1 Was sind RFID?
1.1 Was ist das für eine Abkürzung und worum geht es überhaupt?
1.2 Wie sehen RFID aus?
1.3 Wie kann ich erkennen, ob ein RFID-Chip verborgen ist?
2 Was können RFID?     2.1 Welche Typen gibt es, und wie hoch ist ihre Reichweite?
2.2 Welche Unterschiede bestehen zu elektronischen Diebstahlsicherungen?
2.3 Was wird/ kann in Datenbanken gespeichert werden?
2.4 RFID und Barcode – Was ist der Unterschied?
2.5 Gibt es Produkte, die nicht mit RFID-Chips versehen werden können?
3 Welche Risiken bringt eine breite Einführung von RFID?
3.1 Was ist Tracken?
3.2 Können Kaufgewohnheiten gespeichert werden?
3.3 Wer würde sich für die Daten interessieren?
3.4 Ist Preisdiskriminierung möglich?
3.5 Was ist an RFID schlimmer als an Handys? (Stichwort Ortung)
3.6 Wie sieht es mit der Strahlung aus?
3.7 Was fordert Digitalcourage e.V.?
3.8 Was kann ich gegen RFID tun?   4 Wie kann ich RFID-Chips unbrauchbar machen?
4.1 Kann ein Magnet einen RFID-Chip löschen?
4.2 Kann ich Produkte in die Mikrowelle legen, um eventuell versteckte RFID-Etiketten zu zerstören?
4.3 Können Chips in Kleidungsstücken, Waschmaschinen und Trocknern „überleben“?
4.4 Es gibt doch ein De-Aktivator-Gerät, reicht das denn nicht?
4.5 Ich habe in der Tagesschau von einem Blocker-Tag gehört, das gegen RFID helfen soll. Ist das wirklich sinnvoll?
5 Welche Techniken und Standards werden kommen?
5.1 Was ist EPC (Electronic Product Code)?
5.2 Was ist ONS (Object Name Service)?
6 Wer experimentiert oder nutzt bereits RFID und wo komme ich mit RFID in Kontakt?
6.1 Stimmt es, dass RFID-Chips in Euro-Geldscheinen eingesetzt werden sollen?
6.2 Gibt es schon Beispiele des RFID-Einsatzes in Kleidung oder Schuhen?
Weitere Informationen

1. Was sind RFID?

1.1 Was ist das für eine Abkürzung und worum geht es überhaupt?

RFID steht für „Radio Frequency IDentification“ und ist eine automatische Datenerfassungstechnik, bei der winzige Chips zur Warenverfolgung an Produkten oder Verpackungen befestigt werden. Mit diesen kleinen Chips können Gegenstände ohne direkten Kontakt aufgespürt werden - sogar durch eine Geldbörse, einen Rucksack oder eine Tasche hindurch. Viele große Handelskonzerne möchten die bekannten Barcodes durch solche „Schnüffelchips“ ersetzen, so dass so gut wie jedes Objekt auf dem ganzen Planeten - und die Menschen, die sie tragen und bewegen - unbemerkt verfolgt werden können. Es gibt zur Zeit keine Regelungen oder Gesetze in Deutschland, der Europäischen Union oder weltweit, mit denen die Gesellschaft vor den Gefahren oder gar dem Missbrauch solcher Technologien geschützt werden könnten. Der Chip hat eine Nummer fest gespeichert, die ihn eindeutig erkennbar macht. Keine Chipnummer kommt jemals doppelt vor. Der Chip wird mit einer Antenne verbunden, die elektromagnetische Strahlung eines Lesegeräts auffängt und damit den RFID-Chip mit Strom versorgt. Sobald Strom am Chip anliegt, wacht dieser auf, sendet seine ID-Nummer aus und kann vom Lesegerät aufgefangen werden. Diese Einheit aus RFID-Chip und Antenne wird „Transponder“ oder „tag“ genannt. Zusätzlich kann ein RFID-Chip beschreibbaren Speicher haben.

1.2 Wie sehen RFID aus?

RFID sind unauffällig. In einigen Produkten sind sie schon länger enthalten, ohne dass sie aufgefallen sind. In Speicherkarten der Firma Sandisk zum Beispiel klebt häufig ein etwa vier mal vier Zentimeter großes weißes, unbedrucktes Etikett. Erst wenn man es gegen eine starke Lampe hält, lassen sich die typischen Antennenstrukturen erkennen, die am Rande des Etiketts verlaufen. Manche RFID-Chips finden sich auch innerhalb normaler Preisetiketten. Diese sind oft ein wenig dicker, was auf ein Transponder innerhalb des Etiketts hinweisen kann. An vielen Kleidungsstücken hängen kleine, etwa kreditkartengroße, etwa drei Millimeter dicke Pappstückchen. Was wie ein hübsches bedrucktes Etikett aussieht, ist nur eine weitere Möglichkeit, einen RFID-Chip zu verbergen. RFID gibt es in ganz unterschiedlichen Formen. Sie werden zum Beispiel in Kundenkarten, Kreditkarten, in Aufklebern und sogar Nägeln eingebaut. Es kommt immer auf die Anwendung an, für die sie bestimmt sind. In Kundenkarten, im Innern einer Produktverpackung, integriert im Wellpappe-Karton, aber auch auf oder hinter Aufklebern und Etiketten angebracht, fallen sie nicht auf. RFID-Tags können auch auf Packungen aufgedruckt werden. 

1.3 Wie kann ich erkennen, ob ein RFID-Chip verborgen ist?

Weil es kein Gesetz gibt, das Hersteller verpflichtet, Ihnen den Einsatz von RFID in Produkten oder Verpackungen mitzuteilen, müssen Sie selbst auf die Suche gehen. Solange die heute kommerziell verwendeten RFID-Etiketten eine recht auffällige Antenne haben, ist es nicht aussichtslos, die Chips zu entdecken. Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Gegenstand einen versteckten RFID-Chip enthält, können Sie folgende Hinweise bei der Suche verwenden:  Schauen Sie sich jedes Etikett und jeden Aufkleber genau an. Entfernen Sie sie vorsichtig und halten Sie sie gegen eine Lichtquelle. Sehen Sie flache, dunkle oder metallische Linien, die rund um das Etikett laufen und in einem winzigen Knubbel münden? Falls ja, betrachten Sie wahrscheinlich die Antenne eines RFID-Chips.  Am schonendsten suchen Sie nach RFID-Chips in Schuhen, indem Sie die Einlegesohle entfernen und sich das Innere anschauen. Die Schwierigkeit ist, dass RFID-Chips beim Hersteller in Plastik, Schaum, Gummi oder andere Materialien eingebettet oder eingegossen werden können. Es ist schwer, solch tief versteckte Chips zu finden, ohne dass Sie die Schuhe zerstören oder röntgen. Über die Verwendung von RFID in Schuhen gibt es weiter unten einen eigenen Punkt. Wenn der Untersuchungsgegenstand aus Pappe ist, suchen Sie zuerst auf der Oberfläche. Finden Sie dort matt aufgedruckt die typischen Antennenstrukturen? Sonst trennen Sie die Pappschichten auf und suchen Sie dort nach der Antenne. RFID-Leseantennen lassen sich außerdem mit ganz simpler Radio-Technik finden: Die Frequenz der im Handel üblichen RFID-Technik ist 13,56 MHz. Diese Frequenz können Sie auf einem Radio-Weltempfänger einstellen. Bewegen Sie den neben einen RFID-Sender auf dieser Frequenz, hören Sie ein gepulstes Störgeräusch, ähnlich wie ein Handy in der Nähe eines Lautsprechers. Damit können Sie leicht überall feststellen, ob die RFID-Frequenz 13,56 MHz angefunkt wird. Sie wollen sich ein Lesegerät kaufen? Das günstigste Lesegrät, das die Chips mit den Frequenzen und Protokollen, die der Handel einsetzt, lesen kann, kostet etwa 150 Euro und muss an einen Laptop angeschlossen werden. 

2 Was können RFID?

2.1 Welche Typen gibt es, und wie hoch ist ihre Reichweite?

Es gibt zwei Arten von RFID-Chips: „passive“, die ohne eigene Energieversorgung funktionieren, sowie „aktive“ RFID-Chips. Diese enthalten eine Batterie oder sind mit einer Batterie oder externen Stromversorgung verbunden.  Passive Chips erhalten ihre Betriebsenergie direkt durch die Energie der Funkwellen, die das Lesegerät ausstrahlt. Außerhalb der Reichweite eines Lesegerätes sind passive Chips also ohne Energie. In Abhängigkeit von einer Reihe von Faktoren, wie zum Beispiel Antennengröße, Funkfrequenz und Umweltbedingungen, kann ein passiver Chip einen Leseabstand von wenigen Zentimetern bis über 8 Metern haben. Grob gilt: Je größer die Antenne ist, desto größer ist auch die Reichweite.  Aktive Chips können Reichweiten von einigen Kilometern und mehr haben. Die meisten Chips, die für den Einsatz bei Konsumgütern vorgesehen sind, sind aber passiv. 

2.2 Welche Unterschiede bestehen zu elektronischen Diebstahlsicherungen?

Die elektronische Diebstahlsicherung liest nur den Status, also das Vorhandensein eines nicht „entschärften“ Tags aus, und schlägt in diesem Falle Alarm. Sie liest keine Daten über die Ware und den Kunden.  Natürlich kann man die an den Türen angebrachten „Gates“ durch RFID-Scanner ersetzen, ohne dass es groß auffallen würde. Denn RFID-Leseantennen kann man nur mit einem entsprechenden Detektor ausmachen, von außen und mit bloßem Auge sieht man den  „Gates“ nicht an, ob sie für RFIDs oder Diebstahlsicherungen da sind.

2.3 Was wird / kann in Datenbanken gespeichert werden? 

Es können bei jedem Kontakt eines RFID-Chips mit dem Lesegerät die eindeutige Seriennummer und eventuell weitere auf dem Chip gespeicherte Daten ausgelesen werden und zusammen mit der Uhrzeit und dem Ort des Lesegeräts gespeichert werden. Diese Daten erwecken natürlich Begehrlichkeiten. Wenn man z.B. eine RFID-Nummer einer bestimmten Person zuordnen kann, weiß man mit den gesammelten Daten auch, wann sie sich wo aufgehalten hat.  Die eindeutige Seriennummer macht es Datenbank- und Archivbetreibern sehr einfach, weitere auf anderen Wegen gesammelte Daten dieser Nummer zuzuordnen und wieder abzurufen. 

2.4 RFID und Barcode – Was ist der Unterschied?

RFID beinhalten im Gegensatz zu Barcodes eine weltweit eindeutige Nummer. Barcodes kennzeichnen nur die Produktkategorie. Mit der Seriennummer der RFID-Etiketten kann man herausfinden, dass Sie nicht nur irgendeinen Schokoriegel gekauft haben, sondern genau diesen einen.  RFID sind kontaktlos auch ohne freie Sicht auslesbar: Die Radiowellen dringen auch durch Stoff und Leder, wohingegen bei Barcodes Sichtkontakt vorhanden sein muss, um sie zu lesen. Dadurch können RFID im Gegensatz zu den Barcodes auch sehr leicht heimlich, ohne Ihr Wissen und Einverständnis ausgelesen werden. 

2.5 Gibt es Produkte, die nicht mit RFID-Chips versehen werden können? 

Gegenstände, die Flüssigkeiten oder Metalle enthalten, sind schlecht geeignet für RFID. Flüssigkeiten absorbieren in den meisten Fällen die elektromagnetische Energie, die das Lesegerät ausstrahlt und die der Chip für seine Arbeit benötigt. Metalle reflektieren die Strahlen und werfen sie in unvorhersehbare Richtungen zurück. Diese Probleme werden noch weiter untersucht.  Sie können diese Informationen über Metalle zu Ihrem Vorteil verwenden. Hilfreich sind beispielsweise Kühltüten oder auch Rettungsdecken zum Abschirmen von RFID vor der Lesestrahlung, da sie innen mit Metall beschichtet sind.  Halten Sie die Augen offen: Ist „Ihr“ Laden vor kurzem neu gestaltet worden, und wurden dabei die üblichen Regale aus Metall durch neue Plastikmöbel ersetzt – um Interferenzen mit RFID-Kommunikation zu verhindern? Dann seien Sie auf der Hut. 

3 Welche Risiken bringt eine breite Einführung von RFID?

3.1 Was ist Tracken?

Durch eindeutige Nummern und kontaktlose Auslesbarkeit kann ein Gegenstand bei jedem Passieren eines Lesegerätes registriert werden. Diese Lesegeräte oder Scanner können versteckt angebracht werden und somit kann, ohne dass man es weiß oder mitbekommt, der Weg verfolgt werden, den man geht. Natürlich nur, solange Scanner in der Nähe sind.  Darüber kann beispielsweise Ihr Einkaufsverhalten erfasst werden, zum Beispiel wie lange Sie vor einem Regal verweilen oder welchen Bereich des Ladens Sie meiden.

3.2 Können Kaufgewohnheiten gespeichert werden? 

Ja.  Durch RFID in Kundenkarten kann ihr Kaufverhalten gespeichert werden. Sie können bereits beim Betreten des Ladens durch ein Lesegerät im Eingangsbereich erkannt werden. So kann dann nicht nur gespeichert werden, was Sie gekauft haben, sondern sogar, was Sie sich nur angeschaut haben. Ihre Kaufgewohnheiten sagen viel über Sie aus, was die Läden nutzen, um ihr Angebot genau auf Sie zuzuschneiden. So werden Sie dahingehend manipuliert, möglichst viel Geld im Laden auszugeben, in dem Sie nicht nur das Nötigste kaufen, sondern auch zum Kauf anderer Sachen verleitet werden. 

3.3 Wer würde sich für die Daten interessieren? 

Diese Daten interessieren den Handel, der seine Werbung und Standorte optimieren möchte. Wenn aber erst einmal Daten in großem Stil erfasst werden, werden sich auch andere Interessenten finden, beispielsweise das Ordnungsamt, zum Beispiel wenn Müll mit RFID auf wilden Deponien entsorgt wurde. Die Absicht, die hinter der massiven Einführung von RFID und dem damit einhergehenden EPC (Elektronischer Produktcode) steht, ist der Austausch von diesen Daten über Unternehmensgrenzen hinweg. Damit das funktionieren kann und ein Produkt genau nachverfolgt werden kann, wird das ONS (Object Name System) aufgebaut. Es funktioniert ähnlich, wie ein Rechner im Internet gefunden werden kann.

3.4 Ist Preisdiskriminierung möglich? 

Ja, mit einer Kombination von RFID in Kundenkarten und Artikeln ist es möglich, Preise in Geschäften auf den Kunden zuzuschneiden. Dies ist mit RFID sehr einfach, da sie kontaktlos auslesbar sind und mittels Tag in der Kundenkarte der Kunde erkannt wird und schon andere Preise ausgezeichnet werden. Dagegen gibt es bisher keine Gesetze.

3.5 Was ist an RFID schlimmer als an Handys? (Stichwort Ortung)

Die meisten RFID-Chips können nur über eine relativ kleine Entfernung ausgelesen werden. Also kann man zwar keine entfernte Überwachung wie bei Handys durchführen, dafür aber eine sehr genaue Überwachung auf begrenztem Raum. Für eine Ortung über die Reichweite eines Lesegerätes hinaus reicht es, einfach mehrere Lesegeräte an strategisch günstigen Orten, wie Engstellen an Ein- und Ausgängen oder in Regale eingebaut, aufzustellen und darüber alle nötigen Informationen für eine Ortung zu bekommen. Bedenken Sie, dass nach und nach solche Lesegeräte auch an Bushaltestellen, Parkhäusern, Bahnhöfen, Hörsälen installiert werden und zur Ortung genutzt werden können. Zu beachten ist weiterhin, dass Sie ein Handy abstellen können. Der RFID-Chip funkt jedoch weiter, ohne dass Sie einen Einfluss darauf haben. 

3.6 Wie sieht es mit der Strahlung aus?

Die RFID-Technik arbeitet mit Funkwellen, also Strahlung. Wenn diese Technik weitreichend eingeführt wird, wird auch die Strahlenmenge, der Sie ausgesetzt sein werden, zunehmen. Je nach verwendetem Typus und gewünschter Reichweite werden mehr oder weniger starke Strahlen benötigt und ausgesendet. Über die Gefährlichkeit der Strahlung ist, ähnlich wie bei der Abstrahlung von Handys und Handymasten, noch nicht viel bekannt geworden. Es gibt jedoch Bedenken. Für einige Test- und Versuchsaufbauten, die nicht nur in abgeschirmten Labors stattfinden, wurden Ausnahmegenehmigungen beantragt und vorerst bewilligt, damit die normalerweise als gefährlich eingestufte gesetzliche Strahlungsgrenze bei den Tests überschritten werden darf. Dies trifft in besonders starkem Ausmaß die Angestellten, die tagtäglich im Strahlenbereich arbeiten müssen, aber natürlich auch jeden Kunden. 

3.7 Was fordert Digitalcourage?

Wir haben unsere Forderungen schon 2008 in diesem Positionspapier an die EU gestellt und veröffentlicht. 

3.8 Was kann ich gegen RFID tun?

Wenn Sie feststellen, dass bestimmte Läden RFID verwenden, sollten Sie diesen deutlich zu verstehen geben, dass Sie mit dieser Geschäftspolitik nicht einverstanden sind und sich, falls nichts dagegen unternommen wird, zum Beispiel einen anderen Laden für Ihre Einkäufe suchen. 

4 Wie kann ich RFID-Chips unbrauchbar machen? 

Sie können einen RFID-Chip für seinen Zweck unbrauchbar machen, indem Sie die Verbindung zur Antenne unterbrechen. Normalerweise ist es ziemlich klar, wo sich der Chip befindet: Alle Antennen laufen auf ihn zu. Wenn Sie das winzige, dunkle Rechteck gefunden haben, können Sie versuchen, die Leiterbahnen der Antenne zu zerkratzen. Manche Karten, die RFID-Chips beinhalten, können Sie etwa einen Zentimeter weit einschneiden, so dass die Antenne zerstört ist und die Daten Ihres Kindes nicht mehr abgefragt werden können. Um sich halbwegs sicher zu sein, dass der Chip nicht mehr lesbar ist, können Sie ihn mit einer Nadel zerstechen, ihn zerquetschen oder zerreiben. Wir übernehmen für diese Hinweise keine Haftung.

4.1 Kann ein Magnet einen RFID-Chip löschen?

Nein, denn die Chip-Informationen werden nicht magnetisch gespeichert. Die Anwendung von Magneten oder Bandlöschgeräten hat keine Auswirkungen auf einen Chip.

4.2 Kann ich Produkte in die Mikrowelle legen, um eventuell versteckte RFID-Chips zu zerstören? 

Ein RFID-Chip wird durch Mikrowellen tatsächlich zerstört. Einige Millisekunden bei wenig Watt reichen schon. Es ist aber recht wahrscheinlich, dass dabei nicht nur der Chip in Flammen aufgeht, sondern auch die Verpackung oder das Produkt, an dem der Chip angebracht oder eingelegt ist, ruiniert wird.

4.3 Können Chips in Kleidungsstücken, Waschmaschinen und Trocknern „überleben“?

Ja, RFID-Chips sind so ausgelegt, dass sie normalen Verschleiß jahrelang überstehen, Waschen und Trocknen eingeschlossen.

4.4 Es gibt doch ein De-Aktivator-Gerät, reicht das denn nicht? 

Der Metro-Konzern hat in seinem Extra-Future-Store nach unseren ersten Protesten gegen die Verwendung von RFID einen sogenannten De-Aktivator aufgestellt. Seine Bedienung ist jedoch sehr umständlich, da Sie jeden Chip an jeder Ware einzeln deaktivieren müssen.

Es wird in der momentanen Version außerdem nur ein Teil des Speichers mit Nullen überschrieben, die Seriennummer der Chips aber bleibt erhalten und damit auch das gesamte Gefährdungspotential. So ist das Gerät nutzlos und wiegt Sie darüber hinaus noch in trügerischer Sicherheit.  Es zeigt sich, dass Sie selbst für den Schutz Ihrer Daten aktiv werden müssen. Unserer Meinung nach sollte das genau anders herum sein: Wir fordern aktiven Datenschutz von den Unternehmen. 

4.5 Ich habe in der Tagesschau von einem Blocker-Tag gehört, das gegen RFID helfen soll. Ist das wirklich sinnvoll?

Nein. Aber dazu haben wir einen Extra-Text verfasst. 

5 Welche Techniken und Standards werden kommen? 

5.1 Was ist EPC (Electronic Product Code)?

Der Electronic Product Code ist das, was bisher auch schon auf den Barcodes zu lesen war: eine Produktnummer, die klarstellt, dass wir es bei diesem Produkt zum Beispiel mit einer Gillette Mach3 Rasierklinge zu tun haben. Der Nummernbereich ist so groß gewählt, dass bei vielen Produktlinien wirklich alle hergestellten Stücke gekennzeichnet werden können -- und das über mehrere hundert Jahre hinweg. 

5.2 Was ist ONS (Object Name Service)? 

Mit dem Object Name Service können EPC-Nummern zu bestimmten Diensten oder Websites aufgelöst und übersetzt werden. Die Struktur gleicht der des Domain Name Service Systems, das für die Auflösung von Webadressen wie www.digitalcourage.de auf Rechnernummern (IP-Nummern) verwendet wird. 

6 Wer experimentiert oder nutzt bereits RFID?

RFID-Chips werden bereits von vielen großen Handelsketten eingesetzt. Im Bereich Einzelhandel haben sich Unternehmen zu der fashiongroup RFID zusammengeschlossen. Unter anderem sind H&M, Gerry Weber, Windsor, Karstadt und Galeria Kaufhof Mitglieder dieser Initiative. Uns flattern täglich neue Anwendungen von RFID auf den Tisch. Wie die Zeit es zulässt, fassen wir sie auf unserer Seite „Wo gibt es RFID?“ zusammen. Bei Schließsystemen und Alarmanlagen für Gebäude werden RFID schon länger eingesetzt. Auch im Autoschlüssel steckt ein kleiner Transponder, der die Wegfahrsperre ein- und ausschaltet. Weitere Möglichkeiten sind besorgniserregend: Immer mehr Banken setzen die sogenannte NFC (Near Field Communication)-Technik ein. Das bedeutet, dass in Zukunft ein Chip in Ihrer EC-Karte oder Kreditkarte integriert sein wird, der bargeldloses Bezahlen ohne die Eingabe einer PIN ermöglicht. Dabei halten Sie Ihre EC-Karte an ein Lesegerät und können so nicht nur bezahlen, sondern auch Daten wie Ihr Guthaben, die Identifikationsnummer Ihrer Karte, sowie die letzten Ladevorgänge und Transaktionen einsehen. Ihre Karte können Sie mit bis zu 20 Euro aufladen. Ein besonderes Sicherheitsrisiko besteht darin, dass Sie keine PIN mehr eingeben müssen. So wird Unbefugten der Zugang zu Ihren Daten erleichtert. 

6.1 Stimmt es, dass RFID-Chips in Euro-Geldscheinen eingesetzt werden sollen? 

Es gibt aktuelle Diskussionen zu diesem Thema. Wir sprechen uns vehement dagegen aus, denn sollte RFID in Banknoten eingesetzt werden, würden Transaktionen in bar komplett nachvollziehbar für Dritte werden, anonyme Barzahlungen wären nicht mehr möglich.

6.2 Gibt es schon Beispiele des RFID-Einsatzes in Kleidung oder Schuhen? 

Schuhe lassen sich fast immer genau einer sie tragenden Person zuordnen, daher ist das Anbringen von RFID-Chips an und besonders in Schuhen sehr problematisch. Die Firma Alien Technology stellte auf einer RFID-Konferenz in Chicago im Juni 2003 einen „Wal-Mart Athletic Works“-Laufschuh vor, bei dem ein RFID-Chip unter der Innensohle angebracht war – angeblich nur ein Präsentationsmodell. Trotzdem herrschte bei der Konferenz große Begeisterung über die Möglichkeiten von RFID-Chips in Schuhen. Wir meinen, dass die Durchdringung des Schuhmarktes von RFID-Technik eine beängstigende Realität werden wird, wenn wir den Firmen nicht klarmachen, dass wir Produkte mit Chips nicht kaufen werden! Mehr zur Verwendung von RFID in Kleidung finden Sie in einem weiteren Artikel.

Weitere Informationen:

Bild: photosteve101 bei flickr (CC BY 2.0)


Wir setzen uns für Ihre Privatsphäre und Grundrechte ein. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder mit einer Fördermitgliedschaft.


Veröffentlicht am 23.03.2010

Marktstraße 18
33602 Bielefeld

Spendenkonto
IBAN: DE66 4805 0161 0002 1297 99
BIC: SPBIDE3BXXX
Sparkasse Bielefeld