Cryptocafé – Digitale Selbstverteidigung für Anfängerinnen und Anfänger

Am Montag, 24. Oktober 2016 fand in München der letzte Teil der Veranstaltungsreihe der Digitalcourage-Ortsgruppe München statt. Diesmal wurde es konkret: die Gäste bekamen wertvolle Tipps an die Hand, wie sie sich im Internet etwas mehr Privatsphäre ermöglichen können. An Thementischen wurde erklärt, wie Tracking und Überwachung im Internet funktionieren und wie man sich davor schützen kann. Das Jugendinformationszentrum in München war an diesem Abend mit rund 45 Gästen sehr gut besucht. Das Publikum war bunt gemischt und kam mit vielen Fragen rund ums sichere Surfen im Internet.

Fünf Thementische zur digitalen Selbstverteidigung

Die Ortsgruppe München bot fünf Tische an, an denen sich die Gäste zu verschiedenen Themen informieren konnten: Passwörter, Safer Surfen, alternative Messenger, anonymes Surfen mit Tor und Verschlüsselung von E-Mails. (Details siehe unten)

Passwörter
Ein gutes Passwort sollte mindestens 16 Zeichen lang sein und wenn möglich aus einer Kombination von Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen. Auch über die richtige „Aufbewahrung“ wurde am Thementisch zu den Passwörtern gesprochen.

Safer Surfen
Beim "Safer Surfen" ging es zunächst um die möglichen Einstellungen des Firefox-Browsers, mit denen bereits erste Maßnahmen für sicheres Surfen getroffen werden können. Anschließend wurde erklärt, wo Sicherheitslücken beim Surfen lauern, wie uns Werbefirmen im Internet verfolgen und welche Add-ons davor schützen können. HTTPS-Everywhere, der Werbeblocker uBlock Origin und das Add-on Self-Destructing Cookies sind dabei wichtige erste Schritte. Das Add-on LightBeam visualisiert zudem sehr schön, welche Unternehmen sich im Hintergrund an unsere Fersen heften und dabei unser Surfverhalten analysieren, wenn wir im Internet unterwegs sind. Mit Hilfe weiterer Add-ons werden die „Verfolger“ dort sichtlich weniger: Der Privacy Badger und das Add-on NoScript erschweren die Verfolgung durch Werbefirmen im Internet.

Wollen Sie selbst aktiv werden? Unterstützen Sie uns vor Ort in Bielefeld, Braunschweig, Berlin und München, in unseren Arbeitsgruppen oder durch eine Spende oder Fördermitgliedschaft.

Anonymes Surfen
Mit Hilfe des Tor Browsers ist es möglich anonym zu surfen. Da die Kommunikation beim Tor Browser verschlüsselt über mehrere Server umgeleitet wird, kann sie so gut wie nicht zurückverfolgt werden und ist innerhalb des Tor-Netzes von außen nicht einsehbar.

Alternative Mobil-Messenger
Als alternativer Messenger wurde Conversations vorgestellt. Conversations ist ein Jabber/XMPP Client für Smartphones mit Android 4.0+. Der Quellcode von Conversations ist offen, das heißt für jede und jeden einsehbar. Nachrichten werden verschlüsselt übertragen und das Besondere: sogar die Metadaten sind weitgehend geschützt.

E-Mail-Verschlüsselung
Auch das Verschlüsseln von E-Mails mit der Thunderbird-Erweiterung Enigmail wurde an einem Tisch erklärt und viele Gäste waren erstaunt, wie einfach das ist. Bei der Installation ist die Unterstützung auf einer Cryptoparty sehr sinnvoll, aber auch im Internet gibt es Unterstützung zum Beispiel bei „Verbraucher-sicher-online“, einem Projekt der Technischen Universität Berlin.

Offene Fragen

Ungeklärt blieben beim ersten Cryptocafé von Digitalcourage in München viele Fragen zum sicheren Umgang mit Smartphones. Die Antworten dazu sind leider nicht einfach, beim nächsten Cryptocafé wird es dazu aber bestimmt weitere Informationen geben. Digitalcourage hat bereits einige wichtige Hinweise zum Umgang mit Smartphones gesammelt. Es ist auf jeden Fall ratsam, sensibel mit eigenen und vor allem auch fremden Daten umzugehen: Deinstallieren Sie unnötige Apps, schalten Sie die Synchronisation von Kontakten aus. Auch fürs Smartphone gibt es Alternativen: F-Droid bietet viele hilfreiche und spannende kostenlose Open Source Apps an, mit Conversations sind private Nachrichten in besseren Händen und OpenStreetMap (OSM) hilft mit der freien App OsmAnd bei der Orientierung. Die Karten von OSM sind sogar offline nutzbar.

Unterstützen Sie Open-Source-Projekte

Wer kostenlose Software-Produkte nutzt, zahlt meistens mit persönlichen Daten. Bei den Open Source Anwendungen, die auf dem Cryptocafé vorgestellt wurden ist das anders. Sie wurden entwickelt um ihren Anwenderinnen und Anwendern etwas mehr Privatsphäre zu ermöglichen. Die Entwickler solcher Projekte sind auf Ihre Unterstützung angewiesen, damit sie ihre Software-Produkte aktuell halten und neue entwickeln können. Vergessen Sie nicht, an die Entwickler der Produkte die Sie nutzen, zu spenden.

Was können Sie außerdem tun?

Digitale Selbstverteidigung ist eine gute Möglichkeit um sich vor aggressiven Werbeunternehmen im Internet zu schützen, ändert aber noch nichts an der zunehmenden staatlichen Überwachung und der flächendeckenden Sammlung und Auswertung persönlicher Daten. Alleine ist es schwer Veränderungen zu bewirken. Was können Sie also tun? Die Antwort ist einfach: Engagieren sie sich zusammen mit anderen, informieren Sie sich, wehren Sie sich gegen die Sammlung ihrer Daten und unterstützen Sie die politische Arbeit zum Thema Datenschutz und Bürgerrechte.

Digitalcourage engagiert sich seit über zwanzig Jahren für Grundrechte und Datenschutz und hat schon viel erreicht. Aber nur mit Ihrer Unterstützung ist es möglich, weiter für eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter zu arbeiten. Werden Sie Mitglied und ermöglichen Sie so eine unabhängige Finanzierung und nachhaltige Bearbeitung auch langfristiger Themen.

Text: Lisa Krammel
Foto von München: David Kostner CC BY SA 2.0

Veröffentlicht am 27.10.2016

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