Wer beherrscht dein Gerät?
DRM? Was ist das?
Die Abkürzung DRM steht für „Digital Rights Management“, also in etwa „digitale Rechteverwaltung“ und bezeichnet Vorkehrungen, die unzulässiges Kopieren von Daten wie Musik, Filmen oder E-Books verhindern sollen.
Eine größere Diskussion (auch in der Berichterstattung) erfuhr das Thema vor allem Anfang der Jahrtausendwende, als DRM bei Musik-Dateien weit verbreitet war.
DRM besteht oft aus einer Mischung von Nutzungsbedingungen, Software-Sperren, Kopierschutz-Mechanismen, proprietären (nicht frei zugänglichen) Formaten, spezieller Hardware und kontrollierten Zugangsmöglichkeiten. All diese Elemente werden eingesetzt, um die Nutzung von Medien oder Geräten im Interesse der Anbietenden einzuschränken. DRM geht dabei deutlich weiter als Verträge und Bedingungen: Dinge funktionieren einfach nicht! Aktuell sind DRM-Techniken bei Filmen, Musik, Computerspielen, Software und E-Books verbreitet.
Der im Zusammenhang mit DRM häufig benutzte Begriff „Sicherheit“ bedeutet in erster Linie: Vieles funktioniert damit sicher nicht oder nicht so (komfortabel), wie Sie es sich wünschen und als Kund.in erwarten können. Doch es gibt Möglichkeiten: Siehe „Jetzt handeln“.
Inhalt
- Filme und Filmportale
- Musik
- Computerspiele
- E-Books
- Smartphones und Betriebssysteme
- Daten-Formate
- Fazit
- Jetzt handeln
- Weiterlesen
DRM im Alltag
Filme und Filmportale
Filmportale bieten kostenpflichtigen Zugang zu Filmen oftmals ausschließlich über ihre Websites zum Streaming an. Zum Ansehen kopiergeschützter Videos wird proprietäre (Closed-Source) Software genutzt. Ein Kopierschutz-Standard für das eigentlich offene HTML5-Format wurde vor allem aufgrund des Drucks der Filmindustrie implementiert. Auch beim Abspielen auf dem Fernseher kommt DRM zum Einsatz: Der HDMI-Standard enthält ebenfalls ein Kopierschutz-System (HDCP).
Mit solchen Beschränkungen möchte die Filmindustrie sicherstellen, dass keine illegalen Kopien von Filmen hergestellt oder angesehen werden können. So gibt es etwa Ländercodes auf DVDs und Blu-Rays, die das Abspielen in anderen Regionen der Welt verhindern sollen.
Leider schränken diese Maßnahmen auch das legitime Recht auf eine Privatkopie ein: Filme können beispielsweise nicht mehr aufgenommen werden, um sie zu einem späteren Zeitpunkt oder ein weiteres Mal zu sehen.
Musik
Musik-Dateien werden heute kaum noch mit Kopierschutz verkauft. Das liegt am Wechsel zum Streaming: Wo nichts mehr auf dem eigenen Gerät liegt, braucht es keine technische Sperre mehr. Mit dem Abo endet auch der Zugang. Über Jahre gepflegte Playlists sind dann einfach futsch.
Dass die Bibliothek dem Anbieter und nicht der „Käuferin“ gehört, zeigte sich 2022 bei Spotify: Auf Wunsch des Musikers entfernte der Dienst den gesamten Katalog von Neil Young (Web-Archiv-Link) von der Plattform! Über Nacht standen in unzähligen Playlists nur noch ausgegraute Titel. Zwei Jahre später kehrte Youngs Musik zurück – gefragt wurden die Hörer.innen weder beim Verschwinden noch beim Wiederauftauchen.
Computerspiele
Auch Computerspiele sind von DRM betroffen. Viele Spiele funktionieren nur in Verbindung mit der Software des jeweiligen Shops (z. B. mit Steam oder der Electronic Arts App). Außerdem müssen Spieler.innen dauerhaft online sein, damit das Spiel ständig die Gültigkeit der Kopie kontrollieren kann. Doch damit nicht genug: einige Spiele erstellen sogar eindeutige mathematische Prüfsummen aus den verbauten Hardware-Komponenten des Geräts. Stimmt diese Prüfsumme nicht mehr, weil ein Bauteil ersetzt oder ergänzt wurde, versagt das Spiel den Dienst.
Herstellern sind solche Kopierschutzmaßnahmen bei Spielen sehr wichtig. Das lässt sich daran erkennen, dass inzwischen häufig ein extra Schutz für den Kopierschutz verwendet wird. Dieser soll das Umgehen des Kopierschutzes noch schwieriger machen. Diese Technik führt jedoch oft zu verminderter Leistung des Rechners und zu verständlichem Frust für alle Spieler.innen: Beliebte Neuerscheinungen waren teils wochenlang nicht spielbar, weil die Server der Hersteller die Massen von Anfragen nicht verarbeiten konnten – bei Preisen zwischen 50 bis 80 Euro pro Spiel ein echtes Ärgernis.
E-Books
Bei E-Books gibt es eine Vielzahl von Online Shops, die unterschiedlich restriktiv sind und teils DRM-Techniken einsetzen. Bekanntes Beispiel hierfür ist Amazon: Bücher werden nur über den eigenen E-Book-Shop angeboten – allerdings in einem Format, welches DRM-Kopierschutzmaßnahmen enthält und nur von den Amazon-eigenen Geräten gelesen werden kann. Das macht es sehr aufwendig, ein E-Book auf anderen Geräten zu lesen. Ob man als Kund.in beim Kauf nur eine Lizenz zum Lesen erwirbt oder ein Buch als Eigentum, ist rechtlich umstritten. Es liegt auf der Hand, dass E-Books damit in den meisten Fällen auch nicht verliehen werden dürfen.
Die Preise für E-Books liegen zwar meist unterhalb der Preise gebundener Ausgaben, aber man erhält de facto digitale Kopien, die nur auf einem anbieterspezifischen Gerät (oder einer App) zu lesen sind. Für den Kauf des Gerätes oder die Installation der App muss man sich obendrein mit Name und Bankkonto beim Buchanbieter registrieren.
Wie beschränkt die Rechte von Nutzer.innen bei E-Books sein können, zeigt sich ausgerechnet am Beispiel von George Orwells „1984“: Das Buch wurde 2009 als E-Book von einem Buchhändler über Amazon verkauft. Als dieser das Buch aus seinem Angebot entfernte, wurde das Buch automatisch und aus der Ferne von den Kindle-Lesegeräten tausender Kund.innen gelöscht!
Daten-Formate
Bei Filmen und E-Books ist die Einschränkung offensichtlich, das Gerät verweigert schlicht den Dienst. Bei Textdokumenten läuft die Abhängigkeit unauffälliger ab: über das Dateiformat. Wer zum Beispiel eine .docx-Datei verschickt, schreibt der empfangenden Person die zu verwendende Software quasi vor.
Zwar ist Microsofts Office-Format in der Spezifikation OOXML, ISO/IEC 29500 offengelegt, umfasst jedoch mehrere tausend Seiten und verweist stellenweise auf das Verhalten alter Programmversionen, ohne dieses zu beschreiben. Für die Entwicklung alternativer Software stellt dies keine brauchbare Grundlage dar: Die (bewusste?) Komplexität wirkt wie ein Kopierschutz: Niemand muss aktiv ausgesperrt werden – es genügt, den Aufwand und das Risiko hoch zu halten. Jede.r kennt das Ergebnis, wenn das Dokument mit einer anderen Software geöffnet wird: verschobene Absätze, zerlegte Tabellen, fehlende Schriften u.s.w.
Das konkurrierende OpenDocument-Format (ODF) kommt mit einem Bruchteil an Spezifikation aus!
Smartphones und Betriebssysteme
In diesem Bereich sind die Maßnahmen zur Sicherung der Rechte und vor allem der Erlöse der Anbieter noch rigider:
Bei Smartphones darf im Allgemeinen nur das vorinstallierte Betriebssystem verwendet werden. Manche Hersteller erlauben den Wechsel ausdrücklich, andere verhindern ihn aktiv. Die Software wird zudem oft unter Verschluss gehalten (Closed-Source): Wie Bauteile und Software zusammenwirken, ist nicht nachvollziehbar. Alternative Systeme lassen sich nur entwickeln, soweit die Hersteller es zulassen.
Programme gibt es meist nur über einen registrierungspflichtigen Shop. Auf Android ist das in der Regel der vorinstallierte Google Play Store, bei Apple der Apple App Store. Damit entscheiden letztendlich Google & Apple, welche Apps überhaupt für die Nutzer.innen verfügbar sind. Außerdem findet eine anbieterspezifische Auswahl statt, die den Nutzenden unter Umständen Wertvorstellungen des Anbieters aufdrängt und ihre Wahlfreiheit einschränkt.
Digitalcourage nennt das Verhinderungs-Design: eine theoretische Ausweichmöglichkeit als Feigenblatt, so kompliziert und unpraktikabel gestaltet, dass sie häufig spezielles Fachwissen erfordert und kaum genutzt wird.
Wohin das führen kann, zeigt eine geplante Umstellung bei Android: Google will künftig verlangen, dass Entwickler.innen sich verifizieren – auch für Apps, die gar nicht über den Play Store verteilt werden! F-Droid, das Software direkt und ohne Zwischenhändler auf das eigene Gerät bringt, sieht darin das Ende des Projekts. Wer anonym oder ehrenamtlich entwickelt, müsste Ausweisdaten bei Google hinterlegen.
Apple wurde zwar per Gesetz gezwungen, alternative App Stores zuzulassen, gestaltete die Rahmenbedingungen aber so, dass sich bis heute keine Alternative durchsetzte. Das liegt zum Teil an der Gebührenstruktur, aber auch am Freigabeprozess für Entwickler.innen und Apps: Apple schützt sein hochprofitables Ökosystem mit allen Mitteln!
Auch die Hardware ist oft verklebt oder verlötet und deswegen nur schwer (und teuer) zu reparieren. Immerhin bewegt sich hier etwas: Für Geräte, die seit dem 20. Juni 2025 neu auf den EU-Markt kommen, müssen Hersteller mindestens fünf Jahre lang kostenlos Updates liefern; Ersatzteile müssen sieben Jahre verfügbar und mit handelsüblichem Werkzeug austauschbar sein. Ein neues EU-Label weist Reparierbarkeit und Update-Zeitraum aus – beim Kauf lohnt der Blick darauf.
Weiterlesen:
Fazit
DRM-Techniken in Software sind eng verbunden mit anderen Maßnahmen, die auch „offline“ wirken. Schon der Zugang zum Gerät oder zu Medieninhalten wird beschränkt und erschwert. Eigentum, das ohne Einschränkungen genutzt werden kann, gibt es kaum noch. Es weicht zunehmend einem restriktiven Abo-Geschäftsmodell, das nur über Shops vom Hersteller funktioniert: Für einen regelmäßigen Betrag darf man Angebote nutzen – aber nur wenn man sich bei der Benutzung strikt an die Regeln der Hersteller hält. Die Einhaltung dieser Vorgaben überprüfen die Geräte und die Software selbst. Ist die Nutzung nicht vom Hersteller vorgesehen oder autorisiert, versagen sie den Dienst.
Wird Nutzer.innen vorgeschrieben, welche Software zu benutzen ist, welche Medieninhalte wie genutzt werden dürfen und welche eigenen personenbezogenen Daten vom Anbieter zur Authentifizierung gefordert und vom ihm nahezu beliebig weiterverarbeitet werden dürfen, steht das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung auf dem Spiel!
Hinzu kommt die ökologische Seite: Die Geräte werden oft unter prekären Arbeits- und fragwürdigen Umweltbedingungen hergestellt. Durch DRM-Techniken sind sie nur eingeschränkt und kürzere Zeit sinnvoll nutzbar, als es technisch möglich wäre. Verlieren Nutzer.innen erzwungenermaßen die Hoheit über ihr Gerät, entscheidet der Anbieter, wie schnell es zu Elektronikschrott wird.
Die Folge: wer heute ein Gerät kauft, muss sich für ein Gesamtsystem entscheiden, aus dem es kaum Auswege gibt. Vor dem Kauf lässt sich nur mit viel Mühe herausfinden, wie lange z. B. Software-Unterstützung, Updates und Zubehör verfügbar sein werden. Die Freiheitsgrade der Nutzer.innen werden weitgehend von der Interessenlage der Hersteller bestimmt.
Gerätehoheit bedeutet also, diese geschlossenen Ökosysteme aufzubrechen:
- mehr Selbstbestimmung der Nutzer.innen und weniger Kontrolle und Zwang
- Eigentum statt gemieteten Zugangs
- offene Standards statt untrennbarer Verquickungen von Hard- und Software
Kurz: Modularität und Wahlfreiheit statt Geräte und Programme „aus einem Guss“.
Jetzt handeln
Die gute Nachricht: Für fast jeden Bereich gibt es Alternativen, die ohne Kopierschutz auskommen! Sie als Anwender.in müssen nicht alles auf einmal ändern, sondern können mit einem Schritt beginnen und dann weitergehen.
Filme und Serien
- Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender sind überwiegend DRM-frei; mit Werkzeugen wie MediathekView lassen sich die Inhalte regulär herunterladen.
Vorsicht bei „Kaufen“-Buttons in Streaming-Portalen: Erlischt die Lizenz des Anbieters, verschwindet der Titel auch aus Ihrer Bibliothek.
Musik
- Bandcamp und ähnliche Plattformen liefern echte Downloads ohne Kopierschutz-Mechanismen (FLAC & MP3).
- Netlabels und Creative-Commons-Archive bieten Musik, die ausdrücklich weitergegeben werden darf.
Wer seine Musik streamt, sollte wissen: die Bibliothek gehört dem Anbieter. Eine lokale Sammlung überlebt jede Preiserhöhung und jede Vertragsänderung, eine Streaming-Bibliothek nicht.
Computerspiele
- GOG.com und itch.io verkaufen Spiele ohne Kopierschutz; bei Humble Bundle ist der DRM-Status je Titel angegeben.
Vor dem Kauf prüfen, ob ein Titel Denuvo oder eine dauerhafte Online-Verbindung voraussetzt.
E-Books
- EPUB ohne DRM kaufen. Project Gutenberg und Standard Ebooks bieten gemeinfreie Titel in offenen Formaten.
- Lesegeräte wählen, die EPUB direkt lesen und Dateien per USB annehmen.
Office-Dokumente
- ODF (.odt, .ods, .odp) als gewünschtes Dateiformat in Office einstellen, oder besser eine freie Alternative wie LibreOffice verwenden (dort ist der offene Standard voreingestellt).
- Bei Behörden, Vereinen und Arbeitgebern um offene Formate bitten, um ein Umdenken anzustoßen.
Smartphone
- Vor dem Kauf klären: Wie lange gibt es Updates und Ersatzteile? Lässt sich auf das System zugreifen (ist der sog. Bootloader entsperrbar)?
- Hersteller wie Fairphone setzen auf Reparierbarkeit und lange Update-Zeiträume.
- Alternative Systeme wie LineageOS, /e/OS, CalyxOS oder GrapheneOS lösen das Gerät vom Hersteller-Ökosystem.
- Apps über F-Droid beziehen. Dessen Zukunft ist derzeit von Googles Verifizierungspflicht bedroht.
- Falls F-Droid nicht möglich ist (zum Beispiel wenn Sie ein iPhone nutzen), ziehen Sie quelloffene Apps aus den regulären App Stores vor. Es gibt sowohl bei Google als auch bei Apple einige gute und freie Alternativen.
Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt …
Dass die vorstehend beschriebenen Wege manchmal unbequemer sind als der voreingestellte Standard, ist kein Zufall, sondern Geschäftsmodell der Anbieter. Umso mehr zählt jeder eigenverantwortliche Schritt, den Sie gehen!
Was können Sie also noch für mehr Gerätehoheit tun? Sich informieren und entsprechend handeln! Wir haben dazu einige Links und Tipps zusammengestellt:
- Das Konzept digitaler Mündigkeit
- Tipps, um das eigene Smartphone zu befreien
- Digitale Selbstverteidigung
Weiterlesen
- Free Software Foundation Europe: Was Sie über Digitales Restriktionsmanagement wissen sollten
- Wikipedia-Artikel zu „Digitale Rechteverwaltung“
- Netzpolitik.org: Internationaler Aktionstag gegen DRM (9.7.17)
- (engl.) Free Software Foundation (FSF) zum Aktionstag gegen DRM (9.7.17)
- (engl.) Website der Free Software Foundation (FSF) zur Anti-DRM-Kampagne "Defective by Design"
- (engl.) Repair.org: Warum DRM auch beim Reparieren hindert
- Heise Online: Internetkonsortium W3C gibt grünes Licht für mehr DRM im Web
Hinweis:
Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch nicht durch unsere Empfehlungen. Programme können unentdeckte Fehler haben, Datenschnüffeltechniken entwickeln sich weiter. Bleiben Sie aufmerksam!
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