Laden Sie Ihre Freunde ein!

Gute Messenger statt WhatsApp

Auf fast jedem Smartphone läuft heute ein Messenger, meist die Datenschleuder WhatsApp. Für alle, denen Privatsphäre wichtig ist, beschreiben wir Alternativen wie Signal, Delta Chat, Matrix und XMPP und erklären, warum von vielen gängigen Messengern abzuraten ist.

Messenger (nicht nur) für das Smartphone

Messenger sind mittlerweile zentrales digitales Kommunikationsmittel, denn mit ihnen lassen sich Textnachrichten, Audio-, Video- und Bilddateien schnell und bequem verschicken. Aus dem Alltag der allermeisten Menschen sind Messenger inzwischen nicht mehr wegzudenken. Vor WhatsApp, dem weltweit meistgenutzten Messenger, können wir nur warnen. Er greift erheblich in die Privatsphäre ein!

Wir beschreiben in diesem Artikel die Vor- und Nachteile einiger alternativer, datenschutzfreundlicher Messenger für den Privatgebrauch. Dienste, mit denen Behörden, Unternehmen und Vereine ihre Teamarbeit organisieren, behandeln wir im Artikel Vertraulich online zusammenarbeiten.

Der „ideale“ Messenger ist weit verbreitet, lässt sich leicht bedienen und schützt zuverlässig sämtliche Daten. Er hat nur einen Nachteil: Es gibt ihn nicht!

In mindestens einem Punkt werden Sie also Abstriche machen müssen. So ist es zum Beispiel zwar äußerst praktisch, wenn auf dem Server Kontaktlisten abgeglichen werden (damit Sie sofort erkennen können, welche Ihrer Kontakte ebenfalls den gleichen Messenger nutzen), doch von Datenschutz kann dann nicht mehr die Rede sein.

Bei Messengern, die Ihnen diese Art von Komfort bieten, sollten Sie vorsichtig sein.

Wir setzen uns auch für Ihre Privatsphäre und Ihre Grundrechte ein. Werden Sie Fördermitglied bei Digitalcourage.

Einstieg für Eilige

Der beste Kompromiss ist und bleibt Signal. Signal ist bereits halbwegs weit verbreitet und gerade im Vergleich zu WhatsApp eine beachtliche Verbesserung. Jeder einzelne Kontakt, den Sie von WhatsApp zu Signal umziehen, ist ein Gewinn für Ihre Privatsphäre. Und wenn Sie dank Signal sogar ganz auf WhatsApp verzichten können, ist das natürlich noch besser. Dennoch sehen wir auch an Signal einiges kritisch, sodass wir den Messenger nicht uneingeschränkt empfehlen können, sondern nur als Kompromisslösung. Unsere Kritikpunkte und Hinweise, wie Sie Signal möglichst wenig Zugriff auf Ihre Daten geben, finden Sie im Abschnitt zu Signal.

Allen, die noch einen Schritt weiter gehen wollen, empfehlen wir zusätzlich zu Signal noch Delta Chat. Delta Chat ist zwar weniger weit verbreitet als Signal, macht aber technisch vieles genau so, wie wir es uns von einem Messenger wünschen. Die Kommunikation ist zuverlässig Ende-zu-Ende-verschlüsselt; Nachrichten werden über dezentral organisierte Server übertragen; und beim Erstellen eines neuen Accounts müssen keinerlei persönliche Daten angegeben werden. Zudem bietet Delta Chat die Möglichkeit, spezielle Mini-Apps zu Chats hinzuzufügen. Mit diesen Mini-Apps können Sie beispielsweise Abstimmungen durchführen, geteilte Einkaufslisten erstellen oder gemeinsam Spiele spielen – und zwar ganz ohne befürchten zu müssen, dass Ihre Daten dadurch an Dritte abfließen.

Falls Sie Delta Chat von früher kennen, lohnt sich ein neuer Blick darauf: Der Messenger wurde stark weiterentwickelt und hat z. B. bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Metadaten-Sparsamkeit und Bedienbarkeit stark nachgebessert. Mit Akku und Datenvolumen geht Delta Chat sehr sparsam um, sodass es kein Problem ist, ihn als Zweitmessenger zu nutzen.

Ausführliche Bewertung verschiedener Messenger

Inhalt:

  1. Hände weg vom Monopolisten

  2. Empfehlenswert

  1. Bedingt zu empfehlen
  1. Nicht zu empfehlende Messenger

  2. Kriterien für gute Messenger

  3. Argumentationshilfen: Wie überzeuge ich andere von der Nutzung eines datensparsameren Messengers?

Durch Anklicken eines Logos gelangen Sie direkt zu dem von Ihnen ausgewählten Messenger; und am Ende dieses Artikels finden Sie eine ausführliche Erklärung unserer Kriterien.

(v.l.n.r.: Delta Chat, Element für Matrix, XMPP-Dienste, Briar, Signal, Threema, SimpleX Chat)

Hände weg vom Monopolisten

Der praktische Wert eines Messengers ergibt sich aus seiner Verbreitung. Der beste Messenger der Welt nützt Ihnen nichts, wenn Sie damit niemanden erreichen. Deshalb ist es so schwer, sich von einem Monopolisten wie WhatsApp zu verabschieden. Wenn Ihr neuer Messenger keine Verbindung zu anderen Messengern herstellen kann, müsste Ihr gesamtes Umfeld mit Ihnen wechseln. Technisch ist die Verbindung unterschiedlicher Messengertypen über offene Schnittstellen möglich, bei E-Mail geht das schließlich auch. Wer wie WhatsApp mit den Daten seiner Nutzer.innen Profit machen will, tut aber alles, um solche freie Kommunikation zu unterbinden. Auch deswegen sind alternative Dienste so wichtig. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir immer auch einen freien Kommunikationskanal nutzen: Damit wir es als Gruppe einfacher haben, den Monopolisten zu entkommen.

Digitalcourage wirkt. Wirken Sie mit!

Das Vertrauen in proprietäre Messenger großer Tech-Konzerne schwindet – zu Recht. Sie sammeln Daten, sichern sich enorme Marktmacht und machen uns abhängig von US-Anbietern – und damit von US-Gesetzen, Geheimdiensten und der jeweiligen Regierung. Ein Wechsel ist nicht leicht, aber möglich. Oder erinnert sich noch jemand an ICQ?

Empfehlenswert


Delta Chat

Big Tech Wer macht's? Schnittstellen Dezentralität
Bedienbarkeit E2EE Krypto Audit
Metadaten Telefonnummern Tracking Features
Freie Software Betriebssysteme Frei verfügbar Verbreitung
Begründung der einzelnen Bewertungen

Hier sehen Sie eine kurze Begründung, wieso die einzelnen Kriterien für diesen Messenger jeweils als grün (gut), gelb (akzeptabel) oder rot (schlecht) bewertet wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Kriterien finden Sie im gleichnamigen Abschnitt.

  • Big Tech (grün): Sowohl der Client als auch der Server können komplett unabhängig von Big Tech genutzt werden.
  • Wer macht's? (grün): Hinter der Entwicklung steht eine kleine Firma aus Freiburg. Die Finanzierung erfolgt aus öffentlichen Fördermitteln.
  • Schnittstellen (grün): Die Schnittstellen sind in offiziellen Internet-Standards (RFCs) dokumentiert.
  • Dezentralität (grün): Nachrichten werden über dezentral organisierte Server ausgetauscht.
  • Bedienbarkeit (grün): Die Bedienung ist vergleichbar mit anderen Messengern und stellt Benutzer.innen nicht vor besondere Herausforderungen.
  • E2EE (grün): Nachrichten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist standardmäßig aktiviert und funktioniert auch in Gruppenchats problemlos.
  • Krypto (grün): Der Messenger verwendet etablierte kryptografische Primitive.
  • Audit (grün): Der Messenger wurde von fachkundigen Dritten auf Sicherheitslücken geprüft.
  • Metadaten (gelb): Fast alle Metadaten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Server-Admins können lediglich Verbindungen zwischen pseudonymen Postfächern erschließen und die Anzahl und ungefähre Größe von Nachrichten einsehen.
  • Telefonnummern (grün): Die Angabe einer Telefonnummer ist nicht vorgesehen. Auch das Adressbuch des Smartphones wird nicht ausgelesen.
  • Tracking (grün): Der Messenger erhebt keine Nutzungsdaten und lädt auch beim Anzeigen von Nachrichten nicht automatisch Inhalte aus externen Quellen nach.
  • Features (grün): Der Messenger verfügt über alle grundlegenden Features und bietet mit Audio- und Videotelefonie, Kanälen und Mini-Apps auch noch einige interessante Zusatzfunktionen.
  • Freie Software (grün): Sowohl der Client als auch der Server sind Freie Software.
  • Betriebssysteme (grün): Der Messenger läuft sowohl auf iOS und Android als auch auf allen gängigen PC-Betriebssystemen.
  • Frei verfügbar (grün): Der Messenger kann auch über F-Droid oder direkt von der Website der Entwickler.innen heruntergeladen werden.
  • Verbreitung (rot): Der Messenger ist bisher kaum verbreitet. Die Play-Store-Version des Messengers wurde erst 1 Million Mal installiert.

Delta Chat ist ein freier und dezentraler Messenger. Seit 2019 hat er schrittweise eine Entwicklung vollzogen und nun eine Reife erlangt, die uns überzeugt. Besonders hervorzuheben sind die hervorragende Bedienbarkeit sowie das schnelle und einfache Onboarding, bei dem keinerlei persönliche Daten angegeben werden müssen. Auch Gruppenchats funktionieren unserer Erfahrung nach problemlos.

Das Besondere an Delta Chat: Der Messenger versucht nicht, das Rad neu zu erfinden, sondern er bedient sich nach Möglichkeit derselben offenen Standards, die auch für E-Mail-Kommunikation verwendet werden. Und da, wo diese Standards historisch gesehen Schwachstellen hatten, arbeitet das Team von Delta Chat daran mit, die Standards zu aktualisieren.

Weitere Details zu den technischen Hintergründen

Technisch überzeugt Delta Chat und erfüllt fast alle unsere Kriterien.
Er ist freie Software und basiert auf den offenen E-Mail-Standards. Das heißt, er verwendet IMAP und SMTP zur Übertragung von Nachrichten, MIME als Nachrichtenformat und OpenPGP für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. E-Mail-Metadaten werden dank eines noch relativ neuen Mechanismus zur „Header Protection“ bei E-Mails ebenfalls Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Support für Post-Quantum-Cryptography wird seit Mitte 2026 ausgerollt und Reliable Deletion / Forward Secrecy soll ab Ende 2026 zur Verfügung stehen.

Allerdings bricht Delta Chat auch mit einigen Konventionen, die Sie aus dem E-Mail-Bereich vielleicht gewohnt sind. So verwendet der Messenger nicht die E-Mail-Adresse als Nutzerkennung, sondern den OpenPGP-Fingerprint. Außerdem ist die Interoperabilität mit anderen E-Mail-Programmen wie Thunderbird, KMail, Outlook oder diversen Webmail-Programmen oft dadurch beeinträchtigt, dass diese Programme entweder gar keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit OpenPGP unterstützen oder die aktuellen Standards „OpenPGP Crypto Refresh“ (2024 veröffentlicht) und „Header Protection“ bei E-Mails (2025 veröffentlicht) noch nicht vollständig implementiert haben. Da verschiedene andere E-Mail-Programme ebenfalls daran arbeiten, die aktuellen RFCs zu implementieren, ist anzunehmen, dass sich die Interoperabilität zwischen Delta Chat und anderen E-Mail-Clients in Zukunft verbessern wird.

Einige Delta-Chat-spezifische Zusatzfunktionen wie Audio- und Videotelefonie oder spezielle Mini-Apps basieren übrigens nicht auf offiziellen RFCs. Diese Zusatzfunktionen können also nur dann sinnvoll genutzt werden, wenn alle Beteiligten Delta Chat verwenden. Für die Telefoniefunktion sowie für Echtzeitverbindungen in Mini-Apps kommt neben der Verbindung zum jeweiligen E-Mail-Server (auch „Relay“ genannt) auch noch eine Peer-to-Peer-Verbindung zwischen den beiden Endgeräten zum Einsatz. Auch diese Echtzeit-Verbindungen sind weder Teil der etablierten E-Mail-Infrastruktur, noch sind sie in einem offiziellen RFC spezifiziert.

Neben der Grundfunktionalität eines Messengers (Austausch von Text- und Sprachnachrichten, Bildern, Videos und Dateianhängen) bietet Delta Chat auch einige interessante Zusatzfunktionen: So unterstützt der Messenger Audio- und Videotelefonie sowie Kanäle, die ähnlich wie Newsletter oder wie die Feeds auf Social-Media-Plattformen abonniert werden können. Außerdem bietet Delta Chat die Möglichkeit, spezielle Mini-Apps zu Chats hinzuzufügen. Mit diesen Mini-Apps können Sie beispielsweise Abstimmungen oder Terminumfragen durchführen, geteilte Einkaufslisten erstellen oder gemeinsam Spiele spielen – und zwar ganz ohne befürchten zu müssen, dass Ihre Daten dadurch an Dritte abfließen.

Delta Chat läuft auf Android und iOS sowie auf allen gängigen PC-Betriebssystemen. Da es zu Delta Chat noch nicht viele Anleitungen gibt, ist diese etwas umfassender geworden. Sie können sie aber auch überspringen und beim nächsten Messenger weiter lesen.

Delta Chat installieren

Für Android empfehlen wir die App aus dem freien App-Store F-Droid. Diese Version von Delta Chat kommt komplett ohne proprietäre Google-Dienste aus. Für Nutzer.innen, die den Google-Dienst für Push-Benachrichtigungen verwenden wollen, gibt es aber auch eine zweite Version von Delta Chat, die Sie über den Play Store oder über Obtanium installieren können. Auch für Nutzer.innen, die F-Droid nicht verwenden wollen oder können, stellt die Installation über den Google Play Store eine Alternative dar.

Leider funktionieren Googles Push-Benachrichtigungen nicht auf allen Android-Handys problemlos. Wenn Sie die Delta-Chat-Version aus dem Play Store installiert haben und feststellen, dass Nachrichten stark verspätet ankommen, können Sie folgendermaßen Abhilfe schaffen: 1. Öffnen Sie die Einstellungen, 2. wählen Sie Benachrichtigungen, 3. aktivieren Sie die beiden Optionen zur Hintergrundverbindung (im letzten Abschnitt Sofortige Benachrichtigungen).

Unter iOS haben es freie App-Stores besonders schwer. Daher empfehlen wir iPhone- und iPad-Nutzer.innen schweren Herzens, Delta Chat aus dem Apple App Store zu installieren. Diese Version verwendet auch den Apple-Dienst für Push-Benachrichtigungen, zu dem es auf iOS leider keine wirkliche Alternative gibt.

Unter Linux können Sie Delta Chat meist über Flatpak oder über die offiziellen Paketquellen Ihrer Distribution installieren. Suchen Sie dazu einfach im Software Center Ihrers Betriebssystems nach Delta Chat. Falls Sie dort nicht fündig werden, finden Sie unter get.delta.chat eine Reihe von Binärpaketen ohne automatische Updates, die Sie manuell installieren können, sowie einen Link zum Quellcode des Programms.

Für Windows finden Sie unter get.delta.chat eine Installationsdatei zum Herunterladen. Alternativ können Sie Delta Chat auch über den Microsoft Store installieren.

Auf macOS können Sie Delta Chat sowohl über den offiziellen App Store als auch über Homebrew installieren.

Delta Chat einrichten

Wenn Sie Delta Chat das erste Mal öffnen, werden Sie aufgefordert, ein neues Profil zu erstellen. Dazu müssen Sie Ihren Wunschnamen angeben und sich für ein Relay entscheiden. Außerdem können Sie ein Profilbild festlegen, wenn Sie mögen. Anschließend können Sie Kontakte hinzufügen, indem Sie deren Einladungs-QR-Codes scannen.

Alle Angaben, die Sie bei der Erstellung des Profils machen, können Sie übrigens später beliebig anpassen. Selbst die Auswahl des Relays können Sie noch ändern.

  1. Wunschnamen wählen: Anders als bei vielen anderen Messengern muss der Name nicht einmalig sein. Außerdem werden sowohl der Name als auch das Profilbild immer Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Selbst Server-Admins können nicht sehen, welchen Namen Sie gewählt haben, ob Sie ein Profilbild verwenden oder was dieses Bild zeigt. Nur Ihre Kontakte und Leute, mit denen Sie in gemeinsamen Gruppen sind, können diese Informationen sehen. Sie können also getrost Ihren Vornamen oder einen Spitznamen verwenden und wenn Sie mögen auch ein Profilbild hinzufügen.

  2. Relay wählen: Da Delta Chat dezentral aufgebaut ist, haben Sie die Qual der Wahl, welches Relay Sie verwenden. Als Voreinstellung ist nine.testrun.org ausgewählt, weshalb unter dem Feld für den Wunschnamen ein Link auf die Datenschutzerklärung dieses Relays angezeigt wird. Unserer Erfahrung nach funktioniert das voreingestellte Relay sehr gut und auch die Datenschutzerklärung finden wir vorbildlich. Es spricht also überhaupt nichts dagegen, dieses Relay zu verwenden.

    Leider kommen die Vorteile eines dezentralen Systems nur dann voll zur Geltung, wenn sich nicht alle Nutzer.innen für dasselbe Relay entscheiden. Wenn Sie sich das zutrauen, möchten wir Sie daher ermutigen, ein anderes Relay zu wählen. Eine Liste von öffentlich zugänglichen Relays finden Sie unter chatmail.at. Suchen Sie sich beispielsweise ein Relay aus, das sich in Ihrer Region befindet oder dessen Name Sie anspricht, und lesen Sie dessen Datenschutzerklärung. Wenn Sie dieser zustimmen können, wählen Sie in Delta Chat Anderen Server verwenden und anschließend Einladungscode scannen, um das alternative Relay auszuwählen. Den Einladungscode (einen speziellen QR-Code) finden Sie auf der Website des Relays.

    Delta Chat bietet Ihnen auch die Möglichkeit, einen „klassischen“ E-Mail-Server als Relay zu verwenden. Diese Option können wir allerdings nur in sehr spezifischen Ausnahmefällen empfehlen. Wenn Sie sich nicht intensiv mit den Vor- und Nachteilen dieser Möglichkeit auseinandergesetzt haben, sollten Sie sich lieber für eines der unter chatmail.at aufgeführten Relays entscheiden.

Weitere Details zu „Relays“

Im Kontext von Delta Chat ist oft von sogenannten „Relays“ die Rede. Dieser Begriff ist als Synonym zu „E-Mail-Server“ zu verstehen. Der Begriff „Relay“ soll betonen, dass E-Mail-Server bei Delta Chat nur dazu dienen, Nachrichten weiterzuleiten. Sie erfüllen nicht die Funktion, Nachrichten langfristig aufzubewahren, zu sortieren, durchsuchbar zu machen oder Ähnliches.

Technisch gesehen sind Relays dennoch E-Mail-Server, die eine IMAP- und eine SMTP-Schnittstelle zur Verfügung stellen. Der Austausch von Nachrichten zwischen verschiedenen Relays funktioniert ebenfalls über SMTP. Dadurch kann prinzipiell jeder beliebige E-Mail-Server als Relay für Delta Chat verwendet werden.

Um das Einrichten von Delta Chat so bequem wie möglich zu machen, haben verschiedene IT-Interessierte spezielle E-Mail-Server eingerichtet, auf denen Sie schnell, einfach und anonym einen E-Mail-Account anlegen können. Eine Liste solcher Server finden Sie unter chatmail.at. Eine Besonderheit an den dort aufgeführten Servern ist, dass sie nur Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten annehmen. Alle anderen Nachrichten werden sofort abgelehnt. Dadurch sind diese Server für Spammer äußerst uninteressant. Außerdem werden Nachrichten meist nur für einige Wochen gespeichert und existieren nach dieser Zeit nur noch auf den Endgeräten. Das dient zwar in erster Linie dazu, den Speicherbedarf der Server zu reduzieren, ist aber auch mit Blick auf die Datensparsamkeit sicher keine schlechte Eigenschaft.

Neben den gewohnten IMAP- und SMTP-Schnittstellen bieten die unter chatmail.at aufgeführten Relays übrigens auch noch zwei Zusatzfunktionen:

  1. Sie stellen eine Anbindung an die Apple- und Google-Dienste für Push-Benachrichtigungen zur Verfügung. Diese Anbindung ist sehr datenschutzfreundlich und komplett optional. Sie wird nur verwendet, wenn Sie Delta Chat aus dem Apple App Store, dem Google Play Store oder über Obtanium installiert haben. Gerade auf iOS sind diese Push-Benachrichtigungen allerdings äußerst wichtig, damit Delta Chat gut funktioniert. Wenn Sie Delta Chat auf einem iPhone oder iPad verwenden wollen, sollten Sie daher einen der unter chatmail.at aufgeführten E-Mail-Server verwenden, der diese Zusatzfunktion zur Verfügung stellt. Wenn Sie Delta Chat dagegen über F-Droid installiert haben oder am PC verwenden, werden die proprietären Dienste für Push-Benachrichtigungen überhaupt nicht verwendet. In diesem Fall bringt es Ihnen auch keinen Mehrwert, dass der Server diese Zusatzfunktion zur Verfügung stellt.

  2. Sie stellen ein Iroh-Relay zur Verfügung, das den Aufbau von Peer-to-Peer-Verbindungen zwischen Endgeräten unterstützen kann. Diese Peer-to-Peer-Verbindungen werden beispielsweise für Audio- und Videoanrufe verwendet und spielen bei bestimmten Mini-Apps eine Rolle. Unserer Erfahrung nach funktionieren Peer-to-Peer-Verbindungen aber auch ohne diese Zusatzfunktion gut.

Wenn Sie wollen, können Sie Ihr Relay übrigens auch selbst hosten. Das Setup, das auf nine.testrun.org läuft, ist unter chatmail.at/doc/relay dokumentiert. Es gibt mehrere Erfahrungsberichte von Personen, die ein eigenes Relay aufgesetzt haben. Außerdem gibt es noch weitere Projekte, die an speziell für Delta Chat optimierten E-Mail-Servern arbeiten. Und wenn Sie auf die beiden oben erwähnten Zusatzfunktionen verzichten, können Sie natürlich auch Ihren bestehenden, selbst gehosteten E-Mail-Server als Relay für Delta Chat verwenden.

Weitere Details zum Verwenden eines „klassischen“ E-Mail-Servers

Wenn Sie Delta Chat einfach als Alternative zu anderen Messengern wie WhatsApp oder Signal nutzen möchten, dann sind Sie vermutlich am besten beraten, wenn Sie eines (oder mehrere) der unter chatmail.at aufgeführten Relays verwenden. Für fortgeschrittene Benutzer.innen bietet Delta Chat aber auch die Möglichkeit, einen „klassischen“ E-Mail-Server als Relay zu verwenden. Das heißt einen E-Mail-Server, dessen Betreiber.innen nicht gezielt Delta-Chat-Nutzende im Blick haben. Im Vergleich zu den Servern, die speziell auf Delta-Chat-Nutzende als Zielpublikum abzielen, hat die Verwendung eines „klassischen“ E-Mail-Servers zwar einige Nachteile. In ganz bestimmten Fällen kann diese Option aber dennoch interessant sein.

Nachteile von „klassischen“ E-Mail-Servern:

  • Höhere Komplexität: Das Einrichten eines „klassischen“ E-Mail-Accounts ist deutlich aufwendiger als das eines Accounts auf nine.testrun.org oder einem anderen speziell für die Verwendung mit Delta Chat bestimmten Server. Das betrifft sowohl das Anlegen eines Accounts auf dem Server als auch die Konfiguration in Delta Chat. Bevor Sie einen „klassischen“ E-Mail-Server als Relay verwenden, sollten Sie idealerweise schon Erfahrung damit gemacht haben, solche Accounts in anderen E-Mail-Programmen wie beispielsweise Thunderbird einzurichten.

  • Keine proprietären Push-Benachrichtigungen: E-Mail-Server sind üblicherweise nicht an den Google- und Apple-Dienst für Push-Benachrichtigungen angebunden. Das kann zum Problem werden, wenn Sie Delta Chat auf iOS oder auf Android verwenden, da Nachrichten ohne Push-Benachrichtigungen nur abgerufen werden, wenn Sie die App manuell öffnen. Auf Android können Sie dieses Problem leicht umgehen, indem Sie in den Einstellungen unter Benachrichtigungen die beiden Optionen zur Hintergrundverbindung aktivieren. Auf iOS gibt es leider keine Alternative dazu, den Apple-Dienst für Push-Benachrichtigungen zu verwenden. Wenn Sie Delta Chat auf einem iPhone oder iPad nutzen wollen, sollten Sie daher einen der unter chatmail.at aufgeführten Server wählen, da diese Server an den Apple-Dienst für Push-Benachrichtigungen angebunden sind.

  • Spam Filter: Die meisten E-Mail-Server verwenden andere Spam-Schutz-Mechanismen als die weiter oben beschriebenen Relays. Dadurch kann es passieren, dass Nachrichten Ihrer Kontakte im Spam-Filter hängenbleiben und Sie dadurch gar nicht erreichen. Wenn Sie sich entscheiden, einen „klassischen“ E-Mail-Server zu verwenden, sollten Sie sich unbedingt mit den Spam-Einstellungen Ihres Postfachs auseinandersetzen. Um Problemen vorzubeugen, sollten Sie dort, sofern möglich, Ausnahmen für die unter chatmail.at aufgeführten Server einrichten.

  • Bestehendes Postfach nicht nutzbar: Selbst wenn Sie einen „klassischen“ E-Mail-Server verwenden, sollten Sie sich dort ein gesondertes Konto für die Verwendung mit Delta Chat anlegen. Delta Chat geht nämlich davon aus, dass alle E-Mails in der INBOX liegen. Und zwar nicht nur eingehende, sondern (wenn der Mehrgerätemodus aktiviert ist) auch gesendete. Wenn Sie ein anderes E-Mail-Programm verwenden, um sich das Delta-Chat-Postfach anzuschauen, wirkt dieses sehr unordentlich. Auch andersherum ist eine Mehrfachnutzung nicht zu empfehlen: Wenn Sie ein anderes E-Mail-Programm verwenden, um E-Mails aus der INBOX in einen anderen Ordner zu verschieben, bevor Delta Chat diese abgerufen hat, führt das dazu, dass Delta Chat diese Nachrichten nicht erhält.

Vorteile von „klassischen“ E-Mail-Servern:

  • „Normale“ E-Mails in Delta Chat: Wenn Sie einen „klassischen“ E-Mail-Server als einziges Relay konfigurieren, können Sie Delta Chat so einstellen, dass Sie neben Ende-zu-Ende-verschlüsselten E-Mails auch „normale“ E-Mails empfangen und versenden können. Insbesondere wenn Sie Delta Chat auf dem Handy verwenden, kann das bequemer sein, als ein anderes E-Mail-Programm zu verwenden – aber schlussendlich ist das natürlich Geschmacksache.

  • Höhere Dezentralität und Ausfallsicherheit: Je mehr Server verwendet werden, um Delta-Chat-Nachrichten auszutauschen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass all diese Server gleichzeitig abstürzen, abgeschaltet werden oder in die Kontrolle einer einzelnen Organisation geraten. Jeder zusätzliche Server, über den Nachrichten ausgetauscht werden, ist also ein Beitrag zur Resilienz des Gesamtsystems.

  • Größeres Postfach: Die unter chatmail.at aufgeführten Server stellen meist nur relativ kleine Postfächer zur Verfügung und löschen Nachrichten bereits nach wenigen Wochen. Wenn Delta Chat regelmäßig (beispielsweise wenigstens alle 10 Tage) eine Internetverbindung hat und Nachrichten abrufen kann, ist das kein Problem. Wenn Sie aber mehrere Wochen oder gar Monate ohne Internetverbindung verbringen, kann es passieren, dass Nachrichten vom Server gelöscht werden, bevor Sie sie erhalten haben. Wenn Sie diesbezüglich Bedenken haben, können Sie zusätzlich zu einem der oben aufgeführten Relays noch ein „klassisches“ E-Mail-Postfach konfigurieren, das Ihnen mehr Speicherplatz und großzügigere Löschfristen gewährt.

Wenn Sie sich diese Vor- und Nachteile vor Augen führen und zu dem Schluss kommen, dass Sie einen „klassischen“ Server als Relay einrichten wollen, dann haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Sie können diesen Server gleich bei der Erstellung des Profils einrichten. Dazu wählen Sie zunächst Anderen Server verwenden und anschließend Klassische E-Mail als Relay. Die weitere Einrichtung des Servers läuft dann ähnlich wie bei Thunderbird oder anderen E-Mail-Programmen. Wichtig: Diese Möglichkeit besteht nur, wenn Sie ein neues Profil anlegen. Wenn Sie einen „klassischen“ Account zu einem bestehenden Profil hinzufügen wollen, dann geht das nur über den DCLOGIN-Link, der im nächsten Schritt beschrieben ist.

  2. Sie können einen DCLOGIN-Link erstellen. Ein solcher DCLOGIN-Link kann auch als QR-Code angezeigt werden und ist eine Alternative zu dem DCACCOUNT-Link, der Ihnen auf der Startseite der meisten unter chatmail.at aufgeführten Server angezeigt wird. Im Gegensatz zu einem DCACCOUNT-Link enthält ein DCLOGIN-Link die genauen Zugangsdaten zu Ihrem Account – inklusive Passwort. Daher sollten Sie bei der Verwendung eines solchen Links gut aufpassen, dass weder der Link noch ein daraus erzeugter QR-Code in falsche Hände geraten. Außerdem ist das Erstellen eines DCLOGIN-Links nicht ganz einfach, weshalb es nur für fortgeschrittene Benutzer.innen oder für Server-Admins infrage kommt.

  1. Kontakte hinzufügen: Nachdem Sie Delta Chat installiert und eingerichtet haben, können Sie Ihre ersten Kontakte hinzufügen. Bei Delta Chat funktioniert das durch den Austausch von Einladungscodes - entweder in Form eines QR-Codes, den Sie scannen, oder in Form eines Links, den Sie über einen anderen Kommunikationskanal verschicken können. Über der Liste mit den Chats sehen Sie ein QR-Code-artiges Symbol, das Sie auswählen können, um diese Funktion zu öffnen. Anschließend zeigen Sie den nun angezeigten QR-Code Ihrem Kontakt; oder Sie wählen QR-Code scannen, um den QR-Code Ihres Kontaks zu scannen oder einen Einladungslink einzufügen.

  2. Weitere Relays hinzufügen (optional): Delta Chat bietet Ihnen die Möglichkeit, mehrere Relays zu verwenden. Nachrichten werden immer über ein bestimmtes Relay versandt, aber an alle hinterlegten Relays zugestellt. Diese Funktion dient dazu, dass Sie Nachrichten auch dann noch empfangen können, wenn eines Ihrer Relays ausfallen sollte. Um zusätzliche Relays hinzuzufügen, öffnen Sie die Einstellungen, dann Erweitert, dann Relays und schließlich Relay hinzufügen beziehungsweise (+). Anschließend können Sie den Einladungscode eines Relays scannen. Wie weiter oben bereits beschrieben, finden Sie unter chatmail.at eine Liste mit Relays, die solche Einladungscodes zur Verfügung stellen.

Links:



Element für Matrix

Big Tech Wer macht's? Schnittstellen Dezentralität
Bedienbarkeit E2EE Krypto Audit
Metadaten Telefonnummern Tracking Features
Freie Software Betriebssysteme Frei verfügbar Verbreitung
Begründung der einzelnen Bewertungen

Hier sehen Sie eine kurze Begründung, wieso die einzelnen Kriterien für diesen Messenger jeweils als grün (gut), gelb (akzeptabel) oder rot (schlecht) bewertet wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Kriterien finden Sie im gleichnamigen Abschnitt.

  • Big Tech (grün): Sowohl der Client als auch der Server können komplett unabhängig von Big Tech genutzt werden.
  • Wer macht's? (grün): Die populärsten Clients und Server werden von Element Creations bzw. Element Software entwickelt. Die Spezifikation wird von einer in Großbritannien registrierten Stiftung veröffentlicht. Die Firma hinter Element, Element X und der Element Server Suite, zu der auch Synapse gehört, finanziert sich dadurch, dass sie Premium-Versionen ihrer Client- und Server-Software an Behörden und Unternehmen vermarktet.
  • Schnittstellen (gelb): Die Schnittstellen sind nicht in offiziellen Internet-Standards (RFCs) dokumentiert, sondern werden lediglich auf der Website der Matrix-Stiftung beschrieben.
  • Dezentralität (grün): Nachrichten werden über dezentral organisierte Server ausgetauscht.
  • Bedienbarkeit (gelb): Die Bedienung ist grundsätzlich auch für Laien möglich. Allerdings können gelegentlich Probleme auftreten, die etwas komplizierter zu verstehen und zu lösen sind.
  • E2EE (grün): Nachrichten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist standardmäßig aktiviert und funktioniert auch in Gruppenchats oft recht gut.
  • Krypto (grün): Der Messenger verwendet etablierte kryptografische Primitive.
  • Audit (grün): Der Messenger wurde von fachkundigen Dritten auf Sicherheitslücken geprüft.
  • Metadaten (rot): Im Gegensatz zum Inhalt der einzelnen Nachrichten werden Metadaten nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Server-Admins können daher zahlreiche Rückschlüsse auf die Kommunikation ziehen. Beispielsweise darüber, wer wann und mit wem schreibt, welche Gruppen es gibt, wer zu welcher Gruppe gehört und wie die einzelnen Nachrichten untereinander zusammenhängen.
  • Telefonnummern (grün): Die Angabe einer Telefonnummer ist nicht vorgesehen. Auch das Adressbuch des Smartphones wird nicht ausgelesen.
  • Tracking (grün): Der Messenger erhebt keine Nutzungsdaten und lädt auch beim Anzeigen von Nachrichten nicht automatisch Inhalte aus externen Quellen nach.
  • Features (grün): Der Messenger verfügt über alle grundlegenden Features und bietet mit Audio- und Videotelefonie auch noch eine interessante Zusatzfunktion.
  • Freie Software (grün): Sowohl der Client als auch der Server sind Freie Software.
  • Betriebssysteme (grün): Der Messenger läuft sowohl auf iOS und Android als auch auf allen gängigen PC-Betriebssystemen.
  • Frei verfügbar (grün): Der Messenger kann auch über F-Droid installiert werden. Die PC-Versionen des Messengers können direkt von der Website der Entwickler.innen heruntergeladen werden.
  • Verbreitung (rot): Der Messenger ist bisher kaum verbreitet. Die Play-Store-Version von Element X wurde erst 500 Tausend Mal installiert.

Element ist ein quelloffener Messenger für den Kommunikationsstandard Matrix. Es gibt ihn gratis für Android, iOS, Windows, Linux und macOS oder zum Ausprobieren ohne Installation direkt im Webbrowser. Für Android und iOS empfehlen wir die speziell für Mobilgeräte optimierte Version namens „Element X“. Statt mit der Telefonnummer identifiziert man sich mit einer Matrix-ID, die auf mehreren Geräten verwendet werden kann. Wer dazu neigt, Passwörter zu vergessen, kann eine E-Mail-Adresse zum Zurücksetzen des Passworts hinterlegen. Oberfläche und Bedienung sind anfangs möglicherweise gewöhnungsbedürftig.

Anders als die Messenger von Google, Facebook (Meta) und Signal, wo alles bei einem einzigen Anbieter zusammenläuft, ist Matrix dezentral. Für Element registrieren Sie sich auf einem beliebigen „Heimatserver“. Eine Telefonnummer ist nicht nötig, die Nutzer.innen haben einen Identifier, eine Art E-Mail-Adresse. Sie können natürlich auch einen eigenen Server betreiben. Der Vorteil dezentraler Netze: Man ist nicht abhängig von einem einzigen Anbieter. Deshalb besser nicht den voreingestellten Heimatserver matrix.org wählen, denn wenn sich alle dort treffen, ist das nicht mehr dezentral. Eine Liste öffentlicher Matrix-Server hilft bei der Serverwahl, diese zweiteilige Anleitung beim Einstieg.

Mit Element können Sie Textnachrichten, Bilder und andere Dateien schicken und anrufen, auch mit Video. Die meisten Matrixserver haben für Einzelchats und private Gruppenchats Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nach dem Standard von Signal aktiviert. Ob tatsächlich verschlüsselt ist, sehen Sie am Schildsymbol vor den Nachrichten und vor dem Namen des Chatraums. In öffentlichen Chaträumen wird üblicherweise nicht verschlüsselt. Auch Metadaten zu Gruppen (Gruppenname, Mitgliederliste, Thread-Struktur) liegen bei Matrix unverschlüsselt auf den Servern und sind für die Admins aller beteiligten Server einsehbar.

Wichtig: Für Android empfehlen wir die Element X App von F-Droid, die komplett ohne Google-Dienste auskommt. Die Version aus dem Google Play Store verwendet den Google-Dienst für Push-Benachrichtigungen, verbindet Ihr Gerät also ständig mit Google.

Je nach Plattform gibt es weitere Clients, mit denen sich auf der Basis von Matrix kommunizieren lässt.

Artikel zur digitalen Selbstverteidigung aktuell zu halten ist viel Arbeit. Unterstützen Sie uns mit einer Spende oder Mitgliedschaft.

Links



XMPP-Dienste

Big Tech Wer macht's? Schnittstellen Dezentralität
Bedienbarkeit E2EE Krypto Audit
Metadaten Telefonnummern Tracking Features
Freie Software Betriebssysteme Frei verfügbar Verbreitung
Begründung der einzelnen Bewertungen

Hier sehen Sie eine kurze Begründung, wieso die einzelnen Kriterien für diesen Messenger jeweils als grün (gut), gelb (akzeptabel) oder rot (schlecht) bewertet wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Kriterien finden Sie im gleichnamigen Abschnitt.

  • Big Tech (grün): Sowohl der Client als auch der Server können komplett unabhängig von Big Tech genutzt werden.
  • Wer macht's? (grün): Die zahlreichen unterschiedlichen XMPP-Clients und -Server wurden von ebensovielen Entwickler.innen geschrieben. Viele der aktuell aktiven Entwickler.innen arbeiten ehrenamtlich oder finanzieren ihre Arbeit über Spenden.
  • Schnittstellen (grün): Die Grundlagen von XMPP sind in offiziellen Internet-Standards (RFCs) dokumentiert. Erweiterungen werden in sogenannten XEPs spezifiziert.
  • Dezentralität (grün): Nachrichten werden über dezentral organisierte Server ausgetauscht.
  • Bedienbarkeit (gelb): Die Bedienung ist grundsätzlich auch für Laien möglich. Allerdings ist das Einrichten eines Accounts etwas aufwendiger und einige Funktionen sind erst dann verständlich, wenn man sich intensiver mit der Materie befasst hat.
  • E2EE (gelb): In vielen XMPP-Clients ist Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit OMEMO standardmäßig aktiviert. Allerdings treten insbesondere in Gruppenchats immer wieder Probleme mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf, was Nutzer.innen dazu verleiten kann, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung manuell zu deaktivieren, um die Nutzbarkeit wiederherzustellen.
  • Krypto (grün): Der Messenger verwendet etablierte kryptografische Primitive.
  • Audit (grün): Der Messenger wurde von fachkundigen Dritten auf Sicherheitslücken geprüft.
  • Metadaten (rot): Im Gegensatz zum Inhalt der einzelnen Nachrichten werden Metadaten nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Server-Admins können daher zahlreiche Rückschlüsse auf die Kommunikation ziehen. Beispielsweise darüber, wer wann und mit wem schreibt, welche Gruppen es gibt, wer zu welcher Gruppe gehört und wie die einzelnen Nachrichten untereinander zusammenhängen. Auch Nutzernamen und Profilbilder sind für Server-Admins sichtbar.
  • Telefonnummern (grün): Die Angabe einer Telefonnummer ist nicht vorgesehen. Auch das Adressbuch des Smartphones wird nicht ausgelesen.
  • Tracking (grün): Der Messenger erhebt keine Nutzungsdaten und lädt auch beim Anzeigen von Nachrichten nicht automatisch Inhalte aus externen Quellen nach.
  • Features (grün): Viele XMPP-Clients verfügen über alle grundlegenden Features und einige bieten auch noch interessante Zusatzfunktionen wie Audio- und Videotelefonie.
  • Freie Software (grün): Sowohl der Client als auch der Server sind Freie Software.
  • Betriebssysteme (grün): XMPP-Clients gibt es sowohl für iOS und Android als auch für alle gängigen PC-Betriebssysteme.
  • Frei verfügbar (grün): Einige XMPP-Clients können auch über F-Droid oder direkt von der Website der Entwickler.innen heruntergeladen werden.
  • Verbreitung (rot): XMPP ist bisher kaum verbreitet. Die Play-Store-Version von Conversations, unserer Empfehlung für Android, wurde erst 100 Tausend Mal installiert. Da Conversations im Play Store kostenpflichtig, auf F-Droid aber kostenlos ist, ist diese Zahl vermutlich nicht sonderlich aussagekräftig. Dennoch ist anzunehmen, dass XMPP entweder gar nicht oder nur unwesentlich weiter verbreitet ist als Matrix.

XMPP, auch als Jabber bekannt, war ursprünglich für Chats auf dem Rechner gedacht und steckt dort in vielen Anwendungen. Seit es XMPP-Messenger auch für Smartphones gibt, machen sie WhatsApp tatsächlich Konkurrenz. XMPP-Messenger sind quelloffen, plattformunabhängig und erlauben Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation.

Wie Sie einen XMPP-Messenger einrichten, erklärt Freie-Messenger.de. Sie können einen eigenen XMPP-Server betreiben oder als Docker-Container auf einem Home-Server mitlaufen lassen. Wenn Sie keinen Server haben, registrieren Sie sich auf einem der XMPP-Server, die es schon gibt. Wählen Sie ihn mit Bedacht, denn selbst hier fallen Metadaten an, die Sie nur einem vertrauenswürdigen Betreiber überlassen sollten.

Mit einem XMPP-Account lässt sich XMPP auf beliebigen Geräten verwenden, auch auf dem Smartphone. Da Kontaktdaten in der Regel nicht hochgeladen werden, müssen Sie Ihre Jabber-ID auf anderem Weg weitergeben. Das ist zwar umständlich, aber ein Plus für den Datenschutz: Sie können chatten, ohne anderen Ihre Telefonnummer zu verraten. Öffentlich ist nur der Onlinestatus – alle sehen, wer online ist und wer nicht. Für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nachrichten empfiehlt sich die XMPP-Erweiterung OMEMO.

Unsere wichtigste Forderung, nämlich offene Schnittstellen, erfüllt XMPP. Sie können wählen, mit welcher App Sie Ihren XMPP-Account benutzen. Diese Offenheit gilt nicht nur für die Apps der Nutzer.innen, sondern auch für die dezentrale Serverstruktur. Eigene Server mit XMPP-kompatibler Software können und dürfen von allen selbst betrieben werden. Da alle XMPP-Server miteinander kommunizieren können, müssen Endgeräte auf Sende- und Empfangsseite nur mit dem eigenen Server verbunden werden.

Leider hat XMPP auch Nachteile. Die Verschlüsselung mit der Erweitunger OMEMO ist zwar sehr sicher, aber nicht standardmäßig aktiviert und läuft nicht immer reibungslos. Besonders in Gruppenchats kann es zu Problemen kommen, die dann dazu verleiten, die Verschlüsselung zu deaktivieren. Auch in Sachen Metadaten kann XMPP nicht punkten. Mit OMEMO werden lediglich die Nachrichteninhalte verschlüsselt. Profilbilder und Metadaten zu Gruppen (Gruppenname, Mitgliederliste, Thread-Struktur) liegen unverschlüsselt auf dem Server und sind für Server-Admins einsehbar. Auch die Bedienbarkeit wird von manchen kritisiert, was aber auch eine Sache der Gewöhnung sein dürfte. Die Einrichtung ist tatsächlich aufwendiger als bei Signal oder WhatsApp und Kontakte müssen manuell hinzugefügt werden.

XMPP-Apps

Für Android gibt es Conversations. Nachrichten werden mit OMEMO verschlüsselt, einer Adaption der viel gelobten Verschlüsselung des Messengers Signal. Außerdem lassen sich neben Texten auch Dateien mit beliebiger Endung und Sprachnachrichten verschicken. Conversations gibt es bei F-Droid: Conversations.

Für iOS empfehlen wir Monal und Siskin IM. Es handelt sich um freie Software, die mit OMEMO Ende-zu-Ende-verschlüsseln kann.

Für den Rechner ist der freie Messenger Gajim geeignet. Er funktioniert mit Windows, Linux und mit etwas Mehraufwand auch auf macOS, ist einfach zu bedienen und ermöglicht das Verschlüsseln von Nachrichten mit OMEMO oder OpenPGP. Hierfür sind Plugins nötig, die über den eingebauten Pluginmanager heruntergeladen und installiert werden können. Für Linux gibt es außerdem den Messenger Dino, der ebenfalls mit OMEMO und OpenPGP verschlüsseln kann.

Links

  • XMPP auf Freie Messenger: Infos zu XMPP/Jabber und Anleitung zum Einrichten von Clients
  • Empfehlenswerte XMPP-Server auf Freie Messenger
  • Beagle IM: englischsprachiger XMPP-Client für macOS
  • Conversations: XMPP-Client für Android
  • Dino: XMPP-Client für Linux
  • Gajim: XMPP-Client für Linux und Windows
  • Monal: englischsprachiger XMPP-Client für iOS und macOS
  • Siskin IM: englischsprachiger XMPP-Client für iOS


Briar

Big Tech Wer macht's? Schnittstellen Dezentralität
Bedienbarkeit E2EE Krypto Audit
Metadaten Telefonnummern Tracking Features
Freie Software Betriebssysteme Frei verfügbar Verbreitung
Begründung der einzelnen Bewertungen

Hier sehen Sie eine kurze Begründung, wieso die einzelnen Kriterien für diesen Messenger jeweils als grün (gut), gelb (akzeptabel) oder rot (schlecht) bewertet wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Kriterien finden Sie im gleichnamigen Abschnitt.

  • Big Tech (grün): Briar kann komplett unabhängig von Big Tech genutzt werden. Die Kommunikation läuft Peer-to-Peer über das Tor-Netzwerk, sodass außer der Tor-Infrastruktur keine weiteren Server notwendig sind.
  • Wer macht's? (grün): Die Entwicklung von Briar wird von einem ehrenamtlichen Board aus Open-Source-Entwickler.innen koordiniert. Die Entwicklung selbst erfolgt teils ehrenamtlich und wird teils über öffentliche Fördermittel finanziert.
  • Schnittstellen (gelb): Die Schnittstellen sind nicht in offiziellen Internet-Standards (RFCs) dokumentiert, sondern lediglich in einem Wiki.
  • Dezentralität (grün): Nachrichten werden mithilfe des Tor-Netzwerks direkt zwischen den Endgeräten ausgetauscht. Dadurch kommt Briar ohne zusätzliche Server aus.
  • Bedienbarkeit (gelb): Die Bedienung ist grundsätzlich auch für Laien möglich. Das Einrichten des Messengers stellt keine Hürde dar und die Benutzungsoberfläche ist sehr intuitiv zu bedienen. Allerdings sind die Folgen einiger Einstellungen (beispielsweise die Auswirkung von „Kommunikation über das Internet“ auf die Akkulaufzeit des Endgeräts) nur dann ersichtlich, wenn man ein vertieftes Verständnis der technischen Grundlagen des Messengers hat. Ohne dieses Grundlagenwissen können Einstellungen unerwartete Folgen haben.
  • E2EE (grün): Nachrichten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist standardmäßig aktiviert und funktioniert auch in Gruppenchats problemlos.
  • Krypto (grün): Der Messenger verwendet etablierte kryptografische Primitive.
  • Audit (grün): Der Messenger wurde von fachkundigen Dritten auf Sicherheitslücken geprüft.
  • Metadaten (grün): Da Nachrichten über das Tor-Netzwerk ausgetauscht werden, kann nicht nachverfolgt werden, wer mit wem kommuniziert.
  • Telefonnummern (grün): Die Angabe einer Telefonnummer ist nicht vorgesehen. Auch das Adressbuch des Smartphones wird nicht ausgelesen.
  • Tracking (grün): Der Messenger erhebt keine Nutzungsdaten und lädt auch beim Anzeigen von Nachrichten nicht automatisch Inhalte aus externen Quellen nach.
  • Features (rot): Mit Briar können nur kurze Textnachrichten bis maximal 32 KB verschickt werden. Daher eignet sich der Messenger nicht für die Alltagskommunikation.
  • Freie Software (grün): Briar ist Freie Software.
  • Betriebssysteme (rot): Briar ist nicht für iOS verfügbar.
  • Frei verfügbar (grün): Der Messenger kann auch über F-Droid oder direkt von der Website der Entwickler.innen heruntergeladen werden.
  • Verbreitung (rot): Der Messenger ist bisher kaum verbreitet.

Der Messenger Briar braucht keine Server. Er leitet die Kommunikation Peer-to-Peer durch das Tor-Netzwerk, ohne Internetzugang auch über Bluetooth, WLAN oder sogar über den Versand von SD-Karten oder USB-Sticks. Metadaten entstehen dabei praktisch nicht. Briar ist damit der einzige wirklich dezentrale Messenger, weshalb staatliche Einflussnahme oder Abschaltung der Server zu Zensurzwecken nicht möglich sind. Deshalb bietet er sich besonders für Situationen an, in denen man sicher und unabhängig kommunizieren möchte. Zielgruppe ist nicht die Alltagskommunikation, sondern eher Absprachen für Aktivist.innen oder Journalismus.

Diese Architektur hat leider auch negative Auswirkungen auf die Alltagstauglichkeit des Messengers. Um Nachrichten über das Tor-Netzwerk austauschen zu können, müssen alle Geräte dauerhaft online sein, was sich vor allem bei der Akkulaufzeit bemerkbar macht und es erschwert, Briar unterwegs oder bei schlechter Netzabdeckung zu verwenden. Eine Nachricht wird zugestellt, sobald beide Parteien gleichzeitig online sind. Briar selbst empfiehlt, ihn nur gezielt einzusetzen und sich (zum Beispiel über einen anderen Messenger) zu verabreden, wann alle Briar aktivieren.
Außerdem ist die Größe von Nachrichten auf 32 KB begrenzt, sodass selbst Bilder mit normaler Auflösung nicht mit Briar übertragen werden können; von Dateianhängen oder kurzen Videos ganz zu schweigen. Für einige dieser Probleme wird derzeit an Lösungen gearbeitet, aber wie gut sich diese Lösungsansätze in der Praxis bewähren, ist derzeit noch schwer abzuschätzen.

Briar läuft auf Android, sowie als Betaversion auf Linux, Windows und macOS. Eine Version für iOS – also iPhone oder iPad – wird es nicht geben, da die dezentrale Organisation von Briar mit den Apple-Richtlinien nicht vereinbar ist. Wenn Sie die praktischen Einschränkungen, die bei Briar bestehen, nicht abschrecken, und Sie auf zensurfreie Kommunikation Wert legen, können wir durchaus empfehlen, Briar mal auszuprobieren. Als normaler Messenger für den Alltagsgebrauch ist Briar aber nicht geeignet.

Links


Bedingt zu empfehlen


Signal

Big Tech Wer macht's? Schnittstellen Dezentralität
Bedienbarkeit E2EE Krypto Audit
Metadaten Telefonnummern Tracking Features
Freie Software Betriebssysteme Frei verfügbar Verbreitung
Begründung der einzelnen Bewertungen

Hier sehen Sie eine kurze Begründung, wieso die einzelnen Kriterien für diesen Messenger jeweils als grün (gut), gelb (akzeptabel) oder rot (schlecht) bewertet wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Kriterien finden Sie im gleichnamigen Abschnitt.

  • Big Tech (gelb): Signal wird nicht von Big Tech entwickelt. Allerdings läuft die zentrale Server-Infrastruktur von Signal ausschließlich auf den Cloud-Plattformen von Amazon und Microsoft. Da die Server-Software so geschrieben ist, dass sie nur auf diesen beiden Plattformen betrieben werden kann, ist Signal stark von diesen beiden Firmen abhängig.
  • Wer macht's? (grün): Hinter der Entwicklung steht eine in den USA registrierte gemeinnützige Stiftung.
  • Schnittstellen (rot): Die Schnittstellen sind nicht speziell dokumentiert. Interoperabilität mit anderen Clients oder Servern ist weder vorgesehen noch von den Entwickler.innen erwünscht.
  • Dezentralität (rot): Alle Nachrichten werden an die Server eines einzigen Anbieters übermittelt.
  • Bedienbarkeit (grün): Die Bedienung ist vergleichbar mit anderen Messengern und stellt Benutzer.innen nicht vor besondere Herausforderungen.
  • E2EE (grün): Nachrichten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist standardmäßig aktiviert und funktioniert auch in Gruppenchats problemlos.
  • Krypto (grün): Der Messenger verwendet etablierte kryptografische Primitive.
  • Audit (grün): Der Messenger wurde von fachkundigen Dritten auf Sicherheitslücken geprüft.
  • Metadaten (gelb): Metadaten werden zwar weitgehend vermieden, aber nicht durch Mechanismen wie Onion-Routing komplett verschleiert. Außerdem ist jeder Account mit einer Telefonnummer verknüpft, was zumindest in Ländern der Europäischen Union einer Ausweispflicht gleichkommt. Wirklich metadatenfrei ist Signal daher nicht.
  • Telefonnummern (rot): Für die Registrierung wird eine Telefonnummer verlangt, die auch verifiziert werden muss. Außerdem liest der Messenger standardmäßig das Adressbuch des Endgeräts aus und übermittelt die daraus gewonnenen Daten an Server in den USA, wobei allerdings einige zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Das Auslesen des Adressbuchs kann abgelehnt werden, ohne die restlichen Funktionen des Messengers zu beeinträchtigen. Um die eigene Telefonnummer nicht an alle Kontakte weitergeben zu müssen, haben Nutzer.innen die Möglichkeit, zusätzlich einen Nutzernamen anzulegen.
  • Tracking (grün): Der Messenger erhebt keine Nutzungsdaten und lädt auch beim Anzeigen von Nachrichten nicht automatisch Inhalte aus externen Quellen nach.
  • Features (grün): Der Messenger verfügt über alle grundlegenden Features und bietet mit Abstimmungen oder Audio- und Videotelefonie auch noch einige interessante Zusatzfunktionen.
  • Freie Software (grün): Sowohl der Client als auch der Server sind Freie Software.
  • Betriebssysteme (gelb): Der Messenger läuft auf iOS und Android. Es gibt auch eine Version für den PC, die allerdings immer mit einer Smartphone-App verknüpft werden muss. Eine Nutzung ganz ohne Smartphone ist nicht vorgesehen.
  • Frei verfügbar (grün): Der Messenger kann auch direkt von der Website der Entwickler.innen heruntergeladen werden.
  • Verbreitung (gelb): Der Messenger hat eine moderate Verbreitung. Die Play-Store-Version des Messengers wurde bereits 100 Millionen Mal installiert.

Signal ist eine weitgehend quelloffene, freie Software und ermöglicht dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vertrauliche Kommunikation. Das eigens entwickelte Kommunikationsprotokoll haben unabhängige Dritte in einem Audit für gut befunden. Es wird auch von vielen anderen Messengern benutzt. Signal ist einfach zu bedienen und unterstützt alle gängigen Funktionen: Einzel- und Gruppenchats, den Versand von Fotos, Videos und Audiodateien sowie – auf Wunsch verschlüsselte – Audio- und Videogespräche mit Einzelnen oder Gruppen. Über die Kommunikation fallen nur wenige Metadaten an. Allerdings ist Signal zentralisiert aufgebaut, sodass alle Metadaten an einer einzigen Stelle zusammenlaufen. Signal ist inzwischen recht weit verbreitet. Wer sich über Signal vernetzen möchte, braucht dank der Nickname-Funktion nicht die eigene Telefonnummer weiterzugeben. Signal erfüllt nicht alle unsere Kriterien und wird von uns nur eingeschränkt empfohlen. Es ist allerdings erheblich besser als WhatsApp und weil es in der Bedienbarkeit nah an WhatsApp herankommt, ist es der beste Kompromiss-Kandidat für alle, die einen niedrigschwelligen Umstieg von WhatsApp und Co suchen.

Übrigens: Wenn Sie Signal einrichten, haben Sie die Möglichkeit, Ihr gesamtes Adressbuch zu importieren. Von dieser Möglichkeit sollten Sie besser keinen Gebrauch machen. Stattdessen fügen Sie die Telefonnummern oder Nutzernamen Ihrer Kontakte lieber einzeln zu Signal hinzu. Dann haben Sie mehr Kontrolle darüber, welche Daten Sie an die Signal-Server übermitteln.

Digitalcourage-Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben.

Warum wir Signal nur eingeschränkt empfehlen:

  • Signal möchte das Finden von Kontakten erleichtern und gleicht deshalb das Telefonbuch ab, um anzeigen zu können, wer ebenfalls Signal hat. Das ist ein wichtiges Feature für die Akzeptanz des Messengers, ist aber auch problematisch, weil man mit diesem Abgleich Zugriff auf Informationen Dritter ermöglicht, was wir bei WhatsApp scharf kritisieren. Signal gibt sich jedoch große Mühe, das Problem einzudämmen: Der Vergleich findet in einem besonders geschützten Bereich des Servers statt und die Nummern werden nicht Klartext bearbeitet. Doch es bleibt ein Restrisiko. Außerdem kann man den Abgleich mit dem Telefonbuch auch unterbinden, muss dann aber auf den Komfort-Vorteil verzichten.

  • Signal ist immer an eine Telefonnummer geknüpft, aber nicht notwendig an die eigene Mobilnummer. Sie können zwar mittlerweile einen Benutzernamen wählen, damit Sie anderen Menschen die eigene Mobilnummer nicht mitteilen müssen, aber zur Registrierung braucht es weiterhin eine Telefonnummer. Auf dem Rechner funktioniert Signal bislang nur, wenn die Smartphoneapp oder der (nicht offizielle) Signal-Cli-Client installiert sind.

  • Signal hat keine offenen Schnittstellen. Die gesamte Kommunikation läuft über die Infrastruktur von Amazon, Cloudflare, Google und Microsoft. Von freier, unabhängiger Kommunikation kann also keine Rede sein.

  • Die Signal Messenger LLC hat ihren Firmensitz in den USA und unterliegt daher dem PATRIOT Act und dem CLOUD Act. Auf der Grundlage dieser Gesetze können Unternehmen gezwungen werden, Daten an Geheimdienste zu geben.

Die offizielle Androidversion von Signal gibt es im Google Play Store oder als Download auf der Website. Sie funktioniert auch ohne Google-Dienste. Falls die App nicht aus dem Play Store stammt, meldet sie sich, wenn Updates zur Verfügung stehen. Allerdings verwendet Signal unfreie Bibliotheken. Wer das vermeiden möchte, sollte sich die Signal-Varianten Molly-FOSS und Signal-FOSS ansehen. Über den F-Droid kann man Signal auch installieren, sofern man dem Guardian-Repository vertraut und dies verwendet.

Links



Threema

Big Tech Wer macht's? Schnittstellen Dezentralität
Bedienbarkeit E2EE Krypto Audit
Metadaten Telefonnummern Tracking Features
Freie Software Betriebssysteme Frei verfügbar Verbreitung
Begründung der einzelnen Bewertungen

Hier sehen Sie eine kurze Begründung, wieso die einzelnen Kriterien für diesen Messenger jeweils als grün (gut), gelb (akzeptabel) oder rot (schlecht) bewertet wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Kriterien finden Sie im gleichnamigen Abschnitt.

  • Big Tech (grün): Sowohl der Client als auch der Server können komplett unabhängig von Big Tech genutzt werden.
  • Wer macht's? (gelb): Hinter der Entwicklung steht eine Schweizer Firma, die kürzlich von einem deutschen Großinvestor übernommen wurde.
  • Schnittstellen (rot): Die Schnittstellen sind nicht speziell dokumentiert. Interoperabilität mit anderen Clients oder Servern ist weder vorgesehen noch von den Entwickler.innen erwünscht.
  • Dezentralität (rot): Alle Nachrichten werden an die Server eines einzigen Anbieters übermittelt.
  • Bedienbarkeit (grün): Die Bedienung ist vergleichbar mit anderen Messengern und stellt Benutzer.innen nicht vor besondere Herausforderungen.
  • E2EE (grün): Nachrichten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist standardmäßig aktiviert und funktioniert auch in Gruppenchats problemlos.
  • Krypto (grün): Der Messenger verwendet etablierte kryptografische Primitive.
  • Audit (grün): Der Messenger wurde von fachkundigen Dritten auf Sicherheitslücken geprüft.
  • Metadaten (gelb): Bei Threema fallen nur wenige Metadaten an. Server-Admins können allerdings sowohl die Threema-IDs von Absender und Empfänger als auch deren Nutzernamen sehen. Außerdem erhalten sie Informationen über die Anzahl und ungefähre Größe von Nachrichten.
  • Telefonnummern (orange): Der Messenger bietet die Möglichkeit, eine Telefonnummer mit dem eigenen Account zu verknüpfen. Er kann allerdings auch ohne Angabe einer Telefonnummer genutzt werden. Außerdem bietet der Messenger die Möglichkeit, das Adressbuch des Smartphones auszulesen, um die Telefonnummern Server-seitig mit den registrierten Nummern anderer Nutzer.innen abzugleichen, was wir sehr kritisch sehen.
  • Tracking (grün): Der Messenger erhebt keine Nutzungsdaten und lädt auch beim Anzeigen von Nachrichten nicht automatisch Inhalte aus externen Quellen nach.
  • Features (grün): Der Messenger verfügt über alle grundlegenden Features und bietet mit Audio- und Videotelefonie auch noch eine interessante Zusatzfunktion.
  • Freie Software (gelb): Der Client ist als Freie Software verfügbar, der Server jedoch nicht.
  • Betriebssysteme (gelb): Der Messenger läuft auf iOS und Android. Es gibt auch eine Version für den PC, die allerdings immer mit einer Smartphone-App verknüpft werden muss. Eine Nutzung ganz ohne Smartphone ist nicht vorgesehen.
  • Frei verfügbar (grün): Der Messenger kann auch über F-Droid oder direkt von der Website der Entwickler.innen heruntergeladen werden.
  • Verbreitung (rot): Der Messenger ist bisher kaum verbreitet. Die Play-Store-Version des Messengers wurde erst 5 Millionen Mal installiert.

Verglichen mit WhatsApp macht der Messenger Threema vieles richtig. Anstelle einer Telefonnummer, die Sie ebenso wie die E-Mail-Adresse freiwillig angeben können, verwendet er eine zufällig generierte ID. Chats, Bilder und andere Inhalte landen nicht in einer Cloud. Der Programmcode wird von Dritten häufig geprüft. Wie Signal, WhatsApp und andere verlässt sich auch Threema auf zentralisierte Server. Audio- und Videoanrufe mit Einzelnen oder Gruppen werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Aufgrund der zentralen Struktur kann Threema durch einen Wechsel der Eigentümer auch eine Veränderung in der Ausrichtung erfahren. Wie der Presse zu entnehmen ist, wurde 2020 die Mehrheit der Unternehmensanteile von der Investmentfirma Afinum Management übernommen und 2026 übernahm schließlich Comtis Capital alle Unternehmensanteile an der Threema AG. Wie sich solche Eigentümerwechsel langfristig auf den Messenger auswirken werden, bleibt abzuwarten.

Threema ist eine App für Mobilgeräte, lässt sich in Verbindung mit einem Mobilgerät aber auch auf dem Rechner benutzen. Sie können die App in den Appstores von Google und Apple und auf der Website von Threema kaufen. Standardmäßig setzt Threema bei Androidgeräten auf die Google-Play-Dienste beziehungsweise auf Googles Firebase Cloud Messaging, ruft aber alternativ Nachrichten regelmäßig vom Server ab. Threema Libre ist frei von Google Diensten. Wer Threema nicht aus dem Play Store hat, erfährt direkt in der App, wenn Updates zur Verfügung stehen.

Inzwischen ist der Quellcode frei verfügbar. Mit Threema Libre gibt es eine Version von Threema in einer eigenen Quelle des Entwicklers für den F-Droid-Store, die keinerlei Verbindung zu Google hat und ohne unfreie Bibliotheken auskommt. Der Quellcode des Threema-Servers lässt sich nach wie vor nicht einsehen.

Links



SimpleX Chat

Big Tech Wer macht's? Schnittstellen Dezentralität
Bedienbarkeit E2EE Krypto Audit
Metadaten Telefonnummern Tracking Features
Freie Software Betriebssysteme Frei verfügbar Verbreitung
Begründung der einzelnen Bewertungen

Hier sehen Sie eine kurze Begründung, wieso die einzelnen Kriterien für diesen Messenger jeweils als grün (gut), gelb (akzeptabel) oder rot (schlecht) bewertet wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Kriterien finden Sie im gleichnamigen Abschnitt.

  • Big Tech (grün): Sowohl der Client als auch der Server können komplett unabhängig von Big Tech genutzt werden.
  • Wer macht's? (rot): Hinter der Entwicklung steht ein privater Ein-Mann-Betrieb aus London. Finanziell ist der Entwickler stark von einzelnen privaten Großinvestoren abhängig.
  • Schnittstellen (gelb): Die Schnittstellen sind nicht in offiziellen Internet-Standards (RFCs) dokumentiert, sondern werden lediglich in einem Git-Repository beschrieben.
  • Dezentralität (grün): Nachrichten werden über dezentral organisierte Server ausgetauscht.
  • Bedienbarkeit (rot): In unseren letzten Tests von SimpleX Chat auf Android haben einige Versionen der App gar nicht und andere nur sehr schlecht funktioniert. Daher müssen wir die Bedienbarkeit derzeit leider als schlecht einstufen. Wir hoffen, dass diese Probleme bald gelöst werden und wir die Bedienbarkeit dann wieder als akzeptabel oder sogar als gut einstufen können.
  • E2EE (grün): Nachrichten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist standardmäßig aktiviert und funktioniert auch in Gruppenchats problemlos.
  • Krypto (grün): Der Messenger verwendet etablierte kryptografische Primitive.
  • Audit (grün): Der Messenger wurde von fachkundigen Dritten auf Sicherheitslücken geprüft.
  • Metadaten (grün): Bei SimpleX Chat wird für jede Verbindung eine eigene Nutzerkennung generiert. Dadurch ist es auch für Server-Admins nur schwer möglich, verschiedene Verbindungen derselben Person zuzuordnen und so größere Mengen an Metadaten zusammenzuführen.
  • Telefonnummern (grün): Die Angabe einer Telefonnummer ist nicht vorgesehen. Auch das Adressbuch des Smartphones wird nicht ausgelesen.
  • Tracking (grün): Der Messenger erhebt keine Nutzungsdaten und lädt auch beim Anzeigen von Nachrichten nicht automatisch Inhalte aus externen Quellen nach.
  • Features (grün): Der Messenger verfügt über alle grundlegenden Features und bietet mit Audio- und Videotelefonie auch noch interessante Zusatzfunktionen.
  • Freie Software (grün): Sowohl der Client als auch der Server sind Freie Software.
  • Betriebssysteme (grün): Der Messenger läuft sowohl auf iOS und Android als auch auf allen gängigen PC-Betriebssystemen.
  • Frei verfügbar (grün): Der Messenger kann auch über F-Droid oder direkt von der Website der Entwickler.innen heruntergeladen werden.
  • Verbreitung (rot): Der Messenger ist bisher kaum verbreitet. Die Play-Store-Version des Messengers wurde erst 500 Tausend Mal installiert.

Der freie Messenger SimpleX Chat ist ein noch sehr junges Projekt, das erstmals 2022 veröffentlicht wurde. Der Messenger legt ein besonderes Augenmerk auf die Verschleierung von Metadaten. Statt alle Nachrichten in einem einzigen Postfach zu sammeln, verwendet der Messenger für jeden Chat ein gesondertes pseudonymes Postfach. Dadurch ist es für Außenstehende besonders schwer herauszufinden, wer mit wem kommuniziert. Gleichzeitig erhöht diese Entscheidung aber auch den Daten- und Akkuverbrauch, da zahlreiche Postfächer auf neue Nachrichten geprüft werden müssen. Gruppennachrichten wurden ursprünglich einzeln an alle Gruppenmitglieder zugestellt, was den Datenverbrauch ebenfalls erhöht. Inzwischen werden Nachrichten an mehrere Empfänger.innen, ähnlich wie bei E-Mail, von einem speziellen Postausgangsserver an alle Postfächer verteilt. Das reduziert zwar den Datenverbrauch auf dem Endgerät, sorgt aber dafür, dass doch wieder mehr Metadaten über die Kommunikation anfallen.

Der Messenger ist zwar aus technischer Sicht sehr interessant, hat aber auch einige Schwächen, weshalb wir ihn derzeit nur eingeschränkt empfehlen können. Anders als bei Delta Chat und XMPP sind die Schnittstellen, die SimpleX Chat verwendet, nur auf der Projekt-Website dokumentiert und nicht in allgemeinen Internet-Standards. Außerdem steht hinter SimpleX Chat hauptsächlich ein einziger Entwickler, der finanziell stark von wenigen Großinvestoren abhängig ist. Daher ist fraglich, wie langlebig SimpleX Chat sein wird.

Auch die Bedienbarkeit kann derzeit noch eine Herausforderung darstellen. In unseren letzten Tests von SimpleX Chat auf Android haben einige Versionen der App gar nicht funktioniert und andere nur sehr schlecht. Außerdem soll die Gruppenfunktion recht fehleranfällig sein. Wir hoffen natürlich, dass diese Probleme in der Bedienbarkeit in Zukunft gelöst werden.

Links

Werbebanner für die Büchleinreihe „kurz&mündig“


Nicht zu empfehlende Messenger

WhatsApp

Big Tech Wer macht's? Schnittstellen Dezentralität
Bedienbarkeit E2EE Krypto Audit
Metadaten Telefonnummern Tracking Features
Freie Software Betriebssysteme Frei verfügbar Verbreitung
Begründung der einzelnen Bewertungen

Hier sehen Sie eine kurze Begründung, wieso die einzelnen Kriterien für diesen Messenger jeweils als grün (gut), gelb (akzeptabel) oder rot (schlecht) bewertet wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Kriterien finden Sie im gleichnamigen Abschnitt.

  • Big Tech (rot): WhatsApp gehört Meta, dem Mutterkonzern von Facebook und damit einem der fünf größten Tech-Unternehmen der Welt.
  • Wer macht's? (rot): Meta ist ein Werbeunternehmen, das ein Monopol auf die Kommunikation im Internet anstrebt, um die Aufmerksamkeit seiner Nutzer.innen besser verkaufen zu können. Der Konzern ist regelmäßig in den Schlagzeilen, weil er das Wohlergehen von Nutzer.innen dem finanziellen Profit des Unternehmens unterordnet.
  • Schnittstellen (rot): Die Schnittstellen sind nicht speziell dokumentiert. Interoperabilität mit anderen Clients oder Servern ist weder vorgesehen noch von den Entwickler.innen erwünscht.
  • Dezentralität (rot): Alle Nachrichten werden an die Server eines einzigen Anbieters übermittelt.
  • Bedienbarkeit (grün): Die Bedienung ist vergleichbar mit anderen Messengern und stellt Benutzer.innen nicht vor besondere Herausforderungen.
  • E2EE (grau): Da der Quellcode von WhatsApp geheim gehalten wird, kann nicht unabhängig überprüft werden, ob Nachrichten effektiv durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt sind.
  • Krypto (grün): Der Messenger verwendet etablierte kryptografische Primitive.
  • Audit (grün): Der Messenger wurde von fachkundigen Dritten auf Sicherheitslücken geprüft.
  • Metadaten (rot): Metadaten werden nicht speziell geschützt.
  • Telefonnummern (rot): Für die Registrierung wird eine Telefonnummer verlangt, die auch verifiziert werden muss. Außerdem liest der Messenger standardmäßig das Adressbuch des Endgeräts aus und übermittelt die daraus gewonnenen Daten an Server in den USA. Das Auslesen des Adressbuchs kann abgelehnt werden, ohne die restlichen Funktionen des Messengers zu beeinträchtigen. Um die eigene Telefonnummer nicht an alle Kontakte weitergeben zu müssen, haben Nutzer.innen die Möglichkeit, zusätzlich einen Nutzernamen anzulegen. (Das letztgenannte Feature ist allerdings Stand Juli 2026 noch nicht komplett ausgerollt.)
  • Tracking (rot): Der Messenger erhebt und verarbeitet Nutzungsdaten. Außerdem lädt er beim Anzeigen von Nachrichten teils automatisch Inhalte aus externen Quellen nach.
  • Features (grün): Der Messenger verfügt über alle grundlegenden Features und bietet mit Abstimmungen, Kanälen, Audio- und Videotelefonie auch noch einige interessante Zusatzfunktionen.
  • Freie Software (rot): Weder Client noch Server sind Freie Software.
  • Betriebssysteme (gelb): Der Messenger läuft auf iOS und Android. Es gibt auch eine Version für den PC, die allerdings immer mit einer Smartphone-App verknüpft werden muss. Eine Nutzung ganz ohne Smartphone ist nicht vorgesehen.
  • Frei verfügbar (rot): Der Messenger kann nur über den Apple App Store oder den Google Play Store bezogen werden.
  • Verbreitung (grün): Der Messenger ist sehr weit verbreitet. Die Play-Store-Version des Messengers wurde bereits 10 Milliarden Mal installiert.

WhatsApp gehört zu Meta, das ein Monopol auf die Kommunikation im Internet anstrebt. Über WhatsApp gesammelte Daten werden mit anderen Sparten von Meta und diversen Drittanbietern ausgetauscht. Zwar verspricht WhatsApp, dass Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen werden und dass auch das Unternehmen selbst den Inhalt von Nachrichten nicht mitlesen kann; allerdings laufen aktuell (Stand Mai 2026) mehrere Gerichtsverfahren zum Vorwurf, dass dies nicht stimmt. Unabhängig davon, wie diese Gerichtsverfahren enden, gilt, dass der Source Code von WhatsApp geheim gehalten wird, was eine wirklich unabhängige Sicherheitsüberprüfung verhindert. Von einer vertrauenswürdigen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in WhatsApp kann also ohnehin keine Rede sein.

WhatsApp scannt das Telefonbuch, um Kontakte zu finden, und zeigt keinerleit Bemühungen, damit sensibel umzugehen. WhatsApp erhält dabei technisch Zugriff auf mehr als nur die Telefonnummern. Nach eigener Darstellung lädt es zum Kontaktabgleich vor allem die Telefonnummern hoch. Ob es weitere zugängliche Felder ausliest oder überträgt, lässt sich bei der proprietären App von außen nicht verlässlich ausschließen.

Da wir Meta grundsätzlich kritisch sehen und WhatsApp unsere Kriterien für gute Messenger in keinster Weise erfüllt, raten wir dringend von WhatsApp ab.


Telegram

Big Tech Wer macht's? Schnittstellen Dezentralität
Bedienbarkeit E2EE Krypto Audit
Metadaten Telefonnummern Tracking Features
Freie Software Betriebssysteme Frei verfügbar Verbreitung
Begründung der einzelnen Bewertungen

Hier sehen Sie eine kurze Begründung, wieso die einzelnen Kriterien für diesen Messenger jeweils als grün (gut), gelb (akzeptabel) oder rot (schlecht) bewertet wurden. Eine ausführliche Beschreibung der Kriterien finden Sie im gleichnamigen Abschnitt.

  • Big Tech (grün): Telegram gehört keinem der fünf großen Big-Tech-Unternehmen. Die Serverinfrastruktur ist über mehrere voneinander unabhängige Rechenzentren verteilt und wird von den Telegram-Entwickler.innen selbst betrieben. Eine Abhängigkeit von Big Tech besteht auch hier nicht.
  • Wer macht's? (gelb): Telegram gehört dem Multimilliardär Pawel Durow. Durow ist eine schillernde Persönlichkeit, hat sich aber immer wieder gegen Zensur und staatliche Überwachung ausgesprochen und für die Privatssphäre der Nutzer.innen seines Messengers eingesetzt. Das macht ihn unter den Tech-Multimilliardären noch zu einem der vertrauenswürdigeren. Noch besser ist es natürlich, wenn ein Messenger überhaupt nicht von einer einzigen Person kontrolliert wird.
  • Schnittstellen (gelb): Die Schnittstellen sind nicht in offiziellen Internet-Standards (RFCs) dokumentiert, sondern werden lediglich auf der Telegram-Website beschrieben. Anders als bei Signal oder WhatsApp werden unabhängige Clients explizit geduldet.
  • Dezentralität (rot): Alle Nachrichten werden an die Server eines einzigen Anbieters übermittelt.
  • Bedienbarkeit (grün): Die Bedienung ist vergleichbar mit anderen Messengern und stellt Benutzer.innen nicht vor besondere Herausforderungen.
  • E2EE (rot): Die optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist nur in Einzelchats verfügbar. Standardmäßig ist sie deaktiviert. Gruppenchats können überhaupt nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt werden.
  • Krypto (rot): Die Kryptografie basiert nicht auf etablierten Primitiven, sondern wurde von Pawel Durows Bruder Nikolai speziell für Telegram entwickelt. Anders als bei etablierten Primitiven gab es hier also keine breite Debatte akademischer Expert.innen über die Sicherheit dieser Methoden. Von vertrauenswürdiger Kryptografie kann also bei Telegram keine Rede sein.
  • Audit (grün): Der Messenger wurde von fachkundigen Dritten auf Sicherheitslücken geprüft.
  • Metadaten (rot): Metadaten werden nicht speziell geschützt.
  • Telefonnummern (gelb): Zur Registrierung musste lange Zeit eine Telefonnummer angegeben werden, die auch verifiziert wurde. Inzwischen gibt es auch einen zweiten (Blockchain-basierten) Registrierungsweg, bei dem keine Telefonnummer mehr angegeben werden muss. Außerdem bietet der Messenger die Möglichkeit, das Adressbuch des Smartphones auszulesen, um die Telefonnummern Server-seitig mit den registrierten Nummern anderer Nutzer.innen abzugleichen, was wir sehr kritisch sehen.
  • Telefonnummern (grün): Neben Telefonnummern unterstützt Telegram inzwischen noch einen Blockchain-basierten Registrierungsweg, bei dem keine Telefonnummer mehr angegeben werden muss. Auch wenn zur Registrierung eine Telefonnummer verwendet wurde, muss diese nicht an Kontakte weitergegeben werden.
  • Tracking (gelb): Laut eigener Auskunft verwenden aktuelle Versionen von Telegram keine Tracker. Auch eine unabhängige Untersuchung von Exodus Privacy konnte seit mehreren Jahren keine bekannten externen Tracker in der Android-App finden. Inwiefern Telegram externe Inhalte nachlädt, konnten wir nicht abschließend klären. Allerdings stellt die Bot-API einige Funktionen bereit, durch die Inhalte von externen Servern nachgeladen werden können.
  • Features (grün): Der Messenger verfügt über alle grundlegenden Features und bietet außerdem noch zahlreiche Zusatzfunktionen wie Audio- und Videotelefonie und Apps, die direkt im Messenger laufen.
  • Freie Software (gelb): Bei den zahlreichen Telegram-Clients handelt es sich um Freie Software. Die Server-Software wurde bisher nicht veröffentlicht.
  • Betriebssysteme (grün): Der Messenger läuft sowohl auf iOS und Android als auch auf allen gängigen PC-Betriebssystemen.
  • Frei verfügbar (grün): Die offiziellen Clients können auch direkt über die Website der Entwickler.innen heruntergeladen werden. Einige alternative Clients sind auch in F-Droid verfügbar.
  • Verbreitung (gelb): Der Messenger ist weit verbreitet. Die Play-Store-Version des Messengers wurde bereits 1 Milliarde Mal installiert.

Telegram finanziert sich über kontextbasierte Werbung und lässt sich Zusatzfunktionen bezahlen. Standard ist unverschlüsselte Kommunikation, verschlüsselte Chats funktionieren nicht auf allen Systemen und auch nicht geräteübergreifend. Kontakte und Nachrichten werden unverschlüsselt auf dem zentralen, nicht quelloffenen Server gespeichert. Da der Telegram-Eigentümer teilweise bereit ist, sich mit staatlichen Behörden anzulegen, leistet der Messenger in einigen autoritären Regimen wie Russland oder Iran einen wichtigen Beitrag zur Umgehung staatlicher Zensur. Für sichere und vertrauliche Kommunikation können wir Telegram allerdings nicht empfehlen.


Apple iMessage

iMessage ist der Messenger von Apple und steckt schon in der Nachrichtenapp. Die Nachrichten seien Ende-zu-Ende-verschlüsselt, heißt es. Da der Quellcode nicht öffentlich ist, weiß nur Apple, ob das stimmt. Wir können iMessage nicht empfehlen.


Facebook Messenger

Der Facebook Messenger räumt sich umfassende Berechtigungen ein, was sich nur mit einigem Aufwand verhindern lässt. Wenn überhaupt. Wir empfehlen ihn nicht, schon weil wir grundsätzlich vor Facebook warnen.


Google Messages

Messages ist Googles Standardanwendung zum Verschicken von Nachrichten auf Androidgeräten. Da die Kommunikation nicht immer Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist und Google sowieso viel zu viele Daten von uns hat, raten wir von Messages ab.


Session

Der Messenger Session scheint tief in die #AltRight- und Chan-Kultur verstrickt zu sein, wie 2019 beim Chaos Communication Congress berichtet wurde (ab Minute 26:55). Außerdem gibt es einige Sicherheitsbedenken bezüglich der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Von uns ein klares Nein zu Session.


WeChat

WeChat gehört dem chinesischen Technikgiganten Tencent und ist nicht nur ein Messenger, sondern auch ein soziales Netz. Datenschutz spielt bei WeChat keine Rolle, im Gegenteil: In China wird die App genutzt, um Menschen auszuspähen. Von WeChat raten wir nachdrücklich ab.


Line

Der proprietäre Messenger Line ist insbesondere in Japan, Taiwan und Thailand verbreitet und bietet zahlreiche Zusatzfunktionen wie komerzielle Mini-Apps, die direkt im Messenger laufen, oder einen eigenen Bezahldienst. Privatssphärefreundlich ist der Messenger allerdings nicht.

Es gibt noch mehr Messenger, die kritisch zu sehen sind. Woran Sie einen guten Messenger erkennen, erklären wir im folgenden Abschnitt.


Kriterien für gute Messenger

Was macht einen Messenger zu einem guten Messenger? Für uns sind es die folgenden Punkte:

  • Kein Big Tech: Die Unternehmen Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft (kurz: GAFAM oder Big Tech) beherrschen den digitalen Markt durch Monopolisierung und machen damit die Produkte schlechter, erschweren offene technische Standards und beuten ihre Nutzer.innen auf manipulative Weise aus. Es geht ihnen um Marktmacht, die sie oft auch mit unlauteren Mitteln durchsetzen. Wie stark ein Messenger auf der Software von Big Tech basiert, ist dabei übrigens nicht immer sofort ersichtlich – denn selbst Messenger, die eigentlich von anderen Anbietern entwickelt werden, sind unter Umständen Server-seitig komplett von der proprietären Infrastruktur von Big Tech abhängig.

  • Wer macht's?: Ein guter Messenger stellt durch technische Mechanismen sicher, dass Ihre Nachrichten vertraulich bleiben und dass auch möglichst wenige Metadaten über Ihne Kommunikation gesammelt werden können. Dennoch ist nicht ganz unerheblich, wer den Messenger programmiert und wer die Server betreibt. Wenn beispielsweise eine große Werbefirma mit großem finanziellen Einsatz einen neuen Messenger auf den Markt bringt, ist es nicht ganz abwegig anzunehmen, dass sie damit auch eigennützige Hintergedanken verfolgt. Ein wirklich guter Messenger bietet daher beides, sowohl technische Exzellenz als auch eine nachvollziehbare und vertrauenswürdige Finanzierung der Entwicklungskosten.

  • Offene Schnittstellen: Das Kommunikationsprotokoll, das festlegt, wie eine Nachricht von A nach B kommt, muss vollständig dokumentiert oder anderweitig verfügbar sein. Das gilt sowohl für die Kommunikation zwischen Server und Endgerät als auch für die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Servern. Nur durch diese Offenheit kann ein freier Markt entstehen, auf dem unterschiedliche Apps und Anbieter miteinander interoperabel sind; und nicht irgendwann zu einem zweiten WhatsApp werden. Im Idealfall sind die offenen Schnittstellen, die dabei verwendet werden, übrigens nicht nur öffentlich zugänglich, sondern werden auch in entsprechenden Gremien diskutiert und dann beispielsweise als RFC veröffentlicht.

  • Dezentralität: Bei vielen Messengern liegt alles in der Hand einer einzigen Firma oder Organisation. Diese Organisation betreibt die Server, stellt die App zur Verfügung und behält die Kontrolle darüber, wer einen Account anlegen kann und welche Accounts gesperrt werden. Ein guter Messenger dagegen ist nicht das Eigentum einer einzigen Organisation, sondern ein Teil der öffentlichen Infrastruktur. Wie bei E-Mails gibt es nicht einen einzigen Anbieter, dessen AGB Sie wohl oder übel akzeptieren müssen, wenn Sie den Messenger nutzen wollen, sondern es gibt mehrere Anbieter, die Nachrichten untereinander austauschen. So haben Sie die Möglichkeit, Ihren Anbieter zu wechseln, wenn sich beispielsweise die AGB ändern, und Sie verlieren trotzdem nicht die Möglichkeit, weiter mit Ihren Freundinnen und Bekannten in Kontakt zu bleiben.

  • Bedienbarkeit: Ein guter Messenger ist nicht nur informationstechnisch sicher, sondern auch einfach zu bedienen. Immerhin wollen Sie damit all Ihren Bekannten und Freundinnenen schreiben können und nicht nur denen, die sich mit Computern besonders gut auskennen.

  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE): Nachrichten sollten schon vor dem Senden verschlüsselt und erst auf dem Empfangsgerät wieder entschlüsselt werden. So kann weder der Internetanbieter noch die Betreiberin des Dienstes oder der Server den Inhalt der Kommunikation sehen. Außerdem sollte die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung standardmäßig aktiviert, einfach zu bedienen und zuverlässig sein. Sowohl in 1:1-Chats als auch in Gruppenchats. Denn wenn die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung das Chatten unbequemer macht, ist die Versuchung groß, sie zu deaktivieren. Und eine deaktivierte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet eben keinen Schutz.

  • Solide Krypto: Die Verschlüsselung sollte auf dem Stand der Technik sein und nachvollziehbare Kryptografie verwenden.

  • Externes Audit: Fachkundige Dritte sollten die Software auf Sicherheitslücken geprüft haben und auch weiterhin regelmäßig prüfen.

Wir setzen uns für Ihre Privatsphäre und Ihre Grundrechte ein. Werden Sie Fördermitglied bei Digitalcourage.

  • Metadaten vermeiden und verschleiern: Bei der Übermittlung von Nachrichten fallen neben dem eigentlichen Inhalt immer auch sogenannte Metadaten an, die zwar nicht Teil der eigentlichen Nachricht sind, die aber dennoch viel über einen Chat verraten. Zu diesen Metadaten gehören beispielsweise das Datum einer Nachricht, der Absender, die Empfängerin, die Information darüber, ob es sich bei einer Nachricht um eine Antwort auf eine vorherige Nachricht handelt, oder auch darüber, ob die Nachricht an eine Gruppe versendet wurde, wie die Gruppe heißt und wer alles Teil dieser Gruppe ist. Leider ist es schwer möglich, solche Metadaten komplett zu vermeiden, da sie in vielen Systemen auch für die korrekte Zustellung der Nachrichten benötigt werden. Ein privatsphärefreundlicher Messenger gibt sich allerdings Mühe, dass nur so wenige Metadaten anfallen wie unbedingt nötig. Ein richtig guter Messenger betreibt außerdem zusätzlichen Aufwand, um die Metadaten über die Kommunikation der Nutzenden gezielt zu verschleiern.

  • Umgang mit Telefonnummern: Einige Messenger verwenden die Telefonnummer, um Sie zu identifizieren. Das kann zwar bequem sein, um Kontakte zu finden, aber wirklich privatsphärefreundlich ist es nicht. Ein Messenger sollte daher mindestens die Möglichkeit bieten, den eigenen Kontakten statt der Telefonnummer alternativ einen Nutzernamen zu nennen. Ein wirklich privatsphärefreundlicher Messenger fordert Sie aber von vornherein nicht auf, Ihre Telefonnummer anzugeben. Besonders kritisch sehen wir, dass manche Messenger auf das Adressbuch des Smartphones zugreifen, um es dann online mit einer Liste an Nummern abzugleichen, die dem Anbieter des Messengers vorliegt. Dadurch werden nicht nur die eigenen Daten an den Hersteller weitergegeben, sondern auch die Daten aller Kontaktpersonen, die im Adressbuch gespeichert sind. Ein Messenger, der so massiv in die Privatspäre der Nutzenden (und all ihrer Kontakte!) eingreift, ist für uns ein absolutes No-Go.

  • Kein Tracking: Eine App, die private Kommunikation verspricht, darf ihren Nutzer.innen nicht hinterherschnüffeln und keine Softwarekomponenten enthalten, die Nutzungsdaten sammeln und übertragen. Außerdem sollte sie es auch vermeiden, zum Anzeigen von Nachrichten unnötig oft auf externe Server zuzugreifen. Wenn beispielsweise Bilder, Schriftarten oder CSS-Stile automatisch von Websites heruntergeladen werden, dann kann dies entweder vom Anbieter der App selbst oder auch von Dritten dazu missbraucht werden, ausführliche Nutzungsprofile anzulegen, was einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre bedeuten würde.

  • Features: Von einem Messenger erwarten wir, dass man damit bequem Text-, Bild- und Sprachnachrichten verschicken kann sowie kurze Videos und Dateianhänge, und zwar sowohl in 1:1-Chats als auch in Gruppenchats. Gute Messenger bieten darüber hinaus auch noch ein paar nette Zusatzfunktionen, beispielsweise Reactions, Sticker, Abstimmungen, Videoanrufe oder Ähnliches.

  • Freie Software: Für den Messenger gilt ebenso wie für den Server, auf dem er läuft: Der Quellcode soll öffentlich zugänglich sein, damit unabhängige Dritte ihn prüfen können. Die Software soll unter einer freien Lizenz stehen, zum Beispiel der GNU GPL, damit sie auch anderweitig verwendet und vor allem weiterentwickelt werden kann. Nur so entsteht langfristig Software, die den Ansprüchen der Nutzer.innen genügt.

  • Verschiedene Betriebssysteme: Ein Messenger muss mindestens auf Android und iOS (iPhone / iPad) laufen, weil die beiden Betriebssysteme zusammen mehr als 90 Prozent des Marktes abdecken. Ein guter Messenger läuft aber auch auf anderen Systemen, und zwar nicht nur zusätzlich zur App auf dem Smartphone, sondern für alle, die das wollen, auch als echte Alternative.

  • Frei verfügbar: Damit Sie nicht extra ein Google-Konto einrichten müssen, sollten Messenger für Android nicht nur im Google Play Store angeboten werden, sondern auch direkt bei den Hersteller.innen oder bei F-Droid, der Bezugsquelle für freie und quelloffene Software.

  • Verbreitung: Die Verbreitung eines Messengers ist weder für die Sicherheit noch für den Datenschutz wichtig. Aber ein Messenger, den niemand verwendet, hat keinen praktischen Nutzen. Entsprechend ist die Verbreitung für die Messenger-Wahl nicht unerheblich.

Die Gewichtung dieser Kriterien ist sicher von Person zu Person verschieden. Und wie bereits gesagt: Den perfekten Messenger gibt es nicht!

Werbebanner für die Büchleinreihe „kurz&mündig“

Argumentationshilfen: Wie überzeuge ich andere von der Nutzung eines datensparsameren Messengers?

Jetzt geht es darum, Ihre Kontakte zu überzeugen. Denn der beste Messenger bringt nichts, wenn Sie die wichtigen Leute dort nicht erreichen. Doch wie bekommt man sie vom Quasi-Monopolisten WhatsApp entwöhnt? Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, Ansichten und Prioritäten. Deshalb gibt es nicht den einen Messenger, der von allen Zielgruppen favorisiert wird. Sie werden sehr schwer alle anderen davon überzeugen können, ihren Messenger komplett zu verlassen. Es ist aber bereits viel geholfen, wenn zumindest ein Teil Ihrer Daten nicht bei einem problematischen Messenger anfällt. Hier einige Argumente, mit denen Sie andere überzeugen können, ergänzend zu ihrem bevorzugten einen weiteren Messenger auszuprobieren:

Warum sollte man überhaupt wechseln?

  • Manche Konzerne sollten nicht unterstützt werden: Als Nutzer.in eines Messengers wie WhatsApp unterstützt man sowohl die Firma als auch ihre Eigentümer und ihre Geschäftspraktiken. Nutzerinnen haben hier als Kunden eine Wahl, Firmen und Herstellern die Unterstützung zu entziehen, wenn Sie mit der Einstellung der Firma nicht einverstanden sind.
  • Wir zahlen mit unserer Aufmerksamkeit: Konzerne wie Meta verdienen Geld mit Werbung. Dazu machen sie Nutzer.innen von ihren Angeboten abhängig. Sobald die Plattform alternativlos erscheint, schalten sie so viel Werbung wie möglich. Der Fokus liegt dann nicht mehr darauf, einen möglichst guten Messenger zu machen, sondern Sie so lange wie möglich in der App zu beschäftigen. Mehr Aufmerksamkeit gleich mehr Einnahmen für Meta.
  • WhatsApp ist teuer: Für Privatnutzer.innen ist WhatsApp zwar kostenlos, aber wer beispielsweise einen Newsletter über WhatsApp versenden will, zahlt dafür erschreckend hohe Preise. Stand Juli 2026 liegt der Preis pro Newsletter-Nachricht, die an eine deutsche WhatsApp-Nummer zugestellt wird, bei etwas über 11 Cent. Wenn Sie nur über WhatsApp erreichbar sind, animieren Sie auch Nachrichtenportale, öffentliche Rundfunkanstalten und gemeinnützige Vereine dazu, diese Preise zu zahlen.
  • Es geht nur um Ihr Profil: Meta sammelt eine Menge Daten, die weit über das hinausgehen, was WhatsApp zum Ausliefern der Nachrichten braucht. Diese Daten werden zur Profilbildung genutzt und mit anderen Sparten des Konzerns geteilt. Im besten Fall werden diese Daten für gezielte Werbung genutzt. Im schlimmsten Fall zur Manipulation von Nutzern durch gezielte Informationen. Anhand des Profils werden Nutzer.innen dann weitere Inhalte, Channels oder Profile vorgeschlagen. Diese Angebote können dazu führen, das man sich Informationen, Kontakte, Nachrichten und Gruppen nicht mehr selbst aussucht.
  • Daten auch für KI Training: Seit 2025 nutzt Meta die Daten, die über WhatsApp erhoben werden, auch für das Training von KI-Systemen. Dem muss man aktiv widersprechen. Das spricht auch für die Mentalität, die hinter diesem Geschäftsgebaren steht. Wir werden nicht gefragt, ob diese Daten genutzt werden können. Es wird standardmäßig vorausgesetzt.
  • Neue Funktionen: WhatsApp hat sich mit der Zeit weiterentwickelt und viele neue Funktionen eingebaut. Gerade wird die App zu einer weiteren Social Media Plattform umgebaut. Für viele ist das total nervig, weil sie eigentlich „einfach nur einen Messenger“ haben wollen, der ihnen keine Channels vorschlägt. Wenn man tatsächlich zu den Powerusern gehört, die die neuen Funktionen nutzen, dann gibt es bei anderen Messengern auch interessante Funktionen, ganz ohne Daten abzugeben und ohne aufdringliche Angebote.
  • WhatsApp hinkt technisch hinterher: WhatsApp ist vor allem aufgrund des Netzwerkeffekts verbreitet, nicht weil der Messenger besser funktioniert oder mehr Funktionen bietet als die Alternativen. Messenger wie Telegram, Line oder Delta Chat bieten beispielsweise längst die Möglichkeit, die Grundfunktionen des Messengers über Mini-Apps zu erweitern. Dadurch kann man mit diesen Messengern nicht wie bei WhatsApp oder Signal nur einfache Umfragen durchführen, sondern auch zahlreiche andere Aufgaben lösen. In Delta Chat können Sie beispielsweise auch gemeinsame Einkaufslisten verwalten, Ausgaben in einer Gruppe aufteilen, miteinander Schach spielen und sogar gemeinsam Texte bearbeiten. Und all das direkt im Einzel- oder Gruppenchat. Ganz ohne zusätzliche Accounts, Server oder AGB – und vor allem ohne dass die gemeinsame Einkaufsliste in einer großen Datenbank landet und später an Werbepartner verkauft wird.

Digitalcourage-Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben.

Wie schaffen wir den Wechsel?

  • Einige Mutige müssen den Anfang machen: Ein Wechsel startet nur, indem jemand vorangeht. Hierzu ist es nicht nötig, einen harten Schnitt zu machen. Man kann auch parallel einen weiteren Messenger testen und als Alternative vorschlagen. Ein zweiter Messenger kann auch die Resilienz erhöhen. Falls WhatsApp durch weitere Entscheidungen oder Entwicklungen in der Zukunft keine Option mehr ist (ähnlich, wie dies vor einiger Zeit bei Twitter geschehen ist), dann ist eine Alternative schon vorbereitet.
  • Überzeugungskraft des Faktischen: Logische Gründe sind zwar gut, aber oft sind es die ganz simplen Dinge, die uns zu einem Wechsel bewegen. Schicken Sie die Fotos vom Enkelkind nur über die Signal-Gruppe (und beachten Sie dabei unsere Hinweise zum Verbreiten von Fotos!), schicken Sie wichtige Infos nicht über WhatsApp. Wer die Infos wirklich haben will, wird sicher auch einen weiteren Messenger installieren.
  • Freundschaftsdienst einfordern: Weisen Sie darauf hin, dass es unsolidarisch ist, Sie unter Druck zu setzen, einen bestimmten Messenger mit inakzeptablen AGB zu installieren. Machen Sie im Zweifel ein persönliches Anliegen daraus. Das Installieren eines zweiten Messengers kostet kaum Zeit und Speicher, stellt also eine Wertschätzung der gemeinsamen Beziehung ohne nennenswerten Aufwand dar.

Weiterführende Links


Digitalcourage setzt sich auch für Ihre Privatsphäre und Ihre Grundrechte ein. Unterstützen Sie das mit einer Spende oder mit einer Fördermitgliedschaft.


Hinweis:
Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch nicht durch unsere Empfehlungen. Programme können unentdeckte Fehler haben, Datenschnüffeltechniken entwickeln sich weiter. Bleiben Sie aufmerksam!

Wir aktualisieren unsere Texte in unregelmäßigen Abständen. Prüfen Sie das Datum der letzten Überarbeitung unter „Letztes Update“. Sollten Sie Fehler finden, Ergänzungen haben oder Empfehlungen bei Ihnen nicht funktionieren, geben Sie uns Bescheid.