Palantir Technologies ist ein US-amerikanisches Software-Unternehmen das Überwachungs- und Finanzsoftware entwickelt und verkauft. Das Unternehmen strebt einen Wert von 20 Milliarden US-Dollar an – in dieser Liga der kommerziell-staatlichen Überwachung teilt sich Palantir die Aufträge mit Konkurrenten wie HBGary Federal und Berico Technologies.

Palantir entwickelt unter anderem Software, mit denen Geheimdienste soziale Netzwerke überwachen. Gleichzeitig beteiligte sich der Palantir-Gründer Peter Thiel an der Startfinanzierung von Facebook.

CIA-Startup

Palantir startete 2004 mit einer Finanzierung der CIA. Das Geld kam von der CIA-Investment-Gesellschaft In-Q-Tel. Aufträge von CIA, FBI und NSA, aber auch von Banken wie J.P. Morgan füllen seitdem die Kassen der Spionage-Firma. Weitere Palantir-Kunden sind durch ein geleaktes Dokument auf techcrunch.com bekannt geworden.

Weltbild: Gut gegen Böse

Das Startkapital bekam Palantir von der CIA, das Weltbild des Software-Rüstungs-Unternehmen orientiert sich an: „Palantir“, was in der Fantasy-Welt von Herr der Ringe „die weithin Sehenden“ bedeutet , schreibt Mascha Schnellbacher. Sam Biddle argumentiert, dass sich Palantir als eine Art Krieger im Kampf zwischen Gut und Böse sieht und sich so unter anderem am „war on terror“ beteiligt.
Eines der Hauptprodukte des Unternehmen ist Palantir Gotham, eine Anti-Terror-Software, die in den USA von Geheimdiensten und dem Verteidigungsministerium eingesetzt wird.
Scheinbar ist die Vision von Palantir, mit Menschen so umzugehen, als wären sie alle Kriminelle in der imaginären Weltmetropole des Verbrechens: Gotham City. Dieses Weltbild vertreten die Palantir-Gründer Peter Thiel und Alex Karp nicht nur unternehmerisch, sondern vermutlich auch in ihrer Funktion als Mitglieder des Lenkungsausschusses der Bilderberg-Konferenz, einem informellen Treffen von „einflussreichen Personen aus Wirtschaft, Militär, Politik, Medien, Hochschulen und Adel“. (siehe Wikipedia und LobbyControl)

Die PayPal-Verbindung

Palantir-Gründer Peter Thiel investierte 1998 in den Aufbau des Zahl-Dienstes PayPal und wurde später dessen CEO. PayPal hatte Probleme mit Betrug und suchte nach Analyse- und Erkennungs-Software. Aus den Reihen der sogenannten „PayPal Mafia“ gründeten einige Unternehmer, Entwickler und Investoren Palantir und weitere IT-Unternehmen. Anti-Betrugs-Softare gehört bis heute zur Produktpalette von Palantir.

Palantir gegen WikiLeaks

Palantir vermietet und verkauft Spionage-Technologien an alle, die genügend Geld haben. Zumindest, wenn es keinen Widerstand gibt: 2010 wurde Palantir beauftragt, Pläne zu erarbeiten, um systematisch WikiLeaks anzugreifen, wie The Tech Herald berichtet hat: „The plan included pressing a journalist in order to disrupt his support of the organization, cyber attacks, disinformation, and other potential proactive tactics.“ (Das geleakte Dokument wurde von WikiLeaks veröffentlicht und von The Tech Herald zusammengefasst.) Nachdem die Pläne durch die Hackergruppe Anonymous veröffentlicht wurden, beendete Palantir die Mitarbeit an der Vorbereitung einer Attacke gegen WikiLeaks.

Die PRISM-Frage

Dass Palantir auch das NSA-Überwachungs-Werkzeug PRISM entwickelt hat, lässt sich nicht ausschließen. Die Vermutung liegt aber nahe, da die Firma ein Programm mit eben diesem Namen entwickelt hat. Auf der Palantir-Website ist die Software zu finden, allerdings können nur Kunden.innen von Palantir die Suchergebnisse genauer anschauen. Die Firma verneint, dass ihr Prism das PRISM ist, welches von der NSA genutzt wird. Auf Anfragen von Journalist.innen hierzu reagiert das Unternehmen nicht, wie Nicholas Carlson berichtet.

Palantir und der Bundesnachrichtendienst

Doro Schreier hat für netzfrauen.org die Verstrickungen von Palantir mit Unternehmen, Regierungen und Geheimdiensten recherchiert. Die Frage, ob der BND mit Palantir kooperiert ist seit Juni 2015 beantwortet: Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND vergab Aufträge an Palantir. Damit finanziert die Bundesregierung mit Steuergeldern ein Unternehmen, dass im Verbund mit der NSA die deutsche Regierung, die EU und die Bundeskanzlerin überwacht.

Tödliche Kooperation auch mit SAP

Christian Bergmann und Christian Fuchs haben recherchiert, dass SAP Verträge mit Palantir abgeschlossen hat, laut denen Palantir-Software exklusiv auf SAP-Systemen installiert werden. Die Software von Palantir wird eingesetzt, um Menschen zu suchen und zu töten, schreibt Andrea Rungg in ihrem Artikel „Palantir und die dunkle Seite der Macht“: Bei den von Palantir unterstützten Militär- und Geheimdienst-Angriffen werden Menschen ohne Gerichtsverfahren getötet.

Palantir ist ein System der Herrschaft

Was bedeutet das Geschäft von Palantir? Heutige Spionage, Überwachung und der Traum von der weltweiten Kontrolle aller Menschen mit Hilfe von Informationstechnologie bedeutet drei Dinge: Erstens ein Weltbild, dass jeden Menschen klar als Freund oder Feind unterscheidet. Zweitens private Unternehmer, Entwickler und Investoren, die gemeinsam mit Staaten Überwachung zum Geschäftsmodell machen. Und drittens arbeiten Unternehmen, Regierungen und Geheimdienste mit Unternehmen wie Palantir zusammen, weil sie die Überzeugung teilen, dass die universellen Menschenrechte keine Gültigkeit haben. Durch Unternehmen wie Palantir und ihren privaten und staatlichen Partnern wird anlasslose Massenüberwachung bis hin zu Tötungen ohne Gerichtsverhandlung als System der Herrschaft etabliert, ohne dass die Beherrschten etwas davon mitbekommen.

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Titelbild: Benjy Feen CC BY 2.0
Text: Friedemann Ebelt
Aktualisierung: 04.07.2015 Absatz zu PRISM geändert

Veröffentlicht am 01.07.2015

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