Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2014 und ist daher potentiell veraltet. Schauen Sie doch mal in unseren aktuelleren Adventskalender oder bei der digitalen Selbstverteidigung.

Wege finden ohne GoogleMaps

Wir befinden uns im Jahr 2014 n.Chr. Die ganze Welt nutzt GoogleMaps... Die ganze Welt? Nein! Denn es gibt quelloffen entwickelte Alternativen... Heute haben wir Ihnen eine interessante Alternative zur Navigation und für Kartendienste in den Adventskalender gepackt, die frei und offen ist und zum Mitmachen einlädt: OpenStreetMap.

Während die Römer, Asterix und Obelix sich noch anhand der Sterne orientierten, ist digitale Navigation ein Teil unseres Alltags geworden, sei es mit dem Navigationssystem im Auto, unterwegs auf dem Smartphone oder zu Hause im Browser. Und auch hier scheint kein Weg an Googles Allgegenwärtigkeit vorbeizuführen, GoogleMaps setzte Maßstäbe und wird vom Großteil der Nutzer.innen verwendet - mit den bekannten Risiken und Nebenwirkungen aller Google-Produkte, denn auch hier sammelt der Technologie-Konzern Daten, um seine Datenbanken aufzufüllen. Oft ist es schwer, eine brauchbare Alternative zu den bequemen Google-Diensten anzubieten. Doch der Verzicht auf GoogleMaps fällt wirklich nicht schwer. Denn zum Glück gibt es OpenStreetMap – für das Handy auch im Ausland ohne ständige teuere Datenverbindung nutzbar.

OpenStreetMap

Ähnlich wie Wikipedia werden die Kartendaten von OpenStreetMap (OSM) von den Nutzer.innen zusammen getragen und auf Stand gehalten. Es wird bereits von mehr als 1,5 Millionen registrierten Nutzer.innen editiert, weiterentwickelt und verbessert. Die Karten sind durch die Mitarbeit vieler Enthusiasten beeindruckend detailliert und präzise. Insbesondere Hausnummern und Wege in Parks oder anderen spezielleren Gebieten sind häufig sehr viel präziser, als bei GoogleMaps. Dies führt beispielsweise dazu, dass sogar Wanderwege in den bayrischen Alpen verfügbar sind, bei denen GoogleMaps das Flugzeug empfehlen würde.

Und das Tolle ist: Da das gesammelte Material frei ist, konnten daraus viele Folgeprojekte entstehen, wie Fahrradkarten oder eine Karte mit Überwachungskameras.

OSM

Quo vadis? - Navigation mit OpenStreetMap

OpenStreetMap stellt zunächst "nur" das Kartenmaterial zur Verfügung. Es gibt allerdings verschiedene Dienste, die OpenStreetMap als Grundlage für Navigation verwenden:

  • Open Source Routing Machine (OSRM) ermittelt den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten und ist auf OpenStreetMap-Karten optimiert. Es wurde u.a. vom Karlsruhe Institute of Technology (KIT) betreut.

  • Skobbler wurde ursprünglich von einer deutschen Firma entwickelt und Anfang 2014 von dem US-Unternehmen Telenav gekauft. Ein Blick in die Datenschutzrichtlinien lohnt, denn es gibt Kritik, dass Nutzerdaten gesammelt werden, um den Service zu verbessern.

  • Yet another OpenStreetMap Route Service (YOURS) ist ein weiteres OpenSource-Projekt. Nach eigenen Angaben funktioniert die Navigation bereits gut in den USA, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland.

  • Graphopper ist ein auf Java basierendes OpenSource-Projekt. Ein nettes Gimmick ist das Höhenprofil für geplante Routen.

  • MapQuest bietet seit 2010 auf OpenStreetMap basierende Navigation an. MapQuest gehört zu AOL und unterliegt den entsprechenden Datenschutzbestimmungen.

  • OpenRouteService wird von der Universität Heidelberg entwickelt und angeboten. Es scheint leider nicht mit allen Browsern zusammenzuarbeiten – bei unseren Tests hat es jedenfalls nicht überzeugt. Vewirrend ist auch, dass auf der Website der Name "OpenRouteService.org" steht, man hinter dieser URL aber auch eine alter Version gelangt.

Dies ist lediglich eine unvollständige Liste von Navigationsdiensten mit weltweiter Unterstützung, für spezielle Regionen und Anwendungen, wie z.B. Wander- oder Fahrradtouren gibt es weitere Webseiten. Es lohnt sich zu stöbern!

Orientierung und Navigation to go

Auch unterwegs muss man auf freies Kartenmaterial nicht verzichten, denn OpenStreetMap wird von vielen Apps verwendet und unterstützt. Das Kartenmaterial kann außerdem auf dem Smartphone gespeichert werden, sodass die Navigation unabhängig von einer Datenverbindung ist. Das ist besonders im Ausland praktisch, wenn das Datenvolumen begrenzt und teuer ist. Weitverbreitet ist u.a. die freie und quelloffene App OsmAnd, die On- und Offline-Navigation unterstützt und in einer abgespeckten Version kostenlos ist. Wer F-Droid verwendet wird sogar belohnt und bekommt kostenlos die Version ohne Einschränkungen. Für Wanderer empfehlen wir, auch die Höhenlinien und die Relief-Schattierungen herunter zu laden und die "Touring View (more contrast and details)" einzustellen. Die versteckt sich in den Einstellungen ›Anzeige konfigurieren‹ im Abschnitt ›Kartenanzeige‹ hinter ›Kartendarstellung‹.

Auch hier lohnt es sich verschiedene Apps auszuprobieren und nach den eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen zu entscheiden. openstreetmap.de hat dafür einen schöne Einstiegsseite.

Wo liegen Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum?

Wenn Sie demnächst Ihre Weihnachtsfeier organisieren und den Kollegen, Freunden und Vereinsmitgliedern den Ort des Geschehens mitteilen wollen, verzagen Sie nicht! Denn auch das Setzen eines Kartenmarkers und das Extrahieren von Links auf Adressen ist mit OpenStreetMap problemlos möglich. Und auf der eigenen Website kann man die Karte einbinden , ohne Furcht haben zu müssen, von Google verklagt zu werden.

Auch wenn wir Ihnen den Termin unserer Weihnachtsfeier nicht verraten, Digitalcourage finden Sie in der Markstraße 18 in der Bielefelder Innenstadt.

...oder eben mit Hand und Fuß

Und auch abseits der digitalen Welt gibt es Möglichkeiten: Nutzen Sie einmal Straßenatlas und Wanderkarte oder verlassen Sie sich unterwegs auf die Hilfbereitschaft Ihrer Mitmenschen. Wer weiß, was sich daraus ergibt... Denn Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnis.


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Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch nicht durch unsere Empfehlungen. Programme können unentdeckte Fehler haben und Datenschnüffeltechniken entwickeln sich weiter. Bleiben Sie wachsam!

Der Artikel ist auf dem Stand vom 11.12.2014. Sollten Sie Fehler finden, Ergänzungen haben oder Empfehlungen bei Ihnen nicht funktionieren, geben Sie uns Bescheid.


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