Lesen Sie alle Artikel unserer Reihe über das Internet der Dinge!

Eine der größten Herausforderungen für die Zukunft der Menschheit, ist die Frage der Energieversorgung. Der Bedarf an Energie steigt ständig, aber die Ressourcen sind knapp. Eine Lösung wäre eine bessere Organisation von Energieproduktion und -konsum. Erste Fortschritte sollen durch intelligenten Verbrauch mit Hilfe von sogenannten „Smart Metern“ erreicht werden.

Inhalt

1. Was ist ein Smart Meter?
2. Wo stehen wir aktuell?
3. Welche Daten werden gesammelt?
4. Wo liegen die Gefahren?
5. Fazit
Weiterführende Links

1. Was ist ein Smart Meter?

Wir setzen uns für Ihre Privatsphäre und Grundrechte ein. Werden Sie Fördermitglied bei Digitalcourage.
„Smart Meter“, zu deutsch „intelligente Zähler“, sind Zählgeräte für Strom, Gas, Wärme oder Wasser. Im Gegensatz zu herkömmlichen Zählern, können sie jedoch zu jedem beliebigen Zeitpunkt den Energieverbrauch und die Nutzungszeit anzeigen. Viele Modelle haben außerdem die Möglichkeit, genau diese Daten an den Energieversorger zu übermitteln.
Durch die Analyse der exakten Verbrauchsdaten sollen Stromfresser entlarvt und der Stromverbrauch insgesamt gesenkt werden können. Des Weiteren kann es finanzielle Vorteile bieten, die Stromnutzung in Nebenzeiten zu verschieben (Lastverschiebung), zum Beispiel in die Abend- oder Nachtstunden, weil in diesen Zeiten der Stromtarif meist billiger ist. Diese Lastverschiebung kann zukünftig auch zur Energiewende beitragen, da mehr Leute den Strom nutzen, zu einem Zeitpunkt, an dem viel eingespeist wird – schließlich ist er dann auch billiger. Auch die Einspeisung, zum Beispiel durch private Fotovoltaikanlagen, kann durch Smart Meter über ihre Internetanbindung besser geregelt werden, da sie vom Netz getrennt werden können, wenn es einen Überschuss im Stromnetz gibt.
Einige Smart Meter haben auch die Funktion, den aktuell an der Börse notierten Strompreis an den Kunden weiterzugeben. Dies war bisher nicht der Fall, da der Stromverbrauch nur einmal im Jahr abgerechnet wurde. Wenn der Verbrauch nun aber durch ein Smart Meter in kürzeren Intervallen gemessen wird, kann jederzeit der momentane Strompreis berechnet werden. Die Kopplung des Börsenpreises an den Preis, den der Endkunde bezahlen muss, soll sich positiv auf die Geldbörse des Kunden auswirken. Zudem muss der aktuelle Zählerstand nicht mehr manuell abgelesen werden, sondern kann über ein Netzwerk direkt an den Energieversorger geschickt werden.

Smart Meter

2. Wo stehen wir aktuell?

Smart Meter werden in Deutschland schon länger bei Großkunden eingesetzt und sind seit 2010 für alle Neubauten und Grundsanierungen Pflicht. Durchschnittsverbraucher sind hiervon allerdings ausgenommen, weil sich der Einbau eines Smart Meters bei diesen wirtschaftlich nicht rentiert. Zukünftig soll die Einführung von Smart Metern in Deutschland vom Messstellenbetriebsgesetz, welches im Mai 2016 verabschiedet werden soll, geregelt werden. Der Zweck und vor allem die Umsetzung dieser „Zwangsdigitalisierung“ sind aber stark umstritten.

3. Welche Daten werden gesammelt?

Smart Meter können häufiger und vor allem in kürzeren Intervallen als herkömmliche, „dumme“ Zähler, Daten zum Energieverbrauch abzufragen und aufzuzeichnen. Entscheidend ist also der Strom-, Gas-, Wärme- oder Wasserverbrauch in Abhängigkeit zur Zeit.

4. Wo liegen die Gefahren?

Digitalcourage-Newsletter abonnieren und ständig auf dem Laufenden bleiben.
Nicht unbedingt eine Gefahr, aber ein deutlicher Kritikpunkt an den Smart Metern sind ihre Kosten. Die Anschaffungskosten der Messsysteme und deren Einbau übersteigen nicht selten die Kosten, die mit ihrer Anwendung eingespart werden können, um ein Vielfaches. Dies wird auch von einer Studie bemängelt, die von dem Bundeswirtschaftsministerium zu diesem Thema in Auftrag gegeben wurde.

Auch die finanziellen Einsparungsmöglichkeiten durch Lastverschiebungen bergen Probleme. Oft kann Geld gespart werden, wenn man flexibel ist und bestimmte stromfressende Tätigkeiten, wie zum Beispiel Waschen oder ähnliches, auf Zeiten mit niedrigen Tarifen, also abends oder nachts, verschiebt. Gerade für Familien ist es jedoch sehr schwer, den Tagesablauf an die günstigen Stromtarife anzupassen. Dies führt zu Preisdiskrimierung von verschiedenen sozialen Gruppen.

Verwende Daten, um Diskriminierung und Intoleranz zu beseitigen sowie ein faires Zusammenleben zu schaffen. (Spektrum Digital-Manifest S. 34)

Um die eigentlichen Vorteile von Smart Metern zu nutzen, ist die Übermittlung der eigenen Daten an den Energieversorger unerlässlich. Damit gehen allerdings auch die größten Gefahren der Nutzung eines Smart Meters einher. Die Verbrauchsdaten lassen viele Rückschlüsse auf den Tages- und sogar den Lebensablauf des Kunden zu. Bei einer sehr feinen Abfrage dieser Daten können Verbrauchsprofile und Analysen des Verhaltens von Kund.innen in den eigenen vier Wänden erstellt werden, die auf vielfache Weise missbraucht werden könnten. Selbst wenn man der Übermittlung der Daten an den Energieversorger nur in größeren Messintervallen zustimmt, zeichnet der intelligente Zähler lokal oft trotzdem alle Daten auf, die er kriegen kann. Damit kann sich der Kunde selbst einen Überblick über seinen Verbrauch schaffen, ohne jedes Detail an das Energieunternehmen senden zu müssen. Die Daten sind da, das steigert die Gefahr durch unberechtigte Zugriffe. Denn die Smart Meter sind in einem Netzwerk zur Datenübermittlung eingebunden und können somit auch von kriminellen Hackern angegriffen werden.

geheimnisumwobener Stromkasten

Zuletzt kann es passieren, dass bösartige Hacker nicht nur die Daten der einzelnen Kunden abgreifen wollen, sondern dass sie die Funktion zur Fernabschaltung, die eigentlich dazu gedacht ist, die Einspeisung von Eigenproduzenten zu regeln, ausnutzen und damit einen „Blackout“, also einen großflächigen Stromausfall, verursachen.

5. Fazit

Jahrelang wurde der Ausbau des europäischen Stromnetzes vernachlässigt. Dieses Defizit soll nun mit Smart Metern auf den Schultern der Kunden ausgeglichen werden. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.
Alles in allem gilt wohl die gleiche Grundregel für den Einsatz von Smart Metern, wie für alle „smarten“ Dinge: Sie haben großes Potential, sind jedoch – vor allem was die Datensammlungen angeht – mit mindestens ebenso großer Vorsicht zu genießen.

Weiterführende Links

Bilder

brain picture: Allan Ajifo auf flickr (CC BY 2.0)
Strommasten: roadconnoisseur auf flickr (CC BY-SA 2.0)
Smart Meter: Christian Haugen auf flickr (CC BY 2.0)
geheimnisumwobener Stromkasten: Donna Cleveland auf flickr (CC BY 2.0)

Text
H.Mayr

Veröffentlicht am 23.03.2016

Marktstraße 18
33602 Bielefeld

Spendenkonto
IBAN: DE66 4805 0161 0002 1297 99
BIC: SPBIDE3BXXX
Sparkasse Bielefeld