Bilder sagen mehr mit Worten

Metadaten entfernen

Zeitpunkt, Ort, Kontakte, und technische Spuren sagen viel über uns aus – auch ohne den Inhalt einer Datei zu kennen. Wie diese Informationen uns verpetzen und wie wir uns schützen können.
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Ein Karteikastensystem in einer Bibliothek. Auf den Karten stehen Informationen über die Bücher.

„Das Foto wurde mit einem Nokia 3210 erstellt.“

Fast alle Dateien auf dem Smartphone oder dem Computer enthalten in irgendeiner Form Metainformationen oder kurz Metadaten. Mediendateien wie beispielsweise digitale Bilder enthalten besonders viele Metadaten. Auf diese Weise erfährt man zum Beispiel, dass Sie zum Fotografieren ein Nokia benutzt haben.

Das Wichtigtste für Eilige

Ehe Sie Fotos oder andere Dateien veröffentlichen, sollten Sie die verräterischen Metadaten entfernen. Das geht sehr einfach mit Tools wie Exif Cleaner am Rechner oder Scrambled Exif (Android) und ExifEraser (Android).

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Inhalt

  1. Was sind Metadaten?
  2. Wie finde ich heraus, welche Metadaten eine Datei enthält?
  3. Metadaten entfernen, so geht's
  4. Warum das alles?
  5. Metadaten entfernen als Geschäftsmodell
  6. Analoge Metadaten
  7. Zum Abschluss

Was sind Metadaten?

Laut Wikipedia sind Metadaten strukturierte Daten, die Informationen über Merkmale anderer Daten enthalten. Sie unterstützen zum Beispiel dabei, Ordnung und Struktur in die eigene digitale Fotosammlung, die mp3-Musikbibliothek oder die persönliche E-Book-Sammlung zu bringen. Programme wie das kommerzielle Adobe Lightroom (für Mac und Windows) oder die Open-Source-Variante Shotwell für Linux nutzen Metadaten von Bildern für den Aufbau einer lokalen Fotodatenbank. Diese Metainformationen von digitalen Bildern sind unter dem Begriff EXIF bekannt. Die Abkürzung EXIF steht für Exchangeable Image File Format. Es handelt sich hierbei um ein Standardformat, das von Digitalkameras und anderen Geräten verwendet wird, um Metadaten in Bilddateien, insbesondere in JPEG- und TIFF-Dateien, zu speichern.

Für den grundsätzlichen Umgang mit digitalen Fotos, z. B. in den sozialen Medien, sei auf den Artikel Umgang mit Fotos verwiesen.

Wie finde ich heraus, welche Metadaten eine Datei enthält?

Nehmen wir an, eine Person möchte sich die Metadaten einer PDF-Datei genauer betrachten. Als erster Schritt bietet sich an, mit einem Rechtsklick auf die Datei den Menüpunkt "Eigenschaften" aufzurufen. Dort finden sich typischerweise
Angaben wie Datum und Zeitpunkt der Erstellung, möglicherweise auch der Name der Autor.in oder die Bezeichnung des verwendeten Betriebssystems.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Datei in einem geeigneten PDF Reader zu öffnen. In der Regel gibt es dort einen Menüpunkt "Dokumenteneigenschaften", der weitere Informationen über das geöffneten PDF bereitstellt.

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Metadaten entfernen, so geht's

Mit Bordmitteln unter Windows:

Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die betreffende Datei. Wählen Sie im Kontextmenü den Punkt „Eigenschaften“. Im Eigenschaften-Fenster finden Sie unten den Link „Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen“. Nach einem Klick öffnet sich ein weiteres Fenster. Dort können Sie auswählen, ob alle oder nur bestimmte Metadaten gelöscht werden sollen.

Mit ExifCleaner unter Linux/MacOS/Windows:

ExifCleaner ist ein frei verfügbares Open-Source-Softwaretool, das unter Linux, MacOS und Windows läuft und Metadaten einer ganzen Reihe von Dateitypen entfernen kann. Es werden folgende Formate unterstützt: PNG, JPG, GIF und TIFF, die gängigsten Bildformate, aber auch die Videoformate M4A, MOV, QT und MP4 sowie das bereits erwähnte PDF.
Unter https://exifcleaner.com/ lässt sich das Tool herunterladen.


Mit Scrambled Exif und ExifEraser unter Android:

Auf dem Smartphone sind es vor allem Bilder, deren Metadaten für die Privatsphäre wichtig sind. Dabei ist zu beachten, dass nicht nur Fotos, die mit der Kamera aufgenommen wurden, Metadaten enthalten, auch Screenshots sind betroffen. Ein universelles Tool wie ExifCleaner gibt es für Android nicht. Stattdessen haben sich spezialisierte Apps bewährt, etwa Scrambled Exif, das im alternativen App-Store F-Droid verfügbar ist. Nach der Installation steht im Menü „Teilen“ die Option „Scrambled Exif“ zur Verfügung. Nach deren Auswahl öffnet sich erneut der Menüpunkt „Teilen“ mit den verfügbaren Apps, zun Beispiel einem Messenger. Fertig.

Ein weiteres Werkzeug zur Entfernung von Metainformationen unter Android ist ExifEraser. Es funktioniert ganz ähnlich wie Scrambled Exif, bietet jedoch ein paar zusätzlichen Optionen wie die direkte Aufnahme eines metadatenfreien Fotos aus der App heraus oder die Möglichkeit, ganze Ordner mit Bildern per Klick von Metadaten zu befreien.

Mit ExifTool in der Konsole:

Für Menschen, die gerne mit der Kommandozeile arbeiten oder das gerne mal ausprobieren möchten, sei das Schweizer Taschenmesser unter den Tools zur Entfernung von Metadaten ExifTool empfohlen. ExifTool existiert seit 2003, wird kontinuierlich weiterentwickelt und dient auch als Grundlage für andere Programme wie ExifCleaner. Mit einem einzigen Befehl lassen sich ganze Fotosammlungen bereinigen:

exiftool -P -overwrite_original -all= *.{jpg,jpeg,png}

Dieser Befehl entfernt im aktuellen Verzeichnis alle Metadaten aus Dateien mit den Endungen .jpg, .jpeg und .png. Die Zeitstempel der Dateien bleiben unverändert (-P), die originalen Dateien werden überschrieben (-overwrite_original). Wer lieber mit Kopien arbeitet, kann den Zusatz -overwrite_original weglassen oder die Dateien vorher duplizieren.

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Warum das alles?

Ein interessantes Beispiel in diesem Zusammenhang ist das im Mai 2025 geleakte, zunächst als Verschlusssache (geheim) eingestufte Gutachten des Verfassungschutzes zur AfD: Tagesschau | Medien veröffentlichen Gutachten zur AfD. Die Tagesschau verlinkt in ihrer Veröffentlichung direkt auf das geleakte PDF-Dokument. Lädt sich jemand diese Datei herunter und schaut sich wie oben beschrieben die Eigenschaften an, verrät dieses Dokument den Namen des vermeintlichen Autors, was kurzzeitig für mediale Aufregung sorgte, weil es eine Person gleichen Namens in der Bundesdruckerei gab. Eine besser informierte oder umsichtigere Person hätte diese verräterischen Metadaten zuvor entfernt.

Sehr wichtig kann ein bewusster Umgang mit Metadaten in Situationen öffentlicher Proteste sein, vor allem in Ländern mit starker Überwachungsinfrastruktur wie den USA. Im Oktober 2025 gingen bei den sogenannten "No Kings protests" (Link auf Englisch) Millionen Menschen auf die Straße, um gegen die Trump-Administration zu demonstrieren. In solchen Kontexten besteht die Gefahr, dass Fotos, die auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook veröffentlicht werden, in großem Stil gescannt werden. Die darin enthaltenen Metadaten können genutzt werden, um Teilnehmende strafrechtlich zu verfolgen. Das Surveillance Technology Oversight Project (S.T.O.P.) gibt hierzu konkrete Hinweise, etwa im Leitfaden "Prostest Surveillance - Friends don't post friends protesting on social media".

Wie Sie Fotos sicher und solidarisch teilen und was dabei zu berücksichtigen ist, erfahren Sie in unserem Artikel zum verantwortungsvollen Umgang mit Fotos

Metadaten entfernen als Geschäftsmodell

Bei Eingabe des Stichworts „Metadaten entfernen“ listen Suchmaschinen etliche Online-Angebote, die eine kostenlose Entfernung von Metadaten etwa aus PDF-Dateien anbieten. Fraglich ist jedoch, ob solche Dienste in selbstloser Absicht zur Verfügung gestellt werden oder möglicherweise große Datensammler dahinterstehen. Wirklich überprüfen lässt sich das nicht. Insofern sind solche Angebote mit Vorsicht zu genießen.

Analoge Metadaten

Nicht nur in der digitalen Welt sind Metadaten unter Umständen problematisch, auch eine klassische Fotokopie kann verräterische Spuren enthalten, die zum Urspung des Originals, zumindestens aber zum eingesetzten Kopiergerät führen können. Unter dem Stichwort Machine Identification Code finden sich weiteren Infos.

Zum Abschluss

Metadaten finden sich fast überall. Und selbst mit der ausgeklügeltsten Software ist nicht immer gewährleistet, dass alle Metadaten entfernt wurden. Für einen bewussten und datensparsamen Umgang mit den eigenen Metadaten sind die hier vorgestellten Werkzeuge aber sicher ausreichend.


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Hinweis:
Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch nicht durch unsere Empfehlungen. Programme können unentdeckte Fehler haben, Datenschnüffeltechniken entwickeln sich weiter. Bleiben Sie aufmerksam!

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