Georgie Pauwels, via flickr, CC BY

Georgie Pauwels, via flickr, CC-BY

Du willst nicht, dass Dich Unternehmen im Internet stalken, hast aber wenig Zeit und keinen Abschluss in Informatik? Wir finden es wichtig, dass Du Dich trotzdem vor kommerzieller Überwachung schützen kannst – schließlich muss man irgendwo anfangen. Hier ein Starterpaket mit sechs Tipps, die super schnell umgesetzt sind. Alles ist am Rechner zu Hause und am Smartphone anwendbar.

Wer es puristisch mag und sich gerne tiefer einfuchst, findet natürlich auch etwas. Wir verlinken hinter jedem Absatz einen Artikel mit Hintergrund-Informationen und Selbstverteidigungs-Vorschlägen, die mehr Geduld und technisches Wissen erfordern.

1. Browser wechseln

Wenn Du bisher mit Google Chrome, Apple Safari oder einem Microsoft-Browser (Internet Explorer, Edge) ins Internet gegangen bist, lade Dir hier den Firefox-Browser von Mozilla herunter. Firefox hat viele Datenschutz-Einstellungen und kann mit Zusatzprogrammen, sogenannten Add-ons, noch sicherer gemacht werden. Außerdem wird Firefox von der Mozilla-Stiftung entwickelt, während andere Browser Unternehmen gehören. Für unterwegs gibt es den Firefox für Android und für iOS auf Apple-Handys. Leider ist Firefox trotzdem ab Werk nicht so privatsphärefreundlich, wie wir es uns wünschen. Die nächsten zwei Schritte zeigen, wie Du das verbessern kannst.

Mehr Infos: https://www.kuketz-blog.de/firefox-ein-browser-fuer-datenschutzbewusste-firefox-kompendium-teil1/

2. Standardsuchmaschine wechseln

Die meisten Leute glauben, Google ist eine Suchmaschine. Geld verdient Google aber mit Werbung und legt Profile an, um Menschen besser an seine Werbekunden verkaufen zu können. Unter anderem deshalb raten wir von der Nutzung von Google als Suchmaschine ab. Wir empfehlen MetaGer. Das ist eine Metasuchmaschine. Das heißt sie fragt verschiedene Suchmaschinen ab und präsentiert die Ergebnisse in einer Liste. Dabei wird Deine Privatsphäre gewahrt. MetaGer wird von dem gemeinnützigen Verein SUMA-EV in Hannover betrieben.

Auf dem Computer (wenn du eine Maus hast)

  • Ruf im Browser metager.de auf.
  • In der Suchbox des Browsers (oben rechts) wird die Lupe (🔍) mit einem Plus (+) verziert, wenn du eine Suchmaschine besuchst.
  • Diese Lupe mit Plus anklicken und unten in dem aufklappenden Fenster „MetaGer hinzufügen“ (oder ähnlich) klicken.
  • Im Menü ≡ → Einstellungen → Suche „MetaGer“ als Standard-Suchmaschine festlegen.

Auf einem Mobilgerät mit Android

  • Ruf im Browser metager.de auf.
  • In das nun erscheinende Suchfeld so lange (ca. 1 Sekunde) tippen, bis ein Fensterchen aufgeht, das die Option „Als Suchmaschine hinzufügen“ anbietet. Evt. musst du auf drei Punkte (⋮) tippen, um diese Option zu sehen.
  • In ⋮→ Einstellungen → Suche kannst du nun MetaGer als Standard-Suchmaschine auswählen.

Auf einem Apple-Mobligerät (iOS)

  • Ruf im Browser metager.de auf.
  • Tippe einmal kurz in das Suchfeld. Über Deiner Tastatur erscheint eine Lupe mit einem Plus. Damit fügst Du metager zu Deinen Suchmaschinen auf dem iPhone oder iPad hinzu.
  • Um MetaGer zu Deiner Standardsuchmaschine zu machen, schließe die Tastatur wieder und tippe unten rechts (iPhone) oder oben rechts (iPad) auf die drei Striche (≡) → ⚙ Einstellungen → Suche. Dort wird Dir ganz oben Deine aktuelle Standardsuchmaschine angezeigt.
  • Wenn du dort drauf tippst, öffnet sich das Fenster, in dem Du Metager als Deine Standardsuchmaschine festlegen kannst.
  • Danach gehst Du oben auf den „Pfeil zurück“ und bestätigst die Änderung durch einen Fingertipp auf „Fertig“.

Sollte unsere Anleitung nicht funktionieren: Bei MetaGer kann man direkt unter dem Suchfeld den Link „MetaGer-Plugin hinzufügen“ klicken und bekommt eine bebilderte Anleitung, die etwas anders vorgeht.

3. Schutz vor Tracking und Werbung einrichten

Firefox kann dich schon mit einfachen Änderungen der Browser-Einstellungen vor vielen verfolgenden Seitenelementen schützen. Folgende Klicks sind im Firefox zu erledigen.

Auf dem Computer (egal ob Linux, Windows, macOS)

  • Menü öffnen, über den Menübutton (oben rechts hinter diesem Symbol: ≡) und den Menüpunkt „Einstellungen“ anklicken.
  • Links die Kategorie „Datenschutz & Sicherheit“ auswählen.
  • Im Abschnitt „Browser-Datenschutz“ bei „Seitenelemente blockieren“ die Einstellung „Streng“ auswählen.

Auf Android-Geräten

  • Menü öffnen (Menübutton oben rechts) und den Menüpunkt „Einstellungen“ auswählen.
  • Den Menüpunkt „Datenschutz“ auswählen. Die Option „Schutz vor Aktivitätenverfolgung“ auf „Aktiviert“ stellen.
  • Cookies auf „Erlauben, aber nicht Drittanbietern“ stellen.

Auf iOS-Geräten ab Version 11

  • Menü öffnen (Menübutton unten rechts) und den Menüpunkt „Einstellungen“ auswählen.
  • Den Menüpunkt „Schutz vor Aktivitätenverfolgung“ auswählen.
  • Unter „Aktivieren“ die Option „Normaler Surf-Modus“ einschalten.
  • Unter Blockierlisten die Option „Streng“ auswählen.

Damit Firefox Dich noch besser vor ausspähenden Werbeanzeigen und anderen Trackern schützen kann, empfehlen wir, zusätzlich das Add-on uBlock Origin zu nutzen. Hier kannst Du es direkt runterladen und in Firefox (außer iOS) installieren.
Klicke auf „Zu Firefox hinzufügen“. Dann öffnet sich ein Dialog der Dich um Bestätigung bittet. Klicke da nochmal auf „Hinzufügen“ – Fertig!

Mehr Infos: https://digitalcourage.de/digitale-selbstverteidigung/bitte-keine-werbung-werbeblocker

4. Karten- und Navigationsdienst wechseln

Wo du wohnst, arbeitest und feiern gehst, verrät viel über dich. Wenn Du Google nicht sagen willst, wo Du bist oder wohin Du willst, benutze zum Orte und Wege finden OpenStreetMap.org! Dieser Kartendienst ist frei und teilweise sogar akkurater als der Google-Dienst. Kleine Trampelpfade im Wald sind dort meist aktueller und genauer eingezeichnet. Das kommt daher, dass die Nutzerinnen und Nutzer selbst Orte hinzufügen, Karten korrigieren und ergänzen können – ähnlich wie bei der Wikipedia. Aufpassen solltest Du bei der richtigen Schreibweise, Tippfehler werden nicht korrigiert. Auch für das Smartphone gibt es mit OsmAnd eine App, mit der Du die Karten von OpenStreetMap auch offline nutzen kannst. OsmAnd ist unter Android und iOS in einer kostenlosen Version verfügbar. Damit kannst Du eine begrenzte Zahl von Karten gratis herunterladen. Zusätzlich git es es unter Android mit OsmAnd+ eine im Play Store kostenpflichtige Variante mit unbeschränktem Funktionsumfang und ohne Downloadlimits.

Mehr Infos: https://digitalcourage.de/digitale-selbstverteidigung/wege-finden-ohne-google-maps-openstreetmap

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5. Messenger: Signal

Ehrlich: Der perfekte Messenger existiert leider nicht. Dennoch gibt es Messenger-Apps, bei denen sichere Kommunikation und Privatsphäre im Vordergrund stehen. Für Eilige empfehlen wir Signal. Es ähnelt hinsichtlich der Oberfläche und des Komforts stark anderen bekannten Messengern, ist aber freie Software. Signal erfreut sich ziemlich großer Beliebtheit. Die Kommunikation ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt und es gibt eine Gruppenfunktion.

Zur Nutzung ist die Angabe einer Telefonnummer zwingend erforderlich; die für deinen PC verfügbare Version von Signal muss zudem über dein Smartphone authentifiziert werden.

Du kannst Signal auf dem Smartphone über den offiziellen App-Store herunterladen. Wer unter Android keinen Play Store nutzt, kann die App auch direkt herunterladen und wird trotzdem über Updates benachrichtigt.

Signal-Website
Android-Direktdownload (APK)

Mehr Infos: https://digitalcourage.de/digitale-selbstverteidigung/alternativen-zu-whatsapp-und-threema-instant-messenger

6. Weg von YouTube, trotzdem alle Videos sehen

Wer auf YouTube nicht verzichten kann, aber nicht alle Nutzungsdaten an Google weitergeben möchte, kann Videos über die alternative YouTube-Oberfläche Invidious anschauen. Dort werden die YouTube-Videos frei von zusätzlichen Werbeclips und Trackingelementen angezeigt. Ebenso kannst Du Videos als Datei herunterladen. In der Standardeinstellung beziehst Du das Video noch direkt von YouTube, so dass Deine IP-Adresse für Google sichtbar ist. Auf Kosten der Geschwindigkeit lässt sich der Datenverkehr ganz über Invidious leiten, so dass Deine Identität gegenüber Google nicht preisgegeben wird. Neben der Hauptinstanz https://invidio.us/ aus den USA gibt es viele weitere öffentliche Instanzen von Invidious, die teilweise in Deutschland gehostet werden und dieselbe Funktionalität bieten. Wenn Du ein Firefox-Add-on wie Invidition installierst, wird automatisch jeder YouTube-Link, auf den Du klickst, auf Invidious weitergeleitet.

Mehr Infos: https://www.kuketz-blog.de/youtube-datenschutzfreundlicher-videokonsum/

Siehst Du? War doch gar nicht so schwer. Wir versprechen Dir: Du wirst Dich bald an die neuen Einstellungen und Programme gewöhnt haben. Ab jetzt bist du weitaus unbeobachteter und sicherer im Netz unterwegs. Viel Spaß!

Über Uns

Digitalcourage e.V. engagiert sich seit 1987 für Grundrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter. Wir sind technikaffin, doch wir wehren uns dagegen, dass unsere Demokratie „verdatet und verkauft“ wird. Seit 2000 verleihen wir die BigBrotherAwards. Digitalcourage ist gemeinnützig, finanziert sich durch Spenden und lebt von viel freiwilliger Arbeit. Mehr zu unserer Arbeit.

Veröffentlicht am 06.08.2019

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