#ReclaimYourFace bei #unteilbar 2021 in Berlin

Gemeinsam mit dem "unteilbar"-Bündnis und etwa 30 000 engagierten Demokrat.innen waren wir in Berlin auf der Straße. Wir haben für Menschenrechte, Solidarität und soziale Gerechtigkeit demonstriert und damit ein klares Zeichen gegen Gewalt, Diskriminierung, Rassismus und rechte Hetze gesetzt.

Grid imageKonstantin Macher für Digitalcourage e.V., CC-BY 4.0

Wir waren begeistert von der Stimmung und hatten viele tolle Gespräche. Das hat uns nicht nur gefreut, weil wir uns in der organisatorischen Vorbereitung engagiert haben und weil viele unserer Themen (wie zum Beispiel Staatstrojaner) angesprochen wurden. Besonders schön war auch die herzliche Art und Weise, wie alle dort miteinander umgegangen sind und Interesse an den Anliegen der anderen hatten. Nicht zuletzt das prominente Grußwort von Edward Snowden, das als Videobotschaft abgespielt wurde, hat gezeigt: Gemeinsam erreichen wir mit unseren Anliegen eine große Öffentlichkeit.

Unser Campaigner Konstantin Macher durfte über #ReclaimYourFace, die europäische Bürger.inneninitiative gegen biometrische Massenüberwachung, sprechen. Den Vortrag haben wir auf dieser Seite als Aufnahme und als Text zum Aufklappen, genauso wie eine Auswahl an Fotos. Wir freuen uns schon darauf, beim nächsten Mal möglichst viele von euch wieder – oder zum ersten Mal – zu sehen.

Automatische Gesichtserkennung auf öffentlichen Plätzen? Stimmanalyse als Fahndungsinstrument? Wir fordern ein europaweites Verbot biometrischer Massenüberwachung.

Hier unterschreiben: Reclaim Your Face!

Datum: 10.09.2021

Redetext und -aufnahme

Unseren Redebeitrag zu #ReclaimYourFace haben wir hier auch nochmal als Text und Tonaufnahme:

Hier klicken, um den Redebeitrag anzuzeigen

Gehalten von Konstantin Macher beim „Demokratie und Menschenrechte“-Block

Ich bin Konstantin von #ReclaimYourFace. Wir setzen uns für ein europaweites Verbot biometrischer Massenüberwachung ein und ich will kurz erklären, was das bedeutet und wie jede und jeder von euch hier mithelfen kann. Denn wir brauchen dabei eure Unterstützung!

Vielleicht kennt ihr noch das Projekt zur automatisierten Gesichtserkennung hier am Bahnhof Südkreuz. Da zeichnet eine Kamera dein Gesicht auf, wenn du durch den Bahnhof gehst, sei es morgens auf dem Weg zur Arbeit oder wenn du, so wie ich, nach Berlin kommst, um an einer Demo teilzunehmen.

Das System macht dann aus deinem Gesicht kontinuierlich einen Datensatz und versucht damit festzustellen, ob die Polizei gerade nach dir fahndet. Andere Systeme versuchen zu bewerten, ob du dich gerade auffällig verhältst und ob du vielleicht doch kriminell bist.

Das ist nicht nur mega creepy, es ist auch ein Eingriff in unsere Grundrechte. Wir werden unter Generalverdacht gestellt und selbst wenn wir unschuldige Leute sind, kann uns das System plötzlich als Verbrecher.in bewerten. Denn solche Systeme sind fehleranfällig, und so war das auch am Südkreuz.

Insbesondere, wenn du nicht weiß und männlich bist, dann ist so ein System fehleranfällig. Diese vermeintlich "intelligenten" Systeme sind nämlich meist trainiert mit Daten aus einem verzerrten Bild einer weißen Mehrheitsgesellschaft und reproduzieren dann diesen Rassismus in der Technik.

Leider werden solche biometrischen Systeme zur Massenüberwachung immer mehr eingesetzt, und wir bei #ReclaimYourFace wollen dem etwas entgegenstellen. Jede.r einzelne hier kann dabei helfen. Wir nutzen das Werkzeug einer Europäischen Bürger.inneninitiative, um unser Anliegen von der Straße in die Politik zu tragen.

Wenn wir Erfolg haben, muss die EU-Kommission uns zuhören und ist gezwungen, sich mit unserer Forderung auseinanderzusetzen.

Auf dem Weg dorthin versuchen wir der Politik immer wieder klarzumachen, dass wir uns unteilbar für unser aller Grundrechte einsetzen. Egal, ob ein biometrisches Überwachungssystem …

  • … gegen Sportfans im Stadion eingesetzt wird,
  • … gegen Studierende bei der Prüfung am Rechner
  • … oder gegen Geflüchtete an den EU-Außengrenzen, um ihnen ihr Recht auf Schutz zu verwehren:

Solche Systeme schaffen keine Sicherheit. Stattdessen wird ein Gefühl der kontinuierlichen Unsicherheit konstruiert. Wenn ich weiß, dass so ein biometrisches System mich die ganze Zeit bewertet, nach meinem Aussehen und meiner Gangart, oder wenn es jede plötzliche Bewegung als ein Indiz für eine Gefährdung ansieht …

… dann kann es sein, dass ich mein Verhalten anpasse. Vielleicht versuche ich möglichst "normal" zu handeln beziehungsweise so, dass mich das System für normal hält. Oder ich meide dann diese Orte, gehe nicht mehr zur Demo und werde aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Wir stellen uns dem entschieden entgegen!

Wir bei #ReclaimYourFace fordern ein Verbot biometrischer Massenüberwachung und ich hoffe, ihr unterstützt uns dabei, indem ihr online auf ReclaimYourFace.eu unterschreibt. Gemeinsam können wir das schaffen. Danke!

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Veröffentlicht am 10.09.2021

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