Bargeldloses Bezahlen: Bequem aber gefährlich!

Plastikgeld statt Bargeld? Der Wandel ist bereits in vollem Gange – Doch eine bargeldlose Zukunft wäre gefährlich.

Bargeldloses Bezahlen: Bequem aber gefährlich!

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Autorin: Hannah Bothe
Datum: 17.01.2020

Gefahren einer bargeldlosen Zukunft

Eine Bargeldobergrenze, die Abschaffung des 500-Euro-Scheins, immer bequemeres Zahlen mit Karten oder Smartphones. Durch viele Entwicklungen wird dem Bargeld Konkurrenz gemacht.

Immer mehr Menschen sind im Besitz einer Kredit- oder EC-Karte und für den Großteil der deutschen Bevölkerung scheint sich das Plastikgeld zur bevorzugten Zahlungsmethode zu entwickeln. Bereits mehr als die Hälfte der Bezahlvorgänge über 25-Euro werden, nach Stand 2019, mit Karte getätigt und auch bei niedrigeren Summen greift nahezu jeder fünfte Deutsche zum Plastikgeld.
Auf den ersten Blick scheint dieser Wandel durchaus Vorteile zu bringen, immerhin kein schweres Portemonnaie, keine abgegriffenen Scheine und kein Kramen in der Brieftasche nach dem passenden Kleingeld.
Doch eine bargeldlose Zukunft bringt auch Gefahren mit sich!

Kriminalitätseindämmung oder Sicherheitsrisiko?

Die meisten Beführworter.innen des bargeldlosen Zahlens argumentieren, dass durch die Abschaffung des Bargelds Kriminalität eingedämmt wird. Man könne damit beispielsweise Steuerhinterziehung in den Griff bekommen. Ebenfalls wird vorgeschoben, dass ohne Bargeld in den Taschen Raubüberfälle unattraktiv seien.

Doch die Annahme, dass sich die Technologie des Zahlungsverkehrs weiterentwickelt, ohne, dass auch Kriminelle auf neue Ideen kommen, ist Sicherheitstheater, das von Politiker.innen veranstaltet wird. Wer das wirklich will, wird weiterhin stehlen oder Steuern hinterziehen können. Gleichzeitig wären die Menschen, durch eine Einschränkung oder gar Abschaffung des Bargelds, kontrollierbarer.

Kontaktloses Bezahlen mit NFC

NFC steht für „Near Field Communication“ (dt. Nahfeldkommunikation) und bezeichnet die Datenübertragung über kurze Distanzen. Diese Technologie beruht auf RFID und ist mittlerweile weit verbreitet (RFID steht für „Radio Frequency IDentification“ und ermöglicht, Daten kontaktlos zu lesen und zu speichern). Fast jedes Smartphone ist mit einem NFC-Chip ausgestattet und auch in den Kredit- und Debitkarten, die das kontaktlose Zahlen ermöglichen, ist ein solcher Chip integriert. Der Vorgang ist relativ simpel: Das mobile Endgerät oder die Karte wird mit einer Entfernung von bis zu 4cm vor das Kassenterminal gehalten. So kann, bis zu einer bestimmten Summe, innerhalb von wenigen Sekunden ohne PIN oder Unterschrift gezahlt werden. 

Dieser Vorgang scheint zunächst praktisch – schließlich kann bei einer größeren Entfernung ja nichts weiter passieren. Doch das ist so nicht richtig: Die Lesegeräte sind mit einer Antenne ausgestattet, die das Auslesen der persönlichen Daten ermöglicht. Wird demnach eine größere Antenne genutzt, vergrößert sich ebenfalls die Entfernung, in der der Chip ausgelesen werden kann.
Um sich vor Betrüger.innen zu schützen, die mithilfe eines manipulierten Lesegerätes  versuchen, unbefugt NFC-Zahlungen mit Ihrer Karte durchführen, nutzen Sie mehr als nur eine NFC-Karte. Denn die Schutzfunktion von NFC blockiert jeglichen Zahlungsvorgang, der getätigt wird, sobald mehr als nur ein Funksignal zur selben Zeit festgestellt wird.

Wer sich vor dem unbefugten Auslesen seiner persönlichen Daten und  Kreditkarteninformationen schützen möchte, kann dies mithilfe einer RFID-Schutzhülle ganz einfach tun.
RFID-Schutzprodukte bei uns im Unterstützungs-Shop: https://shop.digitalcourage.de/thema/stoprfid/

Die NFC-Technologie im Smartphone

Neben Bezahlfunktionen, wird die NFC-Technologie im Smartphone ebenfalls als Schlüsselersatz für bestimmte Automarken genutzt. Dabei ist die Entriegelungsfunktion zwar an das Smartphone des Besitzers und an dessen SIM-PIN-Funktion gebunden, kann aber bis zum Ausschalten des Geräts ungehindert von Unbefugten missbraucht werden.
Ist also das Mobiltelefon verschwunden, sind sowohl die Kontodaten als auch der Schlüssel in Gefahr!

Dazu kommt, dass beim Bezahlen mit Smartphone, neben den selben Daten, die auch beim Bezahlen mit Karte gespeichert werden, „aus Sicherheitsgründen“ die Ortsdaten des Einkaufes von den Banken-Apps erhoben werden. Diese Art von Informationen ist besonders interessant für Datenkraken wie beispielsweise Google.

„In den USA hat Google bereits Zugriff auf viele Kreditkartendaten und kann damit auch Werbung für stationäre Händler gezielter steuern, auswerten und teurer verkaufen. Schließlich ist genau dies immer noch das Kerngeschäft von Google“.
– Oliver Hommel, Bezahlexperte von der Beratung Accenture.

Somit liegen die Nachteile des bargeldlosen Zahlens auf der Hand: Die Protokollier- und Nachverfolgbarkeit des Geldverkehrs, auch zum Zweck der Überwachung!

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Online shoppen und bezahlen – was kann schief gehen?

Ganz einfach können Sie mit ein paar Klicks Kleidungsstücke, Möbel und sogar Nahrungsmittel kaufen, ohne in den nächsten Supermarkt gehen zu müssen. Einfach schnell die Kontodaten in den Computer oder das Smartphone eingeben, bezahlen und schon wird Ihnen der Einkauf nach Hause geliefert.
Doch so bequem und einfach dieser Vorgang sein mag, so schnell können Sie sich, mithilfe einer manipulierten App, einen Trojaner auf das eigene Gerät einfangen. Dieser leitet Ihre persönlichen Kontodaten unbemerkt über das Internet an die Betrüger.innen weiter, ohne dass diese in der Nähe sein müssen.
Selbst wenn das nicht passiert: Wer sich nicht mit digitaler Selbstverteidigung schützt, wird garantiert von der Online-Werbeindustrie beim Onlineshopping ausgespäht.
Aus diesem Grund ist es wichtig, mithilfe von sicheren Passwörtern, die Kreditkarte auch online optimal zu schützen.

Schützen Sie sich vor missbräuchlichen Abbuchungen, indem Sie sich über die Transaktionen auf Ihrem Konto benachrichtigen lassen. So sind Sie über jede Ein- und Auszahlung informiert und können bei unerlaubten Zahlvorgängen schnellstmöglich handeln.

Für wen ist eine bargeldlose Zukunft von Vorteil – und für wen nicht?

Es stellt sich somit die Frage, für wen eine bargeldlose Zukunft wirklich von Vorteil sein wird.

„[…] Bargeld […] ist einfach schrecklich ineffizient.“, meint der Chef der Deutschen Bank, John Cryan. Kein Wunder, schließlich fallen für die Banken hohe Kosten für das Bereitstellen von Scheinen und Münzen an.
Auch Geschäfte und Großkonzerne wie Google, Facebook & Co zählen zu den Beführwortern einer bargeldlosen Zukunft, denn wo wir als Kontoinhaber.innen die Bequemlichkeit und Schnelligkeit des Zahlens mit Plastikkarte sehen, nimmt auch unsere Kaufbereitschaft zu. Dazu führten die USA und Deutschland jeweils ein psychologisches Experiment durch, welches zeigt, dass beim Bezahlen mit Bargeld, der Teil des Gehirns aktiviert wird, der auch Schmerzen verarbeitet. Das virtuelle Guthaben wird demnach leichter ausgegeben als Scheine oder Münzen. Außerdem können Banken zusätzlichen Gewinn machen: Immer wenn wir mit EC- oder Kreditkarte bezahlen, hinterlassen wir Datenspuren.
Darüber hinaus bieten die Banken ihren Kunden die Möglichkeit, ihr Konto zu überziehen, wodurch das Risiko der hohen Verschuldung zunimmt. Auch hier besteht ein deutlicher Vorteil für die Banken, da diese bei der Überziehung des Kontos hohe Zinsen verlangen.

Sicherheit oder Bequemlichkeit? – es liegt an uns!

Doch wie weit diese Veränderung geht und ob sich eine bargeldlose Zukunft in Deutschland durchsetzen wird, können immer noch wir entscheiden.
Bargeld trägt zur besseren Kontrolle über die Ausgaben bei und garantiert uns Privatsphäre. Denn wie bereits oben genannt, hinterlässt das Zahlen mit Karte oder Smartphone digitale Spuren. Alle unsere Ein- und Ausgaben werden dokumentiert und wir werden der Möglichkeit, anonym zu zahlen, beraubt. Wir verzichten auf unsere Sicherheit zugunsten von Bequemlichkeit.
Das Portemonnaie wäre demnach zwar nicht mehr mit schwerem Kleingeld, dafür jedoch mit persönlichen Daten gefüllt.

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Veröffentlicht am 16.01.2020

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