Genau genommen: Gar nicht. Es gibt eine Reihe von Vorschlägen, wie das gehen könnte, aber entweder funktionieren die nicht, oder sie sorgen für Schaden an den Waren.

Kann ein Magnet einen RFID-Chip löschen?

Nein, die Chip-Informationen werden nicht magnetisch gespeichert. Die Anwendung von Magneten oder Bandlöschgeräten hat keine Auswirkungen auf einen Chip. Wir haben es im Dezember 2003 mit einem professionellen Festplattenlöschgerät "Degausser" der Firma IBAS ausprobiert: Der Chip funktionierte ohne Probleme weiter.

Kann ich Produkte in die Mikrowelle legen, um eventuell versteckte RFID-Etiketten zu zerstören?

Ein RFID-Etikett wird durch Mikrowellen tatsächlich zerstört. Einige Millisekunden bei wenig Watt reichen schon für eine kräftige blaue Flamme. Es ist aber recht wahrscheinlich, dass nicht nur der Chip in Flammen aufgeht sondern alles, was in seiner Nähe ist. Die Verpackung oder das Produkt, an dem der Chip angebracht oder eingelegt ist, werden ebenso leicht ruiniert, und auch der Mikrowellenherd kann nachher mit Metall- und Plastikdämpfen verunreinigt worden sein.

Weil es so schwer ist, RFID-Chips zu zerstören, brauchen wir gesetzliche Regeln, die das Verstecken dieser Chips verbieten. Oder um es noch klarer zu sagen: Wir brauchen eine Kennzeichnungspflicht!

Können Chips in Kleidungsstücken, Waschmaschinen und Trocknern "überleben"?

Ja. RFID-Chips sind so ausgelegt, dass sie normalen Verschleiß jahrelang überstehen, Waschen und Trocknen eingeschlossen. Wir wissen sogar von mindestens einer Arbeitskleidungs-Verleihfirma in den USA, die RFID-Chips einsetzt, um ihr Inventar zu verfolgen und nach der Reinigung wieder zuzuordnen. Die Chips halten den industriellen Belastungen bei Einsatz und Reinigung also stand.

Was mache ich, wenn ich einen RFID-Chip finde? Kann ich ihn deaktivieren oder zerstören?

Sie können einen RFID-Chip für seinen Zweck unbrauchbar machen, indem Sie die Verbindung zur Antenne unterbrechen. Normalerweise ist es ziemlich klar, wo sich der Chip befindet (alle Antennen laufen auf ihn zu). Wenn Sie das winzige, dunkle Rechteck gefunden haben, können Sie versuchen, die Leiterbahnen der Antenne zu zerkratzen. Beim Schokoticket des VRR können Sie etwa einen Zentimeter weit einschneiden, so dass die Antenne zerstört ist und die Daten Ihres Kindes nicht mehr abgefragt werden können.

Um sich halbwegs sicher zu sein, dass der Chip nicht mehr lesbar ist, können Sie ihn mit einer Nadel zerstechen, ihn zerquetschen oder zerreiben. (Anmerkung: Verbrennen oder Bestrahlen in der Mikrowelle können einen Chip auch zerstören, aber davon raten wir wegen heftiger Nebenwirkungen ab.) Versuchen Sie erst gar nicht, den Chip zu "ertränken" -- Wasser kann den Chips normalerweise nichts anhaben. Den Chip mit einem Magneten zu behandeln, ist ebenfalls wirkungslos.

Es gibt doch ein De-Aktivator-Gerät, reicht das denn nicht?

Nein. Der Metro-Konzern hat in seinem Extra Future Store nach unserern ersten Protesten einen sogenannten De-Aktivator aufgestellt. Das reicht aber nicht:

  • Sie müssen selbst aktiv werden, um Ihre Privatsphäre zu schützen. Es sollte aber genau anders herum sein: Irgendwann einmal vergessen Sie die Vorsicht, z.B. weil Sie in Eile sind oder im vollen Einkaufskorb eine Packung übersehen, und schon laufen Sie nichts Böses ahnend mit einem noch aktiven RFID-Etikett umher und hinterlassen wider Ihren Willen deutliche Datenspuren.
  • Sie als Kunde können nicht nachvollziehen, ob der Chip wirklich endgültig deaktiviert, oder ob er nur Schlafen geschickt wurde und später mit einem speziellen Befehl wieder aufgeweckt werden kann und so sein ganzes Potential wieder zur Verfügung steht, während Sie sich in einer Sicherheit wähnen, die nicht vorhanden ist.
  • Es wird in der momentanen Version nur ein Teil des Speichers mit Nullen überschrieben, die Seriennummer der Chips aber bleibt erhalten und damit auch das gesamte Gefährdungspotential. So ist das Gerät nutzlos und wiegt Sie darüber hinaus noch in trügerischer Sicherheit.
  • Die Bedienung ist sehr umständlich, da jeder Chip an jeder Ware einzeln deaktiviert werden muss. Diese ausgesprochene Unbequemlichkeit wird auf Sie, den Kunden abgeschoben. Sie brauchen nur ein Produkt zu übersehen, dann war die ganze Prozedur nutzlos. Und: Nachdem Sie schon an der Kasse angestanden haben, sollen Sie noch einmal anstehen, dann alle Gegenstände einzeln und sehr umständlich (und sinnloser Weise s.o.) de-aktivieren? Nicht nur Mütter mit quengelnden Kindern wissen, das das völlig unrealistisch ist.
  • Nach unserem Wissen gibt es dieses Gerät bislang nur im Future Store in Rheinberg, also falls Sie nicht gerade dort wohnen und Ihre Etiketten bis dahin quer durch die Stadt schleppen möchten...

Weiterführende Links

Wikipedia: RFID

Bild: Wikimedia Commons


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