Das Linux-Maskottchen Tux und das digitalcourage-Dreieck Das Linux-Maskottchen Tux und das digitalcourage-Dreieck

Es scheint so ungemein praktisch, dass auf jedem erworbenen Computer bereits ein Betriebssystem vorinstalliert ist. Als Anwenderin oder Anwender muss ich nur einschalten, die Installation vervollständigen und los geht's … Leider werden die meisten Computer (noch) immer ausschließlich mit Windows oder macOS ausgeliefert. Dass es auch noch andere benutzerfreundliche Alternativen gibt, ist vielen Nutzer.innen nicht bekannt. Insbesondere GNU/Linux – manche sprechen der Kürze halber auch nur von Linux – ist in einer großen Vielfalt verfügbar, deckt viele unterschiedliche Anwendungszwecke ab und bietet entscheidende Vorteile. Damit ist es gerade auch für Menschen interessant, die hauptsächlich E-Mails schreiben, im Web surfen und vielleicht noch Textdokumente bearbeiten wollen. Wer dabei nicht permanent ausspioniert werden will, wie es bei Windows 10 gängige Praxis ist, der benutzt lieber GNU/Linux.

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Längst muss man kein Nerd mehr sein oder Informatik studiert haben, um Linux zu benutzen – über die letzten Jahre ist GNU/Linux auf Augenhöhe mit Windows angekommen oder übertrifft dieses sogar. Es gibt mehrere GNU/Linux-Versionen, die sich einfach installieren lassen und in der Bedienung den bekannteren Betriebssystemen ähneln.

Vorteile

Sicherlich existieren mehr als tausend gute Gründe, um von Windows (oder macOS) zu GNU/Linux zu wechseln. Bei Digitalcourage schätzen wir insbesondere folgende Eigenschaften (Liste nicht vollständig):

  • Es handelt sich um Freie Software. Deshalb können Expert.innen sehen, wie Linux programmiert ist; Fehler können behoben werden und verbesserte Kopien dürfen weitergegeben werden. Es handelt sich also um ein offenes System, welches auf Hintertüren kontrolliert werden kann und Abhängigkeiten von einem bestimmten Hersteller (wie Microsoft, Apple und Google) vermeidet.

  • GNU/Linux ist hochoptimiert und zugleich sehr zuverlässig im Betrieb. Deshalb werden viele kritische Systeme im Internet und auch Supercomputer damit betrieben.

  • Es benötigt wenig Festplattenplatz und läuft auch auf alten Computern zügig (z.B. Lubuntu)

  • Durch verschiedene Zusammenstellungen von freier Software ergibt sich eine große Vielfalt: GNU/Linux kann sowohl auf dem WLAN-Router als auch auf dem Schul-Server laufen. Ebenso lässt sich GNU/Linux am normalen Arbeitsplatzrechner für fast jeden Anwendungszweck einrichten.

  • Es ist meist erheblich datenschutzfreundlicher als proprietäre (sprich: unfreie) Betriebssysteme wie Windows oder Apple macOS

  • Bei der Weiterentwicklung von GNU/Linux werden offene Standards geschaffen und verbessert. Dies kommt allen Nutzern zugute, da sich üblicherweise alternative Programme etablieren und es so mehr Auswahl gibt.

Der möglicherweise größte Vorteil von Linux gegenüber Windows wurde aber bisher noch gar nicht genannt: die Paketverwaltung. Es handelt sich dabei um ein Programm zur Softwareverwaltung, mit dem jegliche für diese GNU/Linux-Version verfügbare Software installiert werden kann (bei Debian sind dies ca. 50.000 Programme). Dadurch ist es nicht mehr notwendig, im Internet nach Programmen zu suchen mit dem Risiko, eventuell Schadsoftware zu installieren. Systemweite Updates aller installierten Programme können durch diese zentrale Verwaltung vollautomatisch durchgeführt werden.

Politisch geht es den Verfechtern von Freier Software nicht unbedingt darum, dass Software kostenlos ist („Frei wie Freibier“), sondern das Ziel ist, dass Software nicht die Anwender.innen ihrer Freiheiten und Rechte beraubt („Frei wie Freiheit“). Deshalb sind viele GNU/Linux-Versionen zwar kostenlos, dies ist aber für Freie Software nicht notwendig (siehe Wikipedia: Freie Software).

Wichtige Begriffe

Um den Einstig in GNU/Linux zu erleichtern, möchten wir fünf wichtige Begriffe erklären:

  • Eine GNU/Linux-Distribution (kurz: Distro) ist eine Zusammenstellung von Programmen, Installationsmedien, Aktualisierungsdiensten und Dokumentation, die unter einem einschlägigen Namen angeboten wird. Zu den bekanntesten zählen: Linux Mint, Ubuntu, Debian, OpenSuse, ... Distrowatch.com (engl.) listet mehrere hundert übliche Linux-Distributionen

  • Häufig gibt es 64- und 32-Bit-Versionen von GNU/Linux. Es empfiehlt sich, immer die standardmäßig angebotene 64-Bit-Version zu nehmen. Lediglich bei manchen alten Computern (Baujahr vor 2009) ist nur eine 32-Bit-Installation möglich. (Dies wird jedoch noch vor der eigentlichen Installation mit einem entsprechenden Fehler angezeigt.)

  • Mittels einer Live-CD/DVD (oder USB-Stick) können die meisten Linux-Distributionen ohne Installation ausprobiert werden. Das bestehende System wird nicht angefasst. In den meisten Fällen kann direkt aus dem Live-Linux die Installation gestartet werden, nachdem man sich vergewissert hat, dass alles zufriedenstellend funktioniert (WLAN, Video-/Audio-Wiedergabe, Anzeige von vorhandenen Datenträgern).

  • Dual-Boot(-System): Wer GNU/Linux nutzen möchte, muss Windows dafür nicht entfernen, sondern kann beide Betriebssysteme nebeneinander installieren. Bei jedem Start des Rechners kann fortan ausgewählt werden, ob Linux oder Windows verwendet werden soll. Weitere Informationen auf Wikipedia. Wie für alle anderen Installationen ist auch hier eine vorige Datensicherung erforderlich, weil nicht garantiert werden kann, dass das Hinzufügen von Linux fehlerfrei funktioniert.

  • Wer Programme benutzt, die nur für Windows verfügbar sind und keine Alternative unter Linux findet, kann versuchen die Windows-Programme direkt unter Linux auszuführen, mit Hilfe von Wine. Leider funktionieren bei weitem nicht alle Programme mit Wine, aber es gibt eine App-Datenbank, die für viele Programme beschreibt, wie gut sie funktionieren. Wenn alle Stricke reißen, ist auch der Betrieb eines kompletten virtuellen Windows-Computers innerhalb von Linux möglich, zum Beispiel mit VirtualBox. Dafür brauchen Sie dann natürlich eine Windows-Lizenz.

Hier wird geholfen

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Der sicherlich einfachste Weg, Linux auszuprobieren, ist eine Linux-Install-Party oder der Besuch einer Linux-User-Group (LUG). Dort kann nicht nur der eigene Laptop auf Linux-Verträglichkeit (ohne Installation) getestet werden, üblich sind auch Hilfestellung und das gemeinsame Lösen von Problemen vor Ort. Kurz: LUGs in sehr vielen Städten freuen sich über euren Besuch und sind meist sehr hilfsbereit:

  • https://www.linux-user.de/LUG

  • https://www.pro-linux.de/lugs/

Selber machen

Wollen Sie Linux sofort und alleine ausprobieren, so benötigen Sie zuerst ein Boot-Medium, das immer auf der Website der entsprechenden Distribution heruntergeladen werden kann. Üblicherweise handelt es sich um eine CD/DVD oder ein Abbild („Image“) für einen USB-Stick. Nachdem dieses entsprechend gebrannt oder kopiert wurde, muss der Computer vollständig heruntergefahren werden. Dann kann beim Start mit eingelegtem Boot-Medium mit dem Drücken einer vom Hersteller festgelegten Taste eben dieses ausgewählt werden. Übliche Tasten für das sogenannte Boot-Menü sind: Esc, F8, F9, F11 und F12

Für Anfänger, die keinerlei Erfahrung mit Linux haben, empfehlen wir zur Zeit Linux Mint 19 mit Cinnamon 64bit.

Fortgeschrittene und Profis wählen sich ihre Distro selbst mittels https://distrochooser.de/ oder https://www.distrowatch.com/.

Ein wichtiger Hinweis noch zum Abschluss: Wem die vorhandenen Daten wichtig sind, der sollte unbedingt ein vollständiges Backup vor einer Linux-Installation machen.

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Hinweis: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch nicht durch unsere Empfehlungen. Programme können unentdeckte Fehler haben, und Datenschnüffeltechniken entwickeln sich weiter. Bleiben Sie wachsam!
Der Artikel ist auf dem Stand vom 20.10.2018. Sollten Sie Fehler finden, Ergänzungen haben oder Empfehlungen bei Ihnen nicht funktionieren, geben Sie uns Bescheid.

Weitere Informationen gibt es in Form von Fachmagazinen an jedem Bahnhofskiosk z.B.:

  • easylinux (http://www.linux-magazin.de/)
  • linuxuser (https://www.linux-user.de/)
  • Linux-Magazin (http://www.linux-magazin.de/)

Bilder
Linux-Pinguin „Tux”: Larry Ewing und GIMP

Veröffentlicht am 20.10.2018

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