Was tun Terroristen und was nicht? Wieso tun sie es? Und was war vor dem Terrorismus, über den heute debattiert wird? Eine Definition von Terrorismus zu geben, ist eine ausgesprochen schwierige Aufgabe. In Wissenschaft und Politik werden die unterschiedlichsten Definitionen zugrunde gelegt. Es gibt jedoch einige Merkmale, die sich in den meisten dieser Definitionen finden.

Zuerst einmal ist unumstritten, dass Terrorismus mit der Anwendung von physischer Gewalt einhergeht. Terroristen verletzen und töten Menschen und beschädigen Dinge. Außerdem ist ein Merkmal, dass sie sich ihre Ziele aus einer politischen Motivation heraus suchen. Die Planung eines terroristischen Aktes läuft immer im Geheimen ab, wie bei fast jeder anderen geplanten kriminellen Handlung. Die Opfer von Terrorismus werden stellvertretend für eine Gruppe oder das System gewählt, gegen das sich der Terrorist oder die Organisation wendet. Opfer von Terrorismus sind persönlich fast immer unschuldig. So soll in der Zielgruppe Angst und Unsicherheit verbreitet werden. Die Menschen sollen denken, dass es jeden Tag auch sie treffen könnte. Langfristig weicht diese Taktik, wenn sie nicht von klugen Politikern durchschaut und gekontert wird, das Vertrauen in das betroffene politische System und dessen Vertreter auf und führt zu Chaos. Tritt dies ein, haben die Terroristen ihr Ziel erreicht. Im Prozess, nach dem Chaos eine neue Ordnung zu etablieren, versuchen die Terroristen nun, direkten politischen Einfluss zu nehmen – oder, wie im Fall des Islamischen Staats, einfach direkt das Zepter in die Hand nehmen.

Die vier Wellen des Terrorismus

Wenn heute über Terrorismus gesprochen wird, denkt man fast immer zuerst an islamistischen Terorismus. Das „Konzept“, Anschläge auf repräsentative Ziele zu verüben, um ein System aus der Bahn zu bringen, gibt es aber schon viel länger als den Terrorismus von heute. In der Terrorismusforschung spricht man nach dem Forscher David Rapoport von vier Wellen: Die ersten Fälle von Terrorismus nach unserer Definition gab es in den Jahren um 1900 in Russland, wo Anarchisten den Zaren stürzen wollten. Sie griffen vor allem Transport- und Telekommunikationsinfrastruktur an und wollten einen Volksaufstand provozieren. Später, in der sogenannten Antikolonialen Welle Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts wandten sich Terroristen mit Anschlägen auf Polizei und Militär gegen die Macht ausländischer Kräfte über indigene Bevölkerungen – zum Beispiel in Südafrika, Vietnam oder Algerien. Die dritte Welle ist den meisten besser bekannt: zu ihren Vertretern zählen die RAF in Deutschland, die Roten Brigaden in Italien, die PLO im Mittleren Osten, der Leuchtende Pfad in Peru und weitere mehr. Sie alle kämpften (angeheizt durch den Erfolg antikolonialer Kräfte wie des Vietkong) für den Marxismus und wandten erstmals sogenannte Guerilla-Taktiken an, die besonders auf den Einsatz in Städten abgestimmt sind. Eine Besonderheit dieser Welle ist, dass sich hier die Gewalt viel direkter gegen von den Terroristen als „schuldig“ befundene Personen richtete. So wurden vor allem Vertreter der Politik und freien Wirtschaft attackiert. Die vierte und aktuelle Welle des Terrorismus ist nun die religiös motivierte Welle. Zu ihr gehört zwar auch christlicher Terrorismus wie beispielsweise der des Ku-Klux-Klan in den USA, aber am prominentesten sind zweifelsohne die sogenannten Dschihadisten, die sich als Gotteskrieger des Islam verstehen. Die Welle unterscheidet sich durch neue Taktiken wie Selbstmordanschläge und leider auch eine besonders große Reichweite aufgrund neuster technische Entwicklungen.

Rechtsextremismus fällt oft durch das Schema

Ein großer Kritikpunkt an der Klassifizierung von Terrorismus in vier Wellen ist, dass Rechtsextremismus nirgends auftaucht. Gerade in Deutschland ist der aber ein nicht zu vernachlässigendes Phänomen. Allerdings muss man unterscheiden, dass die meisten rechtsextremistischen Strömungen in Deutschland nicht unter die Definition von Terrorismus fallen. Denn auch wenn rechtsextrem motivierte Morde oder Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte unzweifelhaft die Opfergruppen terrorisieren, handelt es sich hier oft doch eher um organisierte Kriminalität als um Terrorismus. Zudem müssen Rechte oft nicht geheim operieren, sondern sie organisieren sich ganz offiziell – zum Beispiel in Form von Parteien.

Rechtsextremismus ist ein Phänomen, dem man vorbeugen und das man bekämpfen muss – und auch hier hilft Überwachung nicht weiter! Bevor wir aber über Alternativen der Extremismusbekämpfung reden, erst einmal zurück zum Islamismus: Der islamistische Terrorismus ist in sich sehr heterogen. Die Attentäter von Europa in den letzten Jahren haben mit ihren Vorgängern zum Beispiel von 9/11 wenig zu tun. Mujaheddin, Al-Qaeda und der IS sind nicht alle gleich!

Hier geht es zu den weiteren Artikeln der Serie „Demokratie gegen Terror“:
1. Demokratie gegen Terror – Einleitung

Autorin: Sophie Hölscher

Bild: Paul Walsh via flickr, CC-BY-SA 2.0