I ♥ Free Software Day 2026

Open-Source-Tools, die wir lieben

Freie Software ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Anlässlich des „I ♥ Free Software Day“ möchten wir die Arbeit der überwiegend ehrenamtlichen Entwickler.innen in den Mittelpunkt stellen und unsere liebsten Projekte präsentieren.

CiviCRM

CiviCRM ist eine Software für Vereine und gemeinnützige Organisationen zur Mitgliederverwaltung, Spendenbuchhaltung, Planung und Organisation.

Ich arbeite gern mit CiviCRM, weil es so wandlungsfähig ist und sich sehr gut an verschiedenste Bedarfe anpassen lässt – ob zu einer Veranstaltung eingeladen werden soll, ob ein Rundschreiben an bestimmte Empfänger.innen gehen soll oder einfach nur Spenden gebucht werden müssen. Es gibt nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, das für die eigene Organisation passende System zu bauen. Kontakte mit Interessierten, Mitgliedern, Spender.innen sind leicht herzustellen und nach selbt definierten Kriterien zu sortieren. So kann jede noch so kleine oder große Zielgruppe passend adressiert werden, um z. B. im Vorfeld auf Veranstaltungen in Wohnortnähe hinzuweisen, Spender.innen zu danken oder Umfragen durchzuführen.

Christine (Digitalcourage)

Jetzt spenden: civicrm.org/support-us

Infokachel für CiviCRM.Idee: Markus Korporal, Bearbeitung: Melanie Lübbert, CC-BY-SA 4.0

CryptPad

Infokachel zum CryptPadIdee: Markus Korporal, Bearbeitung: Melanie Lübbert, CC-BY-SA 4.0

CryptPad ist eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Online-Plattform für das gemeinsame Arbeiten an Texten, Präsentationen und Tabellenkalkulationen.

Mit mehreren Personen oder unterschiedlichen Arbeitsgruppen an unterschiedlichen Texten, Präsentationen oder Kalkulationen arbeiten, Versionen nachverfolgen und ggf. wiederherstellen? Kein Problem für CryptPad. Und das alles Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sodass nur die am Text Beteiligten Zugriff auf die Inhalte haben.

Ich mag CryptPad, weil es genau die Funktionalität (gemeinsam Texte schreiben und gleichzeitig die unterschiedlichen Versionen nachverfolgen) mitbringt, für die sonst Office 365 oder Google Docs bekannt sind. Dazu kommen noch das Kanban Board, ein integrierter Chat, sowie die Option unterschiedliche, abgeschlossene Bereiche für unterschiedliche Teams oder Arbeitsgruppen einzurichten. Das ist aus meiner Sicht alles, was ich für meine Projektarbeit benötige.

Melanie (AG Digitale Selbstverteidigung)

Jetzt spenden: open collective

Kdenlive

Kdenlive ist eine nichtlineare Videoschnitt-Software, entwickelt von KDE, die mit den wichtigsten Bearbeitungsfunktionen – wie Grading, Keying, Audiobearbeitung, vielen Effekten und Übergängen sowie einem integrierten Titeleditor – daherkommt.

Das Programm ist zu Beginn vielleicht nicht so intuitiv zu bedienen wie andere etablierte Software auf dem Markt, dafür aber an kein überteuertes Abo gekoppelt. Eine tolle Gelegenheit, seine Videoprojekte experimentell anzugehen und die Grundlagen des Videoschnitts ohne Druck zu erlernen – hierbei helfen auch die vielen Videotutorials.

Melanie (Digitalcourage)

Jetzt spenden: kde.org

Infokachel zu KdenliveIdee: Markus Korporal, Bearbeitung: Melanie Lübbert, CC-BY-SA 4.0

adminforge.de | dnsforge.de

Infokärtchen zu adminforge.de und dnsforge.deIdee: Markus Korporal, Bearbeitung: Melanie Lübbert, CC-BY-SA 4.0

adminForge ist eine Plattform, auf der freie Web-Dienste für alle angeboten werden.

Was der Betreiber Stefan Giebel hier auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich! Auf adminForge sind sehr viele FOSS-Dienste für alle frei verfügbar. Mit dnsForge werden verschlüsselnde DNS-Server mit Blocklisten angeboten.

Oliver (AG Digitale Selbstverteidigung)

Jetzt spenden: adminforge.de

Vaultwarden

Vaultwarden ist eine Neuentwicklung des Bitwarden-Server, welcher den Bitwarden-Passwort-Manager betreibt. Anders als KeePassXC, wird dieser zentrale Server benutzt, um die verschlüsselten Passwörter zwischen den verschiedenen Geräten zu synchronisieren.

Hier ein neuer Account, da ein neuer Account. Wer soll denn da den Überblick behalten, vor allem über die ganzen Passwörter? Vaultwarden hilft dabei, Passwörter sicher verschlüsselt zu verwalten, ohne ein teures Abo, und das von allen Geräten ohne zusätzliche Synchronisatationsprogramme wie Nextcloud oder Syncthing. Einfach die App herunterladen (oder das Browser-Addon), Instanz-URL eintragen, Account anlegen und schon kann es losgehen. Man kann Zugangsdaten, Kreditkarten, Notizen, SSH-Keys und Identitäten (Name, Adresse, …) hinterlegen. Öffnet man ein Webformular, welches nach Zugangsdaten oder einer Identität fragt, füllt Vaultwarden alle Felder automatisch aus (selektive Datenauswahl ist ebenfalls möglich). Es bietet sogar die Möglichkeit, Zugangsdaten von verschiedenen Passwort-Manager-Diensten zu importieren. Auch das Teilen von Zugangsdaten, Texten und Dateien ist mit Organisationen und dem Send-Feature sehr einfach. Vaultwarden bietet fast alle Bitwarden-Premium-Funktionen und ist kompatibel mit den Bitwarden-Apps oder der Keyguard-App. Es ist in Rust geschrieben, Open Source, kostenlos und der Hauptentwickler arbeitet selbst bei Bitwarden.

Vaultwarden ist auch für Nicht-Techies sehr einfach zu bedienen und einzurichten. Es bietet für Techies die Möglichkeit einen eigenen Server zu betreiben (viel weniger Leistungsverbrauch als Bitwarden-Server). Für Nicht-Techies gibt es ein paar inoffizelle öffentliche Server, die benutzt werden können, jedoch muss man den Server-Administrator.innen vertrauen.

André (Digitalcourage)

Jetzt spenden: liberapay.com/dani-garcia

Infokachel für Vaultwarden.Idee: Markus Korporal, Bearbeitung: Melanie Lübbert, CC-BY-SA 4.0

immich.app

Infokachel für immich.app.Idee: Markus Korporal, Bearbeitung: Melanie Lübbert, CC-BY-SA 4.0

immich ist eine Software, um Bilder – ähnlich wie Google Photos oder iCloud – zu organisieren, aber auf dem eigenen (Home-)Server.

Im Gegensatz zu den Datenkraken der Big-Tech-Unternehmen bleiben alle Daten unter meiner Kontrolle und ich muss mir keine Sorgen machen, wie die Fotos und Videos von und mit mir, meiner Familie und meinen Freunden ausgewertet und die enthaltenen persönlichen Informationen weiterverwendet werden. Sowohl die Server-Software als auch die Klient-Software für verschiedene Plattformen ist vollständig Open Source. Dabei ist immich keine spröde Nerd-Software, die sich nur mit viel Idealismus und Leidensfähigkeit benutzen lässt, sondern lässt sich genauso intuitiv und flüssig bedienen wie die Apps der großen Cloud-Anbieter. Sogar meine Teenie-Kinder haben sich überzeugen lassen und synchronisieren, sortieren und teilen alle ihre Bilder und Videos über immich.

Futo, die Firma hinter immich, bittet nicht um Spenden, sondern möchte, dass man für die Software bezahlt. Von diesen Geldern bezahlt sie Vollzeit-Entwickler und spendet an andere Open-Source-Projekte. Durch das Bezahlen erhält der Nutzer keine zusätzlichen Features oder andere Vorteile. Ich hoffe aber, dass sich genügend Nutzer finden, die für diese Software bezahlen, damit dieses mutige Geschäftsmodell funktioniert und vielleicht Vorreiter für andere ist.

Michael (AG Digitale Selbstverteidigung)

Jetzt kaufen: buy.immich.app

Senfcall

Senfcall ist ein Dienst, der Videocall-Räume anbietet. Gestartet sind sie als privates Projekt von Studierenden aus Darmstadt und Karlsruhe, mittlerweile ist das Computerwerk Darmstadt e.V. der Projektträger. Mit der freien Software BigBlueButton bieten sie eine einfach zugängliche und freie Alternative zu Zoom, Teams und Co. Die Server werden gut betreut und die Räume laufen einwandfrei. Man kann sich einen Account anlegen, oder ohne Login ein spontanes Meeting starten. Senfcall ist kostenlos und wird ehrenamtlich betrieben. Für kleinere gemeinnützige bzw. mildtätige Vereine bieten sie sogar an, einen AVV (Auftragsdatenverarbeitunsgvertrag) abzuschließen. Größere und finanzstärkere Organisationen werden gebeten, einen kostenpflichtigen Dienstleister zu wählen. Aber auch diese können BigBlueButton hier testen und herausfinden, ob das etwas für sie ist. Senfcall ist auf Spenden angewiesen und freut sich über ehrenamtliche Unterstützung.

Wenn man mal etwas anderes ausprobieren möchte, ist Senfcall eine fantastische und niederschwellige Möglichkeit.

Leena (Digitalcourage)

Jetzt spenden: senfcall.de/donate

Infokachel für SenfcallIdee: Markus Korporal, Bearbeitung: Melanie Lübbert, CC-BY-SA 4.0

Irgendein kryptischer Name für eine Software

InfoIdee: Markus Korporal, Bearbeitung: Melanie Lübbert, CC-BY-SA 4.0

Ein Projekt, das irgendeine völlig unbekannte Person in Nebraska seit 2003, ohne Anerkennung und Dank dafür zu bekommen, am Laufen hält.

Ich finde diesen XKCD-Cartoon so bezeichnend, dass ich ihn noch einmal hervorheben möchte.

Wir sehen eine schlichte Strichzeichnung: einen wackelig wirkenden Turm aus zahllosen aufeinandergestapelten Blöcken. Oben steht: „All modern digital infrastructure“ – „Die gesamte moderne digitale Infrastruktur“.

Ein Pfeil führt ganz nach unten, zu einem unscheinbaren, tragenden Stein. Dort steht: „A project some random person in Nebraska has been thanklessly maintaining since 2003.“ „Ein Projekt, das irgendeine unbekannte Person in Nebraska seit 2003 im Hintergrund pflegt, ohne dass es jemand bemerkt oder ihr dafür dankt.“

Das ist so wahr, dass es fast wehtut. Unsere digitale Welt – Behörden, Medien, Banken, Wissenschaft, Aktivismus, Kommunikation – ruht nicht nur auf Rechenzentren und Milliardenbudgets. Sie ruht auf Bibliotheken, Skripten, Protokollen und kleinen Projekten, die oft von einzelnen Entwickler.innen in ihrer Freizeit gepflegt werden. Menschen, die Fehler beheben, Sicherheitslücken schließen, Dokumentation schreiben – und die im Zweifel nicht einmal ihren Namen oder eine Kontonummer nennen wollen. Sie freuen sich schlicht daran, dass das große Ganze funktioniert.

Was mich daran traurig macht: Wir nehmen diese Menschen als selbstverständlich. Wir reden über „die Cloud“, „die Plattform“, „die Infrastruktur“ – als seien das Naturphänomene. Dabei sind es fragile Konstruktionen, getragen von unsichtbarer Fürsorgearbeit.

Im antiken Athen stand ein Altar „dem unbekannten Gott“. Vielleicht brauchen wir heute Denkmäler für die unbekannten Wohltäterinnen und Wohltäter. Für jene, deren Namen wir nie lernen – deren Arbeit wir aber täglich nutzen.

Ich danke Randall Patrick Munroe, dass er dieser unsichtbaren Person – von der es in Wahrheit sehr viele gibt – mit einem wunderbaren Cartoon ein Denkmal gesetzt hat.

padeluun (Digitalcourage)