James Rudolph CC by 2.0 James Rudolph CC by 2.0

Sie haben das mulmige Gefühl, dass Sie etwas Falsches tun, wenn Sie Facebook oder Twitter benutzen? Dieses Gefühl täuscht Sie nicht. Es gibt gute Gründe, die Social-Media-Großmächte zu meiden. Aber Sie müssen nicht auf Social Media verzichten, um Ihre Privatsphäre und Selbstbestimmung zu behalten. Es gibt gute Alternativen. In diesem Text zeigen wir Ihnen, wie Sie das Fediverse unverbindlich ausprobieren können, ohne gleich alle Brücken abzubrechen. Zugegeben: Für Facebook haben wir keine Lösung. Da hilft nur gründliches Löschen. Aber im Folgenden zeigen wir Ihnen, wie Sie Twitter und das Fediverse gleichzeitig nutzen können, ohne dass Sie doppelt so viel Zeit aufwenden müssen.

Fedi ... was?

Aber was ist eigentlich das Fediverse? Das Wort kommt von „Federated Universe“. Es handelt sich um ein dezentrales Kommunikationsnetz – wie es sich bei der E-Mail bewährt hat, aber ohne Spam. Wie bei der E-Mail wählt man zuerst einen Anbieter aus. Das sind Server, auf denen freie Software läuft – meist GNU social oder das neuere Mastodon, auf das wir uns hier konzentrieren. Diese Server nennt man auch Instanzen. Sie werden in der Regel von Enthusiasten betrieben, und die Benutzung ist meist kostenlos. Viele haben einen thematischen Schwerpunkt. Eine passende Instanz kann man zum Beispiel über diese Datenbank finden: https://instances.social/. Wie beim E-Mailen spielt es technisch kaum eine Rolle, bei welcher Instanz man ist – die Nutzer einer Instanz können denen anderer Instanzen folgen.

Um Digitalcourage im Fediverse zu folgen, geben Sie am besten „digitalcourage“ in das Suchfeld ein, das auf Mastodon-Instanzen links oben zu finden ist. Oder besuchen Sie unser Fediverse-Profil direkt: https://chaos.social/@Digitalcourage

 

Datum: zuerst erschienen am 9. April 2018, zuletzt aktualisiert am 16. August 2018
Text: Christian Pietsch und ulif

Mastodon einrichten

Eine „Instanz“ finden

Das Einrichten von Mastodon ist in wenigen Minuten erledigt. Auf einem Smartphone (Android oder iOS) lässt sich eine entsprechende App installieren. Für Android sind die freien und quelloffenen Apps Tusky, Mastalab und Twidere einen Blick wert. Letztere funktioniert auch mit Twitter. Auf einem „normalen“ Rechner wird Mastodon über den Internetbrowser gesteuert.

Während Twitter und andere Social-Media-Kanäle gewöhnlich über eine zentrale Website gesteuert werden, besteht der Witz von Mastodon gerade darin, dass das Netz über viele verschiedene und voneinander unabhängige Server gebildet wird. Diese Server oder „Instanzen“, wie sie in der Mastodon-Welt genannt werden, haben je einen eigenen Namen der Art „@name“ und bilden den „Heimathafen“ ihrer jeweiligen Nutzer.innen.

Unter https://instances.social lässt sich durch die Bentwortung einiger weniger Fragen eine Instanz finden, die den eigenen Wünschen (bevorzugte Sprache, Art der Inhalte usw.) am ehesten entspricht.

Registrierung

Zur Registrierung auf der so ermittelten Wunsch-Instanz wird gewöhnlich die Angabe eines Usernamens, einer Email-Adresse und eines selbst gewählten Passworts verlangt. Usernamen sind immer an die „Heimatinstanz“ gebunden, weswegen man es auch einfach auf einer anderen Instanz probieren kann, wenn ein Username auf einer bestimmten Instanz bereits vergeben ist.

Tröten, Folgen, Boosten …

Der Rest sollte für Twitter-erfahrene Nutzer.innen ein Klacks sein.

Grid imageJin Nguyen, GNU Affero General Public License V.3+,
Grid imageEugen Rochko, GNU Affero General Public License V.3+,

Twitter und Fediverse koppeln

Niemand erledigt eine Aufgabe gern doppelt, und das gilt auch für das Schreiben von Status-Updates. Also gibt es technische Lösungen. Für den Anfang am einfachsten finden wir den Twitter-Mastodon-Crossposter. Das ist ein quelloffener Bot, der Ihre Tweets zu ihrer Fediverse-Instanz spiegelt oder wahlweise auch umgekehrt. Um ihn einzurichten, muss man einmalig folgende Schritte durchgehen:

1.) In einem Reiter auf Twitter einloggen.
2.) In einem anderen Reiter auf einer Mastodon-Instanz einloggen.
3.) Entweder auf https://crossposter.masto.donte.com.br (funktioniert z.Z. nur in der Richtung Twitter→Mastodon) oder auf https://moa.party/ die beiden Buttons „Twitter“ und „Mastodon“ anklicken und die erbetenen Rechte gewähren.
4.) In den Options mindestens den Schalter unter „Post my tweets on Mastodon“ umlegen. Jetzt noch unten auf „Update User“ klicken und fertig.

Wenn Sie ausschließlich über ihr Smartphone Tooten bzw. Twittern, können Sie stattdessen auch eine App nutzen, die immer gleich beide Kanäle mit einem Schlag befüttert. Die freie App „Twidere“, die im F-Droid angeboten wird, kann das zum Beispiel. Das hat den Vorteil, dass Sie beide Plattformen gleichermaßen im Blick haben. Nachteil ist allerdings, dass Twitter regelmäßig Schritte unternimmt, um es solchen Drittanbieter-Apps schwer zu machen. Es kommt dadurch hin und wieder zu Komplikationen, die sich manchmal nicht so schnell lösen lassen.

Appell: Polizeigesetze Stoppen!

In mehreren Bundesländern will die Union mit Ihren Koalitionspartner die Polizeigesetze verschärfen. Die Entwürfe enthalten haarsträubende Überwachungsmaßnahmen, Präventivhaft und teils sogar Kriegswaffen für die Polizeie. Wir appellieren an SPD, Grüne und FDP: Hören Sie auf Ihre Bürgerrechtsflügel – stimmen Sie gegen die Verschärfungen!

Hier mitzeichen und unserer Forderung mehr Gewicht verleihen!

James Rudolph, CC BY SA 2.0

In gekoppelten Universen leben

Jetzt können Sie wie gewohnt eine Twitter-App nutzen, um Updates abzusetzen. Früher oder später wird Ihnen die Mastodon-Instanz Ihrer Wahl eine E-Mail schreiben mit dem Hinweis, dass es Reaktionen auf einen Ihrer „Toots“ gab. So heißen die Status-Updates bei Mastodon. Lassen Sie sich auf der Mastodon-Instanz Ihrere Wahl auf ein Gespräch ein. Wir haben festgestellt, dass die User im Fediverse engagierter sind als die auf Twitter, und auch vom Umgangston sind wir begeistert.

Irgendwann halten Sie sich vielleicht die meiste Zeit im Fediverse auf und loggen sich nur noch ab und zu auf Twitter ein, um Fragen zu beantworten.

Unsere Arbeit lebt von Ihrer Unterstützung

Wir freuen uns über Spenden und neue Mitglieder.

Danksagung und Ausblick

Wir danken @pinkprius@chaos.social für den Tipp, Twitter-Mastodon-Crossposter einzusetzen. Wir danken auch allen, die Friendica oder Hubzilla empfohlen haben. Das könnten langfristig bessere Lösungen sein. Sobald wir damit Erfahrungen gesammelt haben, werden wir davon berichten.

Facebook – eine Grundsatzentscheidung

Jede Organisation steht vor der Entscheidung: „Wollen wir Facebook nutzen oder nicht?“ Facebook bedeutet eine vermeintlich größere Reichweite, vor allem aber Auslieferung vieler Daten. Wir haben eine Grundsatzentscheidung getroffen, die auch Ihnen helfen kann.

Über Uns

Digitalcourage e.V. engagiert sich seit 1987 für Grundrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter. Wir sind technikaffin, doch wir wehren uns dagegen, dass unsere Demokratie „verdatet und verkauft“ wird. Seit 2000 verleihen wir die BigBrotherAwards. Digitalcourage ist gemeinnützig, finanziert sich durch Spenden und lebt von viel freiwilliger Arbeit. Mehr zu unserer Arbeit.

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Christian Pietsch
Veröffentlicht am 09.04.2018

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