Personalausweis ohne Fingerabdrücke beantragen! #PersoOhneFinger

Keine Fingerabdrücke im Personalausweis! #PersoOhneFinger

Datum: 02.02.2021
Aktualisierung am 04.02.2021 (ergänzt: Drei Schritte zum #PersoOhneFinger + Link auf personalausweisportal.de)
Aktualisierung: Konkretisierung: bis 30. Juil 2021 ist Fingerabdruckspeicherung freiwillig, ab Montag, 2. August beginnt die Pflicht!

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Ab 2. August 2021 gilt der Zwang zur Speicherung von Fingerabdrücken auf Personalausweisen. Es ist Zeit, #PersoOhneFinger zu beantragen. Weitersagen!

Aufruf: Personalausweise ohne Fingerabdruck beantragen!

Unter dem Schlagwort #PersoOhneFinger ruft Digitalcourage dazu auf, Personalausweise ohne Fingerabdrücke zu beantragen. Bis 30. Juli 2021 ist die Abgabe von Fingerabdrücken freiwillig. Bürgerinnen und Bürger können bis dahin die Abgabe von Fingerabdrücken verweigern.

Mehr dazu auf media.ccc.de im Vortrag „Holt euch Personalausweise ohne Fingerabdrücke solange es geht!“. (Speziell zur Antragstellung ca. ab Minute 27).

Drei Schritte zum #PersoOhneFinger

  1. Vor dem 2. August 2021 zum Bürgeramt gehen. (Wichtig: rechtzeitig einen Termin holen!)
  2. Ein biometrisches Passfoto mitnehmen (und ggf. auch den alten Personalausweis / Reisepass / Kinderausweis / Kinderreisepass / Geburtsurkunde.)
  3. Im Bürgeramt deutlich äußern: „Ich hätte gern einen neuen Ausweis ohne Fingerabdrücke.“

Die Ausstellung eines neuen Personalausweises ist möglich, wenn:

  • Bürgerinnen und Bürger auf die Ausstellung eines Personalausweises ohne Fingerabdrücke bestehen. (mehr dazu siehe unten) oder
  • das Bild auf dem alten Personalausweis nicht mehr aktuell ist oder
  • der alte Personalausweis abgelaufen ist oder bald abläuft oder
  • der alte Personalausweis beschädigt oder zerstört ist oder
  • der alte Personalausweis gegangen ist (Verlustmeldung nötig).

Diese Mini-Anleitung Im Fediverse/ auf Mastodon oder auf Twitter teilen. Mehr Infos auf personalausweisportal.de.

Warum ist es sinnvoll, einen #PersoOhneFinger zu beantragen?

Unsere Kritik am generellen und anlasslosen Zwang zur Speicherung von Fingerabdrücken auf Personalausweisen haben wir in einem längeren Blogartikel aus Juli 2020 aufgeschrieben, weitere aktuellere Artikel gibt es in unserem Blog mit dem Schlagwort #PersoOhneFinger. Wer tief einsteigen möchte, kann auch unsere ausführliche Stellungnahme als PDF lesen, mit der wir im Innenausschuss des Bundestages gegen die Fingerabdruckpflicht argumentiert hatten.

Aktuell werden wir häufig gefragt, welchen Sinn die Beantragung eines Personalausweises ohne Fingerabdrücke hat, wenn die Fingerabdrücke sowieso schon auf dem Smartphone und im Reisepass gespeichert sind. Hier sind drei Antworten dazu:

  1. Auf Telefonen sind, anders als auf Personalausweisen geplant, nicht komplette Bilddateien der Finger gespeichert, sondern „nur“ Muster. Im Normalfall haben Firmen und Behörden auf diese Daten keinen Zugriff. Dennoch sind biometrische Passwörter keine gute Idee, weil Fingerabdrücke von Dritten leicht reproduziert werden können, wie der Chaos Computer Club bereits vor Jahren demonstrierte.
  2. Fingerabdrücke sind auf Reisepässen seit 2007 Pflicht – aber nicht auf vorläufigen Reisepässen (mehr auf der Seite des Bundesinnenministeriums). Es ist aufwendig und kostet Geld, aber #fingerabdruckfrei ist möglich mit der Kombination aus: vorläufiger Reisepass + #PersoOhneFinger. Vorläufige Reisepässe ohne Fingerabdrücke sind teuer und nicht unsere Wunschlösung, aber wir informieren über diese Möglichkeit. Generell ist es ein Problem, wenn Grundrechte und Datenschutz erkauft werden müssen.
  3. Wer bis 2. August 2021 einen #PersoOhneFinger beantragt, äußert behördlich erfassten Widerspruch zum nutzlosen, anlasslosen und generellen Fingerabdruckzwang. Generalverdacht gegen die Bevölkerung nicht akzeptieren!

(Diese Punkte auf Mastodon oder auf Twitter teilen)

Digitalcourage hatte die anlasslose und generelle Fingerabdruck-Pflicht unter anderem mit einer ausführlichen Stellungnahme im Innenausschuss des Bundestags kritisiert. Abgelehnt hatten die Pflicht ebenfalls die EU-Grundrechteagentur und der EU-Datenschutzbeauftragte.

„Fingerabdrücke werden bereits heute als Schlüssel für Smartphones, Büros und Fahrzeuge genutzt. Aber anders als Passwörter können wir sie nicht ändern, wenn sie gehackt und gestohlen werden“, sagt Friedemann Ebelt von Digitalcourage. „Langfristig gesehen werden die Fingerabdrücke in Datenbanken von nicht vertrauenswürdigen Behörden, Geheimdiensten oder Kriminellen gelangen. Das ist ein Sicherheitsproblem für Smartphones, Büros und Fahrzeuge. Was heute sicher ist, kann in fünf oder zehn Jahren unsicher sein.“

Juristische Arbeit unterstützen

Digitalcourage prüft derzeit juristische Optionen gegen die Rechtsgrundlagen der Fingerabdruck-Speicherpflicht in Personalausweisen. Die Grundrechte- und Datenschutzorganisation bittet um Spenden und Unterstützung:
https://aktion.digitalcourage.de/perso-ohne-finger

„Mit dem Zwang zur Speicherung von Fingerabdrücken werden rechtstreue Bürgerinnen und Bürger beinahe so behandelt wie Verdächtige“, erklärt Friedemann Ebelt von Digitalcourage. „Es gibt keinen legitimen und zwingenden Grund, pauschal die ganze Bevölkerung zur Abgabe von zwei Fingerabdrücken zu zwingen. Das sollten sich Bürgerinnen und Bürger nicht gefallen lassen.“

Berichte zur Antragstellung auf Bürgerämtern

Als Reaktion auf #PersoOhneFinger schreiben uns Menschen, dass Bürgerämter seit Jahren auf die Abgabe von Fingerabdrücken bestehen, obwohl das noch bis 30. Juli 2021 freiwillig ist! Wir raten:

  1. schriftlich beim Bürgeramt beschweren
  2. schriftlich beim Bürgerservice des Bundesinnenministeriums beschweren: eID_buergerservice@bmi.bund.de
  3. einen Personalausweis ohne Fingerabdrücke (kurz: #PersoOhneFinger) beantragen. (Für mehr Informationen dazu, einfach diesen Artikel lesen.)
  4. diesen Artikel via E-Mail, E-Mailinglisten oder in sozialen Medien verbreiten, Tweet / Tröt teilen → Uns interessieren die Reaktionen und Antworten von Behörden. Gern E-Mail an: mail+persoohnefinger@digitalcourage.de oder #PersoOhneFinger im Fediverse oder auf Twitter.

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Veröffentlicht am 01.02.2021

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