Geschenke und gute Nachrichten (23.12.2020)

Digitalcourage-Newsletter vom 23.12.2020 – unter anderem mit dem Digitalcourage-Bildungspaket, einer Jahresend-Inventur der Vorratsdatenspeicherung, einer Blamage für den Verfassungsschutz und vielem mehr.

Liebe Leute,

huch, nun stehen Weihnachten und der Jahreswechsel plötzlich vor der Tür, doch vorher wollen wir noch einen ganzen Schwung gute Nachrichten mit Ihnen teilen.

Das Digitalcourage-Bildungspaket ist jetzt schon ein voller Erfolg! Unser Shop-Team kam zeitweise kaum noch hinterher damit, unsere Broschüren und Unterrichtsmaterialien zusammenzupacken. Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen und insgesamt schon über 600 Bildungspakete verteilt: Alle Bielefelder Schulen wurden direkt vom Schulamt mit dem Bildungspaket versorgt, und auch aus der Landes-Politik erreichte uns Unterstützung. Viele Einzelpersonen haben das Paket im Shop bestellt oder heruntergeladen, um es an Schulen und Politik weiterzugeben. Mit den bisherigen Spenden konnten wir sogar schon eine zweite Fuhre Bildungspakete verschicken! Was wir gelernt haben: Wer Texte verfasst, die an Lehrerinnen und Lehrer gerichtet sind, sollte doppelt so viele Korrekturvorgänge machen wie üblich. Selten erreichten uns so viele freundliche Nachrichten, die uns auf Berge von Rechtschreibfehlern hinwiesen (die in der nächsten Auflage behoben sein werden).

Außerdem geht es in diesem Newsletter um eine Jahresend-Inventur der Vorratsdatenspeicherung, eine Blamage für den Verfassungsschutz, eine Klage gegen Facebooks Monopolstellung und Bußgelder für Google und Amazon in Frankreich, weil die beiden Unternehmen nicht richtig über Werbetracker auf ihren Seiten informiert haben. Sie kennen auch Internetseiten, die nicht ausreichend über eingesetzte Tracker informieren? Oder vielleicht sogar schon Cookies setzen, bevor überhaupt zugestimmt wurde? In unserem Tipp stellen wir das passende Tool dafür vor: Den Beschwerdegenerator Träcktor.

In diesem Jahr gab es viel zu wenige Gelegenheiten für persönliche Treffen – dafür gibt es jetzt noch eine Möglichkeit, uns digital zu treffen. Wir würden uns sehr freuen, Sie auf dem Chaos Communication Congress zu sehen, der dieses Jahr online als „remote Chaos Experience” stattfindet.

Wir wünschen allen, trotz Covid, eine schöne Weihnachtszeit!

Rena Tangens, padeluun und das Team von ▶Digitalcourage

 

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Inhalt

  1. Digitalcourage-Bildungspaket – Mitmachaktion im vollen Gange
  2. Noch bis zum 31.12.2020: Vorschläge für die BigBrotherAwards einreichen!
  3. Vier Jahrzehnte lang illegal überwacht: Rolf Gössner gewinnt vor Gericht
  4. Vorratsdatenspeicherung: Eine Inventur
  5. US-Handelsbehörde rüttelt an Facebooks Monopol
  6. Google und Amazon: Bußgelder für unverständliche Cookie- Informationen
  7. Verbraucher-Tipp zu Cookie-Bannern: Träcktor
  8. Shop
  9. Termine: remote Chaos Experience (rC3) 27.–30.12.2020

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##1. Digitalcourage-Bildungspaket – Mitmachaktion im vollen Gange  

Nachdem wir bei den letzten BigBrotherAwards zwei der unbeliebten Preise im Bereich Digitale Bildung vergeben haben, haben wir selbst über Auswege nachgedacht. Ende November ist unsere Mitmachkampagne gestartet. Wir haben zehn Leitlinien für digitale Bildung im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu einem Bildungspaket zusammengestellt. Darin fordern wir u.a. den Einsatz von Freier Software, die Umsetzung von Datenschutz und dass Digitalisierung nicht länger nur als Unterrichtsmedium, sondern auch als Unterrichtsgegenstand begriffen wird. Ergänzt haben wir das alles durch konkrete Tipps zur Umsetzung.

Unser Bildungspaket gibt es in zwei Versionen: Der digitalen Basisversion (PDF, gratis) und der Vollversion (print, 15 Euro), die zusätzlich nützliche Broschüren und Unterrichtsmaterialien enthält. Auch die Kanzlerin, die 16 Kultusministerien, Elternverbände und Schüler.innenvertretungen haben schon so ein Paket von uns bekommen!

Da Bildungspolitik aber lokal stattfindet, brauchen wir Ihre Unterstützung, damit es auch da ankommt, wo es wirken kann.

So können Sie uns dabei helfen:

• Die Kampagne mit einer Spende unterstützen: Jedes Bildungspaket kostet uns 15€ (plus Porto). Mit Ihrer Unterstützung können wir noch mehr davon verschicken. • Bildungspaket in unserem Shop bestellen und an Lokalparlamente, Schulleitungen, Lehrkräfte und Behörden weitergeben. • Gratis-PDF auf unserer Kampagnenseite herunterladen und weitergeben (ausgedruckt oder als E-Mail-Anhang). • Uns Bescheid geben, an wie viele Stellen das Paket weitergegeben wurde. Das ist für uns sehr wichtig, da wir nur so den Erfolg der Kampagne einschätzen können. • Unsere Kampagne mit einer Unterschrift unterstützen. Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld über das Bildungspaket und – falls Sie Social Media nutzen – verbreiten Sie unsere Infos mit den Hashtags #Bildungspaket und #DigitaleBildung

Kampagnenseite: https://digitalcourage.de/bildungspaket

Direktlink zum Mitmachformular: https://aktion.digitalcourage.de/bildungspaket

Im Rahmen der „remote Chaos Experience” wird es am 28.12. einen Workshop zu Freier Schulsoftware von uns geben. Mehr dazu in diesem Newsletter unter „Termine“.

 

##2. Noch bis zum 31.12.2020: Vorschläge für die BigBrotherAwards einreichen!  

Kennen Sie Organisationen, Institutionen, Verbände oder Personen, die für die Verleihung eines BigBrotherAwards in Frage kommen könnten? Wir freuen uns über Vorschläge für die BigBrotherAwards 2021 (Verleihung am 11. Juni 2021)! Nominierungen können eingereicht werden als Brief, Fax, (verschlüsselte) E-Mail oder über unser Online-Formular: https://bigbrotherawards.de/nominieren

 

##3. Vier Jahrzehnte lang illegal überwacht: Rolf Gössner gewinnt vor Gericht  

Unser langjähriger BigBrotherAwards-Laudator und Freund, der Rechtsanwalt und Publizist Dr. Rolf Gössner, hat vor dem Bundesverfassungsgericht endgültig gegen den Verfassungschutz gewonnen. Damit steht fest: Die 38 Jahre andauernde Überwachung war unverhältnismäßig und grundrechtswidrig. Seit 1970 war Gössner vom Bundesamt für Verfassungsschutz geheimdienstlich beobachtet und ausgeforscht worden – schon als Jurastudent, später als Gerichtsreferendar und seitdem ein Arbeitsleben lang in allen seinen beruflichen und ehrenamtlichen Funktionen als Publizist, Rechtsanwalt, parlamentarischer Berater, später auch als Präsident der Internationalen Liga für Menschenrechte und seit 2007 zudem als stellvertretender Richter am Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen. Wir gratulieren Rolf Gössner und sagen: Vielen Dank für deine Hartnäckigkeit!

Mehr dazu in unserem Blog: 38 Jahre illegal überwacht – „Verfassungsschutz“ verliert vor Gericht https://digitalcourage.de/blog/2020/rolf-goessner-verfassungsschutz-urteil

 

##4. Vorratsdatenspeicherung: Eine Inventur  

Zum Jahresende haben wir zum Thema Vorratsdatenspeicherung Inventur gemacht. Wir haben uns gefragt, was die Regierungen in Deutschland und der EU aktuell planen. Und mussten feststellen, dass auch nach der klaren Abfuhr durch den EU-Gerichtshof im Oktober Regierungen weiterhin ausufernde Massenüberwachung wollen. Konkret richten wir unseren Blick kritisch auf eine Studie der EU-Kommission, auf die Pläne der deutschen Innenminister.innen, das geplante katastrophale BND-Gesetz und auf das ebenso geplante Telekommunikations-Gesetz. Die gute Nachricht: Unsere Verfassungsbeschwerde gegen das deutsche Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung muss noch entschieden werden. Ein grundrechtefreundliches Urteil könnte einige der aktuellen Pläne für anlasslose Massenüberwachung stoppen.

Mehr dazu in unserem Blog: Vorratsdatenspeicherung: Sturheit in der EU und Deutschland https://digitalcourage.de/blog/2020/vorratsdatenspeicherung-studie-bnd-telekommunikationsgesetz

 

##5. US-Handelsbehörde rüttelt an Facebooks Monopol  

„Es ist besser zu kaufen als zu konkurrieren.” So hat Mark Zuckerberg selbst in einer internen Mail von 2008 Facebooks Strategie auf den Punkt gebracht. Sein Monopol hält Facebook nicht dadurch aufrecht, dass Funktionen verbessert werden oder sich die Produkte durch besondere Nutzungsfreundlichkeit auszeichnen. Der Konzern Facebook schluckt einfach mögliche Konkurrenten oder stellt eigene Regeln auf, um es anderen Anbietern schwer zu machen. Deshalb hat die US-Handelsbehörde FTC (Federal Trade Commission) gemeinsam mit dem US-Justizministerium und fast allen US-Bundesstaaten beschlossen, Klage gegen Facebook zu erheben. Hauptanklagepunkt: Der Kauf von WhatsApp und Instagram. Die Monopolisierung ganzer Dienstleistungs- und Wirtschaftssparten durch große Internetkonzerne ist auch in Deutschland ein Problem. Auch das deutsche Wettbewerbsrecht greift immer noch zu kurz und erkennt nicht das enorme Manipulationspotential, das die Internetgiganten durch solche Monopole erhalten. Gemeinsam mit unseren Bündnispartnern in der Initiative „Konzernmacht beschränken“ haben wir einen Forderungskatalog erarbeitet: https://digitalcourage.de/sites/default/files/2020-01/Kommentierung_Digitalisierungsgesetz.pdf

Artikel zur US-Klage auf heise.de: US-Handelsaufsicht verklagt Facebook wegen Kauf Instagrams und WhatsApps https://www.heise.de/news/US-Handelsaufsicht-verklagt-Facebook-wegen-Kauf-Instagrams-und-WhatsApps-4985259.html

 

##6. Google und Amazon: Bußgelder für unverständliche Cookie-Informationen  

Die französische Datenschutzaufsicht CNIL (Commission Nationale de l’Informatique et des Libertés) will Google und Amazon durch hohe Bußgelder dazu zwingen, ihre Cookie-Policy zu ändern. Der Vorwurf: Die Cookie-Banner von Google und Amazon informieren Nutzer.innen nicht ausreichend darüber, welche Daten von den Konzernen verarbeitet werden und dass es auch möglich ist, dem Setzen von Werbe-Cookies zu widersprechen.

Artikel auf heise.de: Frankreich: Datenschützer verhängen Millionen- Bußgelder gegen Google und Amazon https://www.heise.de/news/Frankreich-Datenschuetzer-verhaengen-Millionen-Bussgelder-gegen-Google-und-Amazon-4985956.html

 

7. Verbraucher-Tipp zu Cookie-Bannern: Träcktor

 

Auch wir kennen das: Ein Cookie-Banner einfach mit einem genervten Klick auf „Alles akzeptieren” ausblenden – manchmal siegt halt die Bequemlichkeit. Um diesen „Bequemlichkeitsvorteil” der Tracking-Anbieter auszugleichen, gibt es das Tool „Träcktor”. Mit nur wenigen Klicks generiert der „Träcktor” eine Beschwerde gegen Tracker, die man direkt an den Datenschutzbeauftragten der Website versenden kann.

Tracker finden: https://webbkoll.dataskydd.net/de/ (Liste unter „Drittanfragen“)

Beschwerdeschreiben erzeugen: https://träcktor.de/

 

##8. Shop  

Frisch eingetroffen in unserem Shop: Das Digitalcourage-Jahrbuch für 2021 Unter anderem mit vielen Technik-Tipps fürs Homeoffice | Warum Sie bis Sommer 2021 einen neuen Personalausweis beantragen sollten | Freiheitsrechte in Corona-Zeiten | Die großen Digitalkonzerne (Google, Amazon und Co.) entmachten | Faire Websites bauen | Datenschutz in der Schule und im Homeschooling | Exklusive Homeoffice-Fotos aus unserem Team | Wie man friedliche Großdemos organisiert | Was ist das Fediverse? | Alle Preisträger der BigBrotherAwards 2020 und was sich daraus entwickelt hat. https://shop.digitalcourage.de/jahrbuch-digitalcourage-2021.html

Empfehlung von unserem Shop-Team: Buch: Hilfe, ich habe meine Privatsphäre aufgegeben! Wie uns Spielzeug, Apps, Sprachassistenten und Smart Homes überwachen und unsere Sicherheit gefährden – von Barbara Wimmer Neue Technologien sollen unser Leben komfortabler machen. Doch der Preis, den wir dafür zahlen, ist hoch. Die zunehmende Vernetzung durch Geräte, die permanent mit dem Internet verbunden sind, bringt eine Überwachung von ungeahntem Ausmaß mit sich. Das Absurde dabei ist, dass wir unsere Privatsphäre freiwillig aufgeben – und das, ohne uns der Auswirkungen in vollem Umfang bewusst zu sein. https://shop.digitalcourage.de/buch-hilfe-ich-habe-meine-privatsphaere-aufgegeben.html

 

##9. Termine: remote Chaos Experience (rC3) 27.–30.12.2020  

Der jährliche Chaos Communication Congress kann aus bekannten Gründen dieses Jahr nicht in großen Messehallen stattfinden. Als Ersatz gibt es dieses Jahr eine extra gebaute Online-Spielewelt, in der Besucher.innen herumlaufen, verschiedene Gruppen besuchen und sich auch treffen können. Wer mag, kann sich mit anderen dann auch per Videochat unterhalten. Es gibt – wie jedes Jahr – Vorträge, die frei gestreamt werden. Digitalcourage wird mit vielen Angeboten beim remote Chaos Experience (rC3) vertreten sein. Wir bauen gerade noch an einem eigenen Bereich innerhalb der rC3-Welt. Einige Pläne sind schon konkret:

• Am 27.12. um 18 Uhr gibt es einen Talk mit Leena Simon zu „Spy-Apps und die APT-Lücke – Schwächen der häuslichen IT-Sicherheit“ (Haecksen- Space) • Am 28.12. ab 12 Uhr gibt es einen Workshop „Digitales Klassenzimmer – So geht Freie Schulsoftware“ mit unserem Bildungskampagnen-Team und weiteren Referenten aus dem Bildungsbereich (Digitalcourage- Workshopbereich) • Am 29.12. um 14:00 gibt es einen Talk mit Friedemann Ebelt „Holt euch Personalausweise ohne Fingerabdrücke – solange es geht“ (RemoteRheinRuhrStage)

Außerdem werden wir auch CryptoParties anbieten und freuen uns auf nette Gespräche in unserer digitalen Sofaecke!

Mehr Infos: https://digitalcourage.de/rC3 (wird laufend aktualisiert)