Was ist das für eine Abkürzung und worum geht es überhaupt?

RFID steht für "Radio Frequency IDentification" und ist eine automatische Datenerfassungstechnik, bei der winzige Chips zur Warenverfolgung an Produkten oder Verpackungen befestigt werden. Mit diesen kleinen Chips können Gegenstände ohne direkten Kontakt aufgespürt werden - sogar durch eine Geldbörse, einen Rucksack oder eine Tasche hindurch. Viele große Handelskonzerne möchten die bekannten Barcodes durch solche "Schnüffelchips" ersetzen, so dass so gut wie jedes Objekt auf dem ganzen Planeten - und die Menschen, die sie tragen und bewegen - unbemerkt verfolgt werden können. Es gibt zur Zeit keine Regelungen oder Gesetze in Deutschland, der EG oder weltweit, mit denen die Gesellschaft vor den Gefahren oder gar Mißbrauch solcher Technologien geschützt werden könnten.

Wie sehen RFID aus?

RFID sind unauffällig. In einigen Produkten sind sie schon länger enthalten, ohne dass sie aufgefallen sind. In Speicherkarten der Firma Sandisk zum Beispiel klebt häufig ein ca. 4 x 4 cm großes weißes, unbedrucktes Etikett. Erst wenn man es gegen eine starke Lampe hält, lassen sich die typischen Antennenstrukturen erkennen, die am Rande des Etiketts verlaufen.

Manche RFID-Chips (die zusammen mit der dazugehörigen Antenne "Transponder" heißen) finden sich auch innerhalb normaler Preisetiketten. Oft sind sie ein "bißchen dicker als normal". Das könnte darauf hindeuten, dass innerhalb des Etiketts ein Transponder steckt. Bei vielen Kleidungsstücken hängen kleine, etwa kreditkartengroße, ca. 3 mm dicke, Pappstückchen dran. Was wie ein hübsches bedrucktes Etikett aussieht, das vermitteln soll, dass dieses wunderbare Kleiderstück ein besonders schönes Etikett verdient hat, ist nur eine weitere Möglichkeit, einen RFID-Chip zu verbergen. Bisher ist dort meist nur eine Diebstahlsicherung integriert (nehmt sowas mal auseinander), die aus zwei Metallstreifen besteht. Aber manche Techniker bezeichnen auch das schon als ein 1-Bit-RFID (obgleich das gar keine ID aussendet, sondern -- solange es nicht deaktiviert ist -- an den entsprechenden Lesegeräten an den Türen mitteilt, dass es vorhanden ist -- und den berühmten Alarm auslöst).

RFID gibt es in ganz unterschiedlichen Formen. Sie werden z.B. in Kundenkarten, Kreditkarten, in Aufklebern und sogar Nägeln(!) eingebaut. Es kommt immer auf die Anwendung an, für die sie bestimmt sind. In Kundenkarten, im Innern einer Produktverpackung, integriert im Wellpappe-Karton aber auch auf oder hinter Aufklebern und Etiketten angebracht fallen sie nicht auf. RFID-Tags können auch auf Packungen aufgedruckt werden!

Im Moment wird (fälschlich aber verständlich) nahezu alles RFID genannt, was irgendwie irgendwas aussendet. So ist das "Schokoticket" des VRR (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr) kein "RFID" sondern eine "SmartCard" - sie sendet keine eindeutige Nummer (ID), sondern die auf ihr gespeicherten Daten. Das ist nicht weniger schlimm. Nach Zeitungsberichten wurden von einem Bekleidungsgeschäft in Neuss zufällig auch Daten von Schulkindern ausgelesen, die ein Schokoticket bei sich führten. Im Klartext waren Name, Schule und Geburtsdatum lesbar. Ganz neue Möglichkeiten für "Kinderschänder"...

RF? ID? Transponder?

RFID besteht aus den Buchstabenkombinationen "RF" und "ID". "RF" steht für "Radio Frequency"; zu deutsch: "Hochfrequenz", abgekürzt "HF". Mittels elektrischer oder magnetischer Wellen wird die "ID" ausgesendet. "ID" steht dabei für "Identity"; auf deutsch: "Identität". Der Chip hat eine Nummer fest gespeichert, die ihn eindeutig macht. Keine Chipnummer kommt jemals doppelt vor.

Beides zusammen ergibt den "RFID-Chip". Der wird mit einer Antenne verbunden, die elektromagnetische Strahlung eines Lesegeräts auffängt und damit den RFID-Chip mit Strom versorgt. Sobald Strom am Chip anliegt, wacht dieser auf und sendet seine ID-Nummer aus und kann vom Lesegerät aufgefangen werden. Diese Einheit aus RFID-Chip und Antenne wird "Transponder" genannt, oft auch umgangssprachlich denglisch "RFID tag" oder kurz "tag" (Plural: "tags") genannt..

Zusätzlich kann ein RFID-Chip beschreibbaren Speicher haben. Bei den derzeit gängigen Chips wird vom Handel hier der sogenannte EPC (Electronic Product Code) hinterlegt. Diese Nummer besteht aus dem, was bisher auch schon auf den Barcodes zu lesen war: eine Produktnummer, die klarstellt, dass wir es bei diesem Produkt zum Beispiel mit einer Gillette Mach3 Rasierklinge zu tun haben. Darüber hinaus enthält die Nummer aber auch eine Seriennummer dieses Produkts. Wir können, da in der "Lebenslinie" eines Produkts stets Log-Aufzeichnungen gemacht werden, anhand dieser Nummer exakt feststellen, um welche Klinge es sich handelt, wann und wo diese produziert und wann sie ausgeliefert worden ist. Weitere Stellen sind für ein Verfallsdatum vorgesehen.

Wenn ein EPC auf den Chip geschrieben worden ist, gibt es also bereits zwei eindeutige Nummern: Die Hardware-Nummer des RFID-Chips, die vom Chip-Hersteller aufgebrannt worden ist und die per Software beim Hersteller auf den Chip geschriebene EPC-Nummer. Die Hardwarenummer des Chip-Herstellers kann nicht gelöscht werden.

Falls weiterer Speicherplatz vorhanden ist, kann dieser für beliebige andere Daten genutzt werden.

Wo finde ich RFID?

Bei Schließsystemen und Alarmanlagen für Gebäude werden RFID schon länger eingesetzt. Auch im Autoschlüssel steckt ein kleiner Transponder, der die Wegfahrsperre ein- und ausschaltet. Sicherlich sehr sinnvolle Anwendungen. In Beispielprojekten des Handels kann man RFID begegnen, so z.B. bei Tchibo, Gillette, Gerry Weber (an der Kleidung abgehängt, so dass die Tags an der Kasse abgeschnitten werden können) und Metro sowie den zugehörigen Ladenketten. Siehe dazu auch unseren Artikel Wo gibt es RFID?

Wie kann ich erkennen, ob ein RFID-Chip verborgen ist?

Weil es kein Gesetz gibt, das Hersteller verpflichtet, Ihnen den Einsatz von RFID in Produkten oder Verpackungen mitzuteilen, müssen Sie selbst auf die Suche gehen. Solange die heute kommerziell verwendeten RFID-Etiketten eine recht auffällige Antenne haben, ist es nicht aussichtslos, die Teile zu entdecken. Vorausgesetzt, Sie vermuten hinter jedem Preisschildchen die "Schnüffelchips".

Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Gegenstand einen versteckten RFID-Chip enthält, können Sie folgende Hinweise bei der Suche verwenden:

  • Schauen Sie sich jedes Etikett und jeden Aufkleber genau an. Entfernen Sie sie vorsichtig und halten Sie sie gegen eine Lichtquelle. Sehen Sie flache, dunkle oder metallische Linien, die rund um das Etikett laufen und in einem winzigen Knubbel münden? Falls ja, betrachten Sie wahrscheinlich die Antenne eines RFID-Chips.
  • Am schonendsten suchen Sie nach RFID-Chips in Schuhen, indem Sie die Einlegesohle entfernen und sich das Innere anschauen. Sie können die Schuhe, sofern Sie ein Röntgengerät zur Hand haben, mit Röntgenstrahlen durchleuchten. Die Schwierigkeit ist, dass RFID-Chips beim Hersteller in Plastik, Schaum, Gummi oder andere Materialien eingebettet oder eingegossen werden können. Es ist schwer, solch tief versteckte Chips zu finden, ohne dass Sie die Schuhe zerstören oder (tatsächlich) röntgen. Wie weit RFID in Schuhen schon verbreitet sind, können wir nicht genau sagen. Von einer großen Schuhkette wurde uns das von zwei Leuten berichtet: Wir konnten das aber noch nicht verifizieren.
  • Wenn der Untersuchungsgegenstand aus Pappe ist, suchen Sie zuerst auf der Oberfläche. Finden Sie dort matt aufgedruckt die typischen Antennenstrukturen? Sonst trennen Sie die Pappschichten auf und suchen Sie nach einer typischen Antenne, die dort eingebettet sein kann. Gerüchten zufolge entwickelt u.a. die Firma International Paper, die Verpackungen für Konsumgüter herstellt und zu den Sponsoren des Auto-ID Center gehört, Techniken zur direkten Einbettung von RFID in Papier- und Pappverpackungen.
  • Wenn Sie Zugang zu einem Röntgengerät haben (vielleicht sind Sie Tierarzt oder Chiropraktiker), können Sie den Gegenstand durchleuchten und nach RFID-Etiketten suchen. Weil die meisten Antennen aus Metall sind, sollte es möglich sein, sie auf diesem Weg zu finden. Wie vorher sollten Sie nach einem Muster aus Linien suchen, die auf einen zentralen Chip von Punktgröße zulaufen.
  • Falls Sie ein unerwartetes Beispiel finden, das wir uns einmal anschauen sollten, benachrichtigen Sie uns gerne per E-Mail. Ihr Bild können Sie gerne als Attachment mit anhängen. Bitte teilen Sie uns mit, falls Sie nicht wollen, dass Ihr Bild veröffentlicht wird.
  • RFID-Lese-Antennen lassen sich mit ganz simpler Radio-Technik finden: Die Frequenz der im Handel üblichen RFID-Technik ist 13,56 MHz. Auf dieser Frequenz werden die Chips angefunkt und senden ihre Informationen zurück. Diese Frequenz können Sie auf einem Radio-Weltempfänger einstellen. Bewegen Sie den neben eine Antenne (einen RFID-Sender) auf dieser Frequenz, hören Sie ein gepulstes Störgeräusch, ähnlich wie ein Handy in der Nähe eines Lautsprechers. Damit können Sie leicht überall feststellen, ob die RFID-Frequenz 13,56 MHz angefunkt wird.
  • Sie wollen sich ein Lesegerät kaufen? Das günstigste Lesegrät, das die Chips mit den Frequenzen und Protokollen, die der Handel einsetzt, lesen kann, kostet ca. 200 Euro -- und muss an einen Laptop angeschlossen werden.

Es gibt einige hochentwickelte Chips aus Forschungs- und Militärprojekten, die nicht die typische Antenne aufweisen, weil diese direkt in den Chip integriert ist. Die Chips sind so klein, dass sie fast unmöglich zu finden sind. RFID-Chips mit integrierter Antenne können so klein sein, dass sie in Papier (z.B. Geld) eingebettet sein können.

Weiterführende Links

Wikipedia: RFID

Bild: Digitalcourage (CC BY 4.0)


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