken und verliehen den BigBrotherAward und sorgten für eine große öffentliche Aufmerksamkeit.

Wie reagierte Lidl weiter? Hörten sie mit der Überwachung ihrer Angestellten auf? Leider nein. Stattdessen schaffte Lidl sich eine Public Relations Abteilung an, die das Agieren von Lidl nun etwas gefälliger ‚rüberbringen‘ soll.

BigBrotherAwards Nominierungen 2021

Ihre Nominierungen für die BigBrotherAwards 2021 nehmen wir gerne entgegen. Nennen Sie uns Organisationen, Institutionen, Verbände oder Personen, die Ihres Erachtens für die Verleihung eines BigBrotherAwards in Frage kommen.

Mitarbeiterüberwachung bei Lidl macht wieder Schlagzeilen

Bereits 2004 wurde Lidl für die Bespitzelung ihrer Mitarbeiter mit einem BigBrotherAward "geehrt" und die unfeinen und teilweise auch illegalen Machenschaften des Konzerns im Schwarzbuch Lidl und Schwarzbuch Lidl Europa offen gelegt.

Veröffentlicht am 28.03.2008

Über uns

Digitalcourage e.V. engagiert sich seit 1987 für Grundrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter. Wir sind technikaffin, doch wir wehren uns dagegen, dass unsere Demokratie „verdatet und verkauft“ wird. Seit 2000 verleihen wir die BigBrotherAwards. Digitalcourage ist gemeinnützig, finanziert sich durch Spenden und lebt von viel freiwilliger Arbeit. Mehr zu unserer Arbeit.

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Veröffentlicht am 01.12.2020

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